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Braucht Hilfe beim Essen: Otto Krestan liegt nach einem Schlaganfall auf der Neurologischen Station und wird von seiner Frau gefüttert. 

Während des zweitägigen Warnstreiks in Dachau

Dürftige Notversorgung am Klinikum

„Die Würde des Menschen wird vergessen“, findet Eva Krestan. Ihr Mann Otto liegt seit Freitag im Helios Amper-Klinikum Dachau und ist auf die Pflege seiner 69-jährigen Frau angewiesen, da die Pflegekräfte streiken und die Notversorgung dürftig ist.

Dachau Der Pflegenotstand ist allgegenwärtig, doch am Helios Amper-Klinikum Dachau scheint er besonders gravierend zu sein. Schon seit einiger Zeit verhandelt die Gewerkschaft ver.di mit der Klinikleitung, um die Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte zu verbessern. Bisher ohne Erfolg. Daher haben die Pflegekräfte gestern ihre Arbeit niedergelegt. Und heute streiken sie erneut. Doch wer kümmert sich derweil um die Patienten?

Im Fall von Otto Krestan: dessen Frau Eva. Am Freitag wurde der 86-Jährige mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Nächte verbrachte er auf der sogenannten „Stroke Unit“, der Station für Schlaganfallpatienten. Anschließend wollte ihn die Klinik wieder entlassen. Um vor dem Streik die Patientenzahl zu reduzieren, vermutet seine Frau.

„Er ist aber definitiv noch nicht in dem Zustand, um wieder in sein Altenheim zurück zu kommen“, findet Eva Kristan, die Blut im Urin ihres Ehemannes entdeckt und darauf bestanden hat, dass ein Urologe hinzugezogen wird. „Daraufhin hat die Schwester mich angebrüllt“, so Eva Krestan. Doch sie ist hart geblieben und konnte bewirken, dass ihr Mann bis zum heutigen Donnerstag im Krankenhaus bleiben kann. Damit treffen sie aber die Auswirkungen des Streiks.

Seit dem Schlaganfall kann Otto Krestan weder stehen noch gehen. Da er sehr unruhig ist, muss er daran gehindert werden aufzustehen und braucht Hilfe beim Essen. „Wenn ich nicht da bin, wird er im Bett fixiert, doch das ist auch für mich schwer zu ertragen. Er ruft dann immer nach mir und schreit um Hilfe“, erzählt seine Frau.

Die einzige Lösung: Eva Krestan ist jeden Tag von morgens bis abends am Bett ihres Mannes. „Hier auf der Neurologie sind heute für 40 Patienten zwei Pflegekräfte da“, erklärt sie. Wenn man den Klingelknopf drückt, dann kommt niemand. Und: die hygienischen Zustände seien vollkommen unzureichend.

Dabei hatte Helios eine Versorgung der Patienten trotz des Streiks garantiert. Allerdings: Zwischen der Klinikleitung und ver.di war kurz vor dem Streik noch ein Streit über die Patientenversorgung entbrannt. Man habe Helios eine Notdienstvereinbarung angeboten. Aber die Klinikleitung wolle in ihrem Vorschlag unter anderem nur einen Warnstreiktag zulassen, so ver.di, was man nicht akzeptieren könne. Laut Helios habe ver.di einen Vorschlag der Klinikleitung für eine tragfähige Notdienstvereinbarung für die Streiktage abgelehnt. Daher habe man die Notversorgung selbst organisiert.

Bei den Tarifverhandlungen stehen die Parteien kurz vor einer Einigung – was das Gehalt betrifft. Eine Lösung in Sachen Entlastung des Pflegepersonals sei laut ver.di allerdings nicht in Sicht. Das sei jedoch ein zentraler Punkt. Besonders wichtig wäre es den Streikenden dauerhaft mehr Personal zu bekommen. Doch trotz mehrerer Warnstreiks konnte diesbezüglich bisher keine Einigung erzielt werden.

Eva Krestan zeigt trotz aller Umstände Verständnis für die Streikenden. „Die Pflegekräfte sind doch die Ärmsten der Armen“, sagt sie. Den Streik hält sie trotz der damit verbundenen Probleme für angemessen. „Doch gerade auf den Stationen, wo schwerstkranke Patienten liegen, leiden die Menschen besonders darunter und mit ihnen auch die Angehörigen.“

Stefanie Ritter

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