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Bilder aus vergangener Zeit: Georg Lanzl stößt 1983 mit seiner Mutter Anni mit dem Ehepaar Strixner und dem Bräu, Josef Schuster (ehemaliger Volksfestveranstalter), an.

Heute Abend beginnt das Indersdorfer Volksfest

"Damals wurden Masskrüge noch im Fass ausgespült"

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Seit fast 50 Jahren begleitet die Familie Lanzl das Indersdorfer Volksfest als Festwirtsfamilie. Georg Lanzl erzählt von Zeiten, in denen Radler noch ein Fremdwort war, die Zeltplane aufs Dach genagelt und Masskrüge in Fässern gespült wurden. Und: in denen es ganz normal war, dass Männer sechs bis acht Mass Bier tranken.

Heute Abend beginnt das Indersdorfer Volksfest (Bieranstich 18.30 Uhr), für eine Woche herrscht wieder bunter Ausnahmebetrieb auf der Festwiese.

Zwei Tage vorher steht Georg Lanzl noch in einem kleinen Schneehaufen, schüttelt den Kopf. Mistwetter, um ein Zelt aufzubauen, ist das. Aber immer noch kein Vergleich zu damals, so vor 20, 25 Jahren. „Da musste die Feuerwehr anrücken. Soviel Schnee hatte es. Die Männer haben mit den Wasserschläuchen den Schnee vom Zeltdach gespritzt. Das Dach hätte das nicht ausgehalten“, erzählt Lanzl. Der 65-Jährige kennt einen Haufen skurriler Geschichten über das Indersdorfer Festzelt. Kein Wunder, denn seine Familie ist seit Jahrzehnten am Indersdorfer Volksfest. „Damals hatte ich noch nicht mal einen Führerschein, so lange ist das her.“

Volksfest Indersdorf: Zehn Männer bauen das Zelt auf

Zeltaufbau bei Schnee begeistertz Georg Lanzl nicht besonders. 

Zehn Männer sind zehn Tage lang beschäftigt, um das Festzelt für rund 2700 Gäste auzubauen. Ein Knochenjob, gerade heute, wo es draußen immer wieder schneit – obwohl nun vieles viel einfacher ist, als noch zu Lanzls Anfangszeiten in Indersdorf. Damals standen die Männer noch freihändig auf dem Zeltdach und nagelten die Plane mühevoll ans Gerüst. Heute wird sie mit sechs Mann einfach drübergezogen. Ist zwar auch anstrengend, aber eben kein Vergleich mit der Nagelmethode. „Damals war die Plane nicht aus PVC sondern aus Baumwolle und das Zelt nicht aus Aluminium, sondern aus Holz“, sagt Lanzl, der selbst überall mit anpackt. Klar, dass es da mal ein „paar Planen weggerissen hat, wenn ein Sturm war. Das Material war ja viel schneller verschlissen“. Doch Indersdorf hatte ohnehin Glück, was Unwetter betrifft. In all den Jahren hat Lanzl nichts Nennenswertes erlebt, anders als in Dachau, als 2004 das Festzelt evakuiert wurde.

Jetzt versucht Lanzl die Tür zum Toilettenbereich aufzuschieben, ein Schneehaufen versperrt den Weg. Heuer gibt’s für die Mädels einen Container mehr, auch der Bereich vor den Toilettenwagen ist heuer größer – wegen der vielen Raucher, sagt Lanzl. „Wenns denen heuer nicht zu kalt zum Rauchen ist.“ Zwei Arbeiter mit Mützen und Handschuhen tragen gerade eine Tür ins Zelt, „da werden wir wohl morgen die Heizung anschmeißen müssen“, sagt Lanzl.

Volksfest Indersdorf: 5000 Masskrüge werden gebraucht

Heizung? Sowas gab’s früher im Zelt natürlich nicht. Überhaupt war alles viel einfacher, reduzierter. „Man kann sich nicht vorstellen, wie aufwendig heutzutage so ein Festzeltbetrieb ist.“ 20 Lkw-Ladungen braucht es, bis alles, was nötig ist, fürs Indersdorfer Festzelt parat ist. Allein 5000 Masskrüge sind darunter – 1500 gehen im Schnitt pro Festwoche kaputt. Während heutzutage eine Gläserspülmaschine die Masskrüge bei mindestens 65 Grad erst zweimal heiß, und einmal kalt spült, stand früher nur ein großes Fass hinter der Schenke. Mit Wasser und einem Schlauch. „Da hat man die Krüge einfach schnell drin ausgewaschen. Das war’s“, sagt Georg Lanzl. Und das Essen, das gab’s damals größtenteils von Papptellern. „Früher gab’s Hendl, Haxn und Würstl. Das war’s.“ Heute finden sich auf Lanzls Speisekarte 26 verschiedene Gerichte, eins davon vegan.

Doch auch was die Anzahl der Steckdosen angeht, war das damals „ein Kindergarten“ im Vergleich zu heute. Früher gab’s eine Holztafel mit zehn Steckdosen drin, heutzutage steht ein Elekronikschrank im Zelt, er birgt unter anderem 48 Dosen. Aber klar, Lautsprecheranlage, Lichtanlage, Heizung und Spülmaschine wollen bedient werden. „Es gab Zeiten, da hat an zehn Tagen nur Blasmusik gespielt, und das Zelt war trotzdem voll“, erinnert sich Lanzl. „Aber damit würden heute einfach keine jungen Leute mehr kommen. Die Zeiten sind andere geworden.“

Volksfest Indersdorf: Radler war früher ein Fremdwort

Auch beim Bierkonsum sind die Zeiten längst nicht mehr die selben. Radler war früher im Festzelt ein Fremdwort. „Da hat kein Mensch danach verlangt“, sagt Lanzl. Irgendwann änderte sich das Ganze langsam. Ganz langsam. „Da haben wir einen Kasten weißes Limo am Abend verkauft. Die Bedienungen mussten Radler damals selber an der Schenke mischen.“ Heute gehört das Radler genauso mit dazu, wie die normale Mass, das weiße Limo wird fässerweise gebraucht. Nicht unbedingt verkehrt, denn damals „war’s einfach völlig normal, dass Männer sechs bis acht Mass getrunken haben“, sagt Lanzl.

Doch soviel sich auch in all den Jahrzehnten geändert haben mag, ein Moment wird für Georg Lanzl immer der beste der ganzen Festwoche sein: Wenn die Arbeit getan ist, und er sich „einen Schluck Bier und ein Hendl" gönnen kann.

Auch heuer gibt es wieder ein buntes Programm auf dem Indersdorfer Volksfest, von Geigengroove bis Karibik-Sound.

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