Die Geschichte des Indersdorfer Volksfests

Der erste Festwirt wurde brutal ermordet

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Wie ist Indersdorf eigentlich zu seinem Volksfest gekommen? Erst wollte es keiner haben. Vor allem nicht der Gemeinderat. Jetzt gehört es zu den beliebtesten in der Region. Doch für seinen Initiator nahm das Volksfest ein tragisches Ende. Er starb auf der Festwiese – ermordet vom eigenen Schwiegervater.

Die Bedenken im Gemeinderat waren groß. Streit gab’s deshalb. Und zwar nicht zu knapp. Ein Volksfest? In Indersdorf? Sowas geht doch bei uns nicht! So lautete zumindest die Meinung vieler Kommunalpolitiker Anfang der 60er Jahre in Indersdorf. Doch einer, der glaubte nicht an das Geschwätz. Ganz und gar nicht.

Wie Indersdorf zu seinem Volksfest kam, können Interessierte dank Christel Böller und Erwin Niedersteiner jetzt nachhören. Ja, hören. In einem dreiminütigen Hörspiel erzählen die beiden die Geschichte. Das ganze für das Projekt Hörpfade der Indersdorfer Vhs (wir haben berichtet). Das Hörspiel ist im Internet zu finden.

Also, wie kam’s nun zu dem Fest für die Indersdorfer? Josef Schweiger aus Puchheim war in den 60er Jahren immer an den vier Markttagen im Jahr in Indersdorf und unterhielt die Leute mit Schiffschaukel, Ponyreiten und in seinem Bierzelt zwischen Unterwirt (jetzt Memories) und Bäckerei Seidl. Doch das war Schweiger zu wenig, er wollte mehr, ein großes Fest sollte es sein. Und deshalb ließ er auch nicht locker. Und irgendwann hatte er die Kommunalpolitiker soweit. Sie stimmten zu.

Was dann passierte, recherchierte Christel Böller in den letzten Jahren für die Geschichte: Zusammen mit dem „Klosterbräu“ Johann Fuchsbüchler, dem damaligen Inhaber der Klosterbrauerei, organisierte Schweiger 1965 das erste Fest. Fuchsbüchler stellte dazu den Platz, eine Wiese neben der Glonn, zur Verfügung und lieferte natürlich das Bier. Für das leibliche Wohl sorgten die Indersdorfer Metzgereien, die Backwaren kamen von der Klosterbäckerei Pest.

Dann stieß Christel Böller auf ein tragisches Ereignis: 1967 wurde Johann Schweiger, damals 34 Jahre alt, auf dem Volksfest ermordet. Am zweiten Wiesentag gegen 1.30 Uhr nachts eskalierte ein bitter böser Streit zwischen Schwiegervater (einem Schießwagenbetreiber), Ehefrau und Schweiger. Schweiger bekam sich gegen Mitternacht mit seiner Frau in die Haare. Der Schwiervater wollte zunächst schlichten. Doch schnell verschärfte sich der Krach zwischen den Männern, eineinhalb Stunden später eskalierte der Streit: Der Schießwagenbereiber griff sich einen Trommelrevolver und schloss dreimal auf Schweiger. Danach stach er mehrmals mit einem Stilett auf ihn ein. Für Schweiger kam jede Hilfe zu spät, so stand es damals in den Dachauer Nachrichten.

Doch der Tod des Festwirts bedeutete nicht das Ende des Volksfests. Gleich das Jahr darauf übernahmen Johann Fuchsbüchler und dann Gabi und Sepp Schuster die Organisation des Volksfestes.

Christel Böller fand viel heraus, was damals so auf der Festwiese geboten war. Es gab Boxkämpfe, und 1968 feierte der Soldaten- und Kriegerverein Indersdorf sein 100-jähriges Bestehen mit einem Heimatabend im Festzelt. Sportlich stand das Fest 1968 unter dem Zeichen Handball, es gab drei Turniere. Auch diese Anekdote fand Böller bei ihren Recherchen. In den 70er Jahren begann das Volksfest mit einem Maitanz im Festzelt am Freitag vor Christi Himmelfahrt. Der offizielle Beginn war erst am Samstagnachmittag mit Standkonzert am Marktplatz und Festzug zum Volksfestplatz.

Mit dem Verkauf der Klosterbrauerei 2006 ging die Organisation des Volksfestes nahtlos von der Familie Fuchsbüchler-Schuster an Josef Schuster junior (nicht verwandt) über. Der neue Volksfestchef hat viele Traditionen übernommen, versucht aber auch immer wieder, neue Attraktionen einzuführen, wie die Wahl des Volksfestmadls oder Ansteckplaketten für soziale Zwecke.

Seit 2007, dem 125-jährigen Jubiläum zur Markterhebung der Gemeinde Indersdorf, finden Festzug und Anstich schon am Freitagnachmittag statt. Anschließend trifft man sich zum „Abend der Vereine“ – so wie am vergangenen Freitag.

Wie kann man die Geschichte anhören?

Interessierte finden den Hörpfad über das Indersdorfer Volksfest auf der Internetseite der Indersdorfer Vhs unter dem Thema Hörpfade – so wie die anderen Hörspiele über die Gemeinde.

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