Kaum noch eine S-Bahn fährt in München - Das sind die Ausweichmöglichkeiten

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Manchmal sind nur ein paar Worte nötig, um den Schülern Mut zu machen für das nächste Hindernis. Die neun Helfer im Parcour sind genau dafür da. Foto: habschied

Auf wackligem Weg zum Selbstvertrauen

Karlsfeld - Der Weg führte über Hindernisse, wacklige Konstruktionen und vorbei an kleinen Schikanen. Einige Karlsfelder Schüler balancierten im Niederseilgarten der Hauptschule über ihre eigenen Grenzen.

Unsicher steht Sandra am Rande der dünnen Eisenstange, die sie aus dem Sportunterricht als Reck kennt. Nur soll sie dieses Mal nicht daran turnen, sondern darauf balancieren. Als Hilfestellung haben die ältesten Schüler ein Seil gespannt, an dem sich die Neunjährige festhalten kann. Und Sandra hat noch eine weitere Hilfe: ihre beste Freundin Valentina, die dicht hinter ihr ist und ihr Mut macht. Schritt für Schritt balanciert sie sich die wenigen Meter nach vorne, die Arme weit ausgestreckt. Sandra schafft es zur nächsten Station. Sie hat nicht nur das Hindernis, sondern auch ihre eigene Angst überwunden.

Genau darum ging es Sportlehrer Christian Steinberger, als er vor vier Jahren den ersten Niederseilgarten an der Karlsfelder Hauptschule aufbaute. Nicht alleine - sondern mit einigen Schülern. Es sollte ein Projekt von Schülern für Schüler werden. Ein Projekt, das Selbstvertrauen gibt, das die Schüler anspornt, über ihre eigenen Grenzen zu gehen. „Besonders Hauptschüler glauben oft, sie schaffen Dinge sowieso nicht“, sagt er. „Sie können hier lernen, sich selbst etwas zuzutrauen und Fähigkeiten entdecken, von denen sie noch nicht wussten.“

Auf wackligem Weg zum Selbstvertrauen: Bilder aus dem Niederseilgarten

Auf wackligem Weg zum Selbstvertrauen: Bilder aus dem Niederseilgarten

Steinberger meint nicht nur Fähigkeiten im sportlichen Bereich - sondern auch im sozialen. Denn jedes Jahr bildet er einige Schüler zu Parcourhelfern aus. Sie bauen die Stationen auf, überlegen sich die Hindernisse, weisen die Schüler ein und geben Hilfestellungen. Den Schulstoff, den sie in der Unterrichtswoche verpassen, müssen sie selbständig nachholen. Und trotzdem ist es für viele Hauptschüler ein großer Wunsch, im Niederseilgarten helfen zu dürfen. Rund 50 Bewerbungen hat Christian Steinberger dieses Jahr bekommen. Daraus hat er neun Jugendliche ausgewählt.

Einer davon ist der 15-jährige Kilian. Er erklärt den Klassen, die in die Turnhalle kommen, die Regeln, gibt ihnen ein paar Tipps und passt auf, dass die Schüler keinen Unsinn machen oder sich an den Geräten verletzen. „Man muss dafür nicht nur sportlich sein, sondern auch gut mit Kindern umgehen können und Geduld haben“, sagt er. Eigenschaften, die er hat - von denen er aber vor einigen Tagen noch nichts wusste. Kilian hätte nicht gedacht, dass es ihm so großen Spaß macht, den Erst- oder Zweitklässlern der Grundschule über die Hindernisse zu helfen, ihnen hin und wieder Mut zu machen und sich mit ihnen über ihre Erfolgserlebnis zu freuen.

Sandra hat der 15-Jährige genau beobachtet, während sie sich vorsichtig über die Reckstange wagte. Bei der nächsten Station traut sie sich sogar, mit verbundenen Augen über ein Wackelbrett zu balancieren. Ihre Freundin Valentina führt sie, ruft ihr genaue Anweisungen zu. Kilian schaut den beiden Viertklässlerinnen aus einiger Entfernung zu. Sie brauchen seine Hilfe nicht. Bei ihnen hat der Parcour schon gewirkt. Sie haben heute zum ersten Mal einen Schritt über ihre eigenen Grenzen gewagt. (kwo)

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