Sie wollen junge Persönlichkeiten aus ihren Schützlingen machen: Ausbildungsleiter Walter Strauß, Fachlehrerin Stefanie Stanglmayr und der stellvertretende Ausbildungsleiter Hans Assenbrunner (von links). foto: zim

Voller Vorfreude auf 158 blutjunge Azubis

Dachau - Die Masse wird mit ihren Eltern im Schlepptau anmarschieren. Sie werden in Betten schlafen, die älter sind als sie selbst. 158 blutjunge Männer und Frauen werden das 31. Ausbildungsseminar der Bepo bilden.

Erster Polizeihauptkommissar Walter Strauß geht über das Stiegenhaus. Überall um ihn rum wird geweißelt und gehämmert, was das Zeug hält. Schließlich soll alles picobello sein, wenn die Azubis am Sonntagnachmittag anrücken. Das heißt: „Einer war schon da“, schmunzelt Strauß, „wir haben ihn reingelassen und ihm schon mal alles gezeigt.“ Strauß wird die kommenden zweieinhalb Jahre der Chef des Neugierigen sein - und weiterer 157 Frauen und Männer.

Zuletzt leitete Strauß ein Seminar der Bereitschaftspolizei Eichstätt, lebt aber in Petershausen und freut sich bereits auf seine Zöglinge, von denen rund ein Dutzend - so wie er - aus dem Landkreis Dachau stammen. Bis auf vier kommen alle aus Städten und Gemeinden mit einer 8 am Beginn der Postleitzahl - überwiegend aus Oberbayern. 63 Prozent von ihnen besitzt das Abitur, der Rest die Mittlere Reife. Sie alle sind blutjung: zwischen 17 und Anfang 20. Rund ein Drittel sind Frauen. Alle Anwärter mussten einen zweitägigen Einstellungstest bestehen.

Auch die Auszubildenden können ihren Dienstbeginn am kommenden Montag kaum erwarten. Auf der Internetplattform Copzone, so etwas wie Facebook für Polizisten, geht es rund: „Bin ab 02.09 in Dachau dabei. Wer noch?“ „Ich bin auch dabei, und ich freu mich scho voll drauf. Wo kommt ihr her?“, ist dort etwa zu lesen.

Innerhalb von nur sechs Wochen ist die Einheit auf die Beine gestellt worden, denn: „Es herrscht gigantischer Bedarf auf den Dienststellen“, so Strauß. Zwar wurde bei der Dachauer BePo stets ausgebildet, doch die letzte Gründung einer gesamten Einheit geht in die 70er Jahre zurück.

23 Ausbilder kümmern sich um die neuen Kollegen. Einer davon ist Polizeihauptkommissar Hans Assenbrunner, ein erfahrener Fachlehrer und Koordinator sowie Strauß’ Stellvertreter. „Wir sind eine bunt gemischte Gruppe von Kollegen mit viel Praxiserfahrung“, sagt er. Stefanie Stanglmayr etwa war früher Realschullehrerin in München. Beim 31. Ausbildungsseminar ist sie zuständig für die politische Bildung. Zudem ist sie Deutsch- und Englischlehrerin.

Fachkompetenz, Rechtswissen, Persönlichkeitsbildung - das sind die Eckpfeiler der zweieinhalbjährigen Ausbildung. „Wir wollen dabei alles andere als einen militärischen Touch“, sagt Seminarchef Strauß. Doch in Watte gepackt werden ihre Schützlinge nicht. Komfort? Fehlanzeige. Sie werden in Doppel- und Dreibettzimmern schlafen. Das Mobiliar stammt aus den 80er Jahren und ist damit älter als seine neuen Benutzer. „Sie werden überrascht sein, was in der Ausbildung passiert“, meint der Erste Polizeihauptkommissar. Neben Sport oder Schießausbildung werden die Anwärter beispielsweise bei der Caritas tageweise mit Behinderten arbeiten.

„Es wird eine Mordsumstellung für sie, zum ersten Mal weg von zu Hause“, sagt Lehrerin Stanglmayr. Und Walter Strauß ergänzt: „Wir verlangen in kurzer Zeit fast Unmenschliches von ihnen: Sie müssen erwachsen werden.“

Thomas Zimmerly

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