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Dachau erstickt im Verkehr: Einen Vortrag zu diesem Thema gab es im Bauausschuss.

Vortrag des neuen Verkehrsplaners der Stadt Dachau

Weniger Parkplätze, weniger Verkehr

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Dachau - Die Stadt hat einen neuen Verkehrsplaner. Und der hat sich gleich mal Gedanken gemacht über: den Verkehr. Die Ergebnisse seiner Überlegungen präsentierte er im jüngsten Verkehrsausschuss einem – etwas skeptischen – Publikum.

„Dachau erstickt im Verkehr.“ Diese These stand gleich zu Beginn groß auf der Leinwand im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Und diese These würden wohl die meisten Dachauer sofort unterschreiben – wenn auch eher in Bezug auf den fließenden oder eben nicht fließenden Verkehr denn auf den ruhenden. Doch der neue Verkehrsplaner hatte eine Power-Point-Präsentation zum Thema „ruhender Verkehr“ vorbereitet, zwei Teile à 15 Minuten, hieß es. 

Es wurde dann doch etwas länger, denn Planer Justus Hoffmann holte etwas weiter aus. Anlass des Vortrags sei die geplante Fahrradabstellsatzung, der Rahmenplan Augustenfeld, die Parkraumbewirtschaftung am S-Bahnhof und die Stellplatzsatzung gewesen – und ein Vortrag von Professor Hermann Knoflacher im Juni 2015 vor dem Dachauer Stadtrat. Der Herr ist Verkehrswissenschaftler und bekannter Gegner des Autos, er bezeichnet es als „ein Virus“.

Und so versucht auch Hoffmann, den Politikern zu zeigen, was die Auswirkungen von Verkehr, also Autos, und damit Parkplätzen, öffentlich wie privat, auf das öffentliche Leben sind. Beim Thema Rahmenplan Augustenfeld etwa erörterte Hoffmann, wie sich Parken, Verkehr und Fläche gegenseitig beeinflussen, mit den verschiedensten Fällen. 

Klar kam dabei heraus, dass seine bevorzugte Version diese ist: weniger Stellplätze, private wie öffentliche. Denn dann bräuchte es demzufolge weniger Fläche für den Kfz-Verkehr, mehr Grün- und Freiflächen, weniger Immissionen und damit mehr Aufenthaltsqualität. Allerdings wies er darauf hin, dass dann eine sehr gute öffentliche Anbindung wichtig sei, dazu eine Parkraumregelung für Besucher und Anlieferung – und zum Beispiel eine Quartiersgarage gebaut werden müsste, damit Anwohner irgendwo parken könnten. Genaugenommen, so das Fazit, sei das Ziel viel schwammiger: Ziel sei, ein gemeinsames Ziel zu finden – für den ruhenden Verkehr. 

Was bei der Präsentation aber nicht geklärt wurde: Wie genau man eventuell die Dachauer dazu erziehen solle, erstens weniger mit dem Auto zu fahren und zweitens vielleicht sogar weniger Autos zu besitzen. Und so polterte August Haas (CSU), er sei nicht dafür, „Menschen umerziehen zu wollen“. In der Präsentation seien alle Argumente „von der anderen Seite“, damit meinte er wohl die Fraktionen SPD, Grüne und Bündnis auf der anderen Seite des Tisches, zusammengetragen worden, mit dem „Fahrrad als einzig glückselig machendes Fortbewegungsmittel“. Und so schloss Haas: „Die Fronten sind ideologisch festgefahren.“ 

Wolfgang Moll (parteilos) war nicht genauso rigoros, meinte aber auch, dass diese Überlegungen mit einem „Umdenken bei der Bevölkerung“ rechneten. Doch „so lange die Autos da sind, müssen sie wohin“. Darauf ließ sich Thomas Kreß (Grüne) ein: Ja, auf ein Umdenken sei die Stadt angewiesen. Doch: „Wenn wir alles lassen, wie es ist, dann haben wir ein Problem – denn irgendwann steht der Verkehr.“ 

Ergebnisse gab es also keine. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) betonte aber, dass doch viel in der Präsentation gewesen war, „was zum Nachdenken anregen sollte“. Als schließlich Bernhard Sturm (Bündnis) geradeheraus fragte: „Wie geht es nun weiter?“, antwortete Oberbürgermeister Florian Hartmann nur: „Spätestens beim nächsten Bebauungsplan.

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