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Am ehemaligen Bauplatz im Buchwald von Welshofen stehen nur noch zwei Container. Alles ist ruhig. 

Gespenstische Ruhe am Windrad im Buchwald

„Zeit ist Geld“, eine Binsenweisheit für jeden Unternehmer. Groß ist daher die Frustration, wenn gar kein Geld verdient werden kann. So wie beim Windrad bei Welshofen.

Welshofen – Ruhig ist es im Bereich des neuen Windrads von Welshofen. Gespenstisch ruhig. Alle Baumaschinen sind abgebaut, die Baufahrzeuge abgezogen. Kein Schild mehr am Eingang des Buchwaldes: „Baustelle“. Denn hier ist keine Baustelle mehr.

„Seit 1. April ist das Windrad eigentlich betriebsbereit“, so Erich Wust, Geschäftsführer der Gesellschaft Bürgerwindenergie Erdweg ein wenig empört. Einer der Initiatoren der Gesellschaft, Jürgen Böckler aus Kleinberghofen, ärgert sich ebenfalls maßlos über das ständige Hin und Her der Behörden. Der VGH habe nach einer Klage des Vereins für Landschaftspflege- und Artenschutz in Bayern“ (Vlab) in zweiter Instanz den Betrieb der Anlage untersagt (wir haben berichtet). Zum einen wegen der Genehmigung des Windrads überhaupt, zum anderen wegen der Genehmigung des sofortigen Vollzugs, den die Firma WWS beantragt hatte. „Der VGH München hat in seiner für uns kaum verständlichen Eilentscheidung Zweifel daran geäußert, ob die Genehmigung durch das Landratsamt richtig war, da die Höhere Naturschutzbehörde eine Nachuntersuchung hinsichtlich des Wespenbussards ,empfohlen’ hatte, obgleich auch sie wusste, dass der Windkrafterlass geändert werden würde. Der VGH meint, dass es für diese Empfehlung einen Grund gegeben haben müsste“, erklärt Böckler gegenüber den Dachauer Nachrichten. Die Höhere Naturschutzbehörde drücke sich aber seit Wochen vor einer klaren Aussage, moniert er auch. Das letzte von anfangs drei geplanten Windrädern liege in einer Entfernung von mehr als 1000 Metern zum Prüfbereich. Der so genannte „äußere Prüfbereich“ zwischen 1000 und 6000 Metern sei im neuen Windkrafterlass von 2016 als Prüfbereich entfallen, so Jürgen Böckler. „Heute muss dort nicht mehr geprüft werden, weil nach neueren ornithologischen Erkenntnissen in einem solchen Abstand zum Horst keine Gefährdungen auftreten.“

Tatsächlich befindet sich der Vorgang einerseits noch bei der Regierung von Oberbayern, wo die Höhere Naturschutzbehörde angesiedelt ist, in der Prüfungsphase, bestätigt eine Sprecherin der Regierung. Andererseits wurde das Hauptklageverfahren, die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der Windenergieanlage, zurücküberwiesen an das Verwaltungsgericht München. „Wann in dieser Sache eine öffentliche mündliche Verhandlung stattfinden und danach dieses Klageverfahren entschieden werden wird, lässt sich derzeit noch nicht prognostizieren“, meint Florian Schlämmer, stellvertretender Pressesprecher.

„Die Mühlen mahlen langsam“, zeigt sich Erich Wust unzufrieden. Seit Jahren stehe er für Windkraft mit Bürgerbeteiligung. „Wust Wind und Sonne“ habe eine Vielzahl von Bürgerwindparks erfolgreich umgesetzt. So viel Widerstand schlage ihm sonst nicht ins Gesicht.

Für Jürgen Böckler ist auch die finanzielle Seite ein wichtiges Thema. Die Anlage in Welshofen sei mit einem Eigenkapital von rund einer Million Euro und Fremdkapital von vier Millionen Euro erstellt worden. Er befürchtet, dass die finanzierenden Banken Konsequenzen ziehen, wenn aufgrund des Stillstands des Windrads keine Erlöse erzielt werden können. Die Gefahr sieht Erich Wust hingegen nicht. Das Unternehmen Bürgerwindenergie sei absolut liquide. Man habe genug Kapital gesammelt und es gebe schließlich auch tilgungsfreie Zeiten. Zudem sind Kapitalreserven eingerichtet worden. Die seien zwar eigentlich nur für die Überbrückung von Windschwankungen vorgesehen, könnten zur Not aber auch anders eingesetzt werden. Den eigentlichen Ertragsausfall ab April werde die Gesellschaft aber aufrechnen. „Das Landratsamt hat nichts falsch gemacht“, betont Erich Wust zugleich. Aus artenschutzrechtlicher Sicht und mit dem neuen Windkrafterlass sei alles genehmigungsfähig gewesen.

Erich Wust bemüht sich trotzdem um Schadensbegrenzung. Beim Verwaltungsgericht München sei vor wenigen Tagen ein Eilantrag der Betreiberin der Windenergieanlage eingegangen ließ Florian Schlämmer in seiner Presseerklärung wissen. Der Antrag sei darauf gerichtet, den Betrieb der Anlage in der Zeit von 22 Uhr bis 5 Uhr vorläufig zuzulassen. Nachdem der Eilantrag den Verfahrensbeteiligten aktuell erst zur Stellungnahme übermittelt wurde, lässt sich noch nicht vorhersehen, wann über diesen Antrag – voraussichtlich im schriftlichen Verfahren und ohne mündliche Verhandlung – entschieden werden wird“, so Schlämmer.

Demnach wird es wohl vorerst weiter ruhig rund um die Windkraftanlage bleiben.

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