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Waffen eingezogen

Bandidos-Rocker fühlt sich diskriminiert - Klage

Dachau - Weil er seine Pumpgun abgeben musste, fühlt sich ein Bandidos-Rocker aus dem Landkreis Dachau (54) diskriminiert - und klagt vor dem Landgericht. 

20 Jahre lang hatte ein 54 Jahre alter Sportschütze aus dem Landkreis Dachau einen Waffenbesitzschein – dazu eine Pistole, einen Revolver und eine Pumpgun im Schrank. Doch das Landratsamt Dachau hat ihm 2014 seine Waffenbesitzkarte widerrufen und die Waffen eingezogen. Der Sportschütze, der die Pistole auch für seine beruflichen Dienste im Sicherheitsgewerbe bräuchte, ist nämlich Mitglied im Rockerclub Bandidos – und damit ist er laut Amt „waffenrechtlich unzuverlässig“.

Der bisher völlig unbescholtene 54-Jährige fühlt sich durch das Verhalten der Behörde diskriminiert. Deshalb klagt er vor dem Verwaltungsgericht in München. Mit schlechten Chancen. Der 54-Jährige, der aus Niederbayern stammt, war erst Mitglied bei den Bandidos im MC Regensburg. Nachdem dieses so genannte Chapter sich im November 2014 offiziell auflöste, wurde er Mitglied im MC Bogen.

„Ich bin ein Motorradfahrer“, sagt der Biker, der gerne mit seiner Harley Davidson oder Suzuki unterwegs ist. „Ich habe noch nie was mit Kriminalität zu tun gehabt. Aber mir wird hier ausgelegt, dass ich in einer kriminellen Organisation bin und dass ich Waffen zu Straftaten einsetzen könnte.“

Tatsächlich ist sein Bundeszentralregister leer, er hat nicht einmal Punkte in Flensburg, sagt er. „Man macht mich zum Verbrecher, nur weil ich bei den Bandidos bin. Es wird alles in einen Topf geschmissen.“ Nachdem er sein Lebtag lang keine Straftat begangen hat, fragt er sich, warum er nun mit 54 damit anfangen sollte. „Ich bin auch von meinem Charakter her so gefestigt, dass ich mir keine Straftat befehlen lasse.“

Seine Waffen hat er inzwischen verkauft, da ihn die Einziehung zu viel Geld gekostet hätte.

Das Landratsamt Dachau hat allerdings eine ganz andere Auffassung als der Sportschütze. Bei den Bandidos gebe es eine Hierarchie, und in dieser Hierarchie würden Straftaten begangen, sagte ein Mitarbeiter der Behörde vor Gericht. „Es besteht schlichtweg die Gefahr.“

Näheren Einblick in die Szene der Rockerclubs gab dann ein Polizist des Landeskriminalamtes. Der Rockerclub „Bandidos“ sei eine sogenannte „Outlaw Motorcycle Gang“, erklärte er. Er legte auch Augenmerk auf die Statistik. So gab es 2014 in Bayern mehr als 300 Verfahren zur Organisierten Kriminalität, davon 23 im Gewaltbereich, sprich Erpressung, Körperverletzung, Raub- und Waffendelikte. Davon seien wiederum 17 von Rockerclubs begangen worden. „Das entspricht 74 Prozent“, sagte der Kriminaler.

„Am häufigsten von Strafverfahren betroffen sind die Hells Angels, danach kommen aber gleich die Bandidos.“ Das liege allerdings nur daran, dass die Bandidos weniger Mitglieder hätten.

Der Anwalt des Klägers verwahrte sich gegen diese Ausführungen: „Man muss die Sache individuell entscheiden.“ Sein Mandant sei „absolut zuverlässig“.

Doch die Chancen des 54-Jährigen aus dem Kreis Dachau stehen schlecht. „Das Waffenrecht ist streng“, sagte die Vorsitzende Richterin. Wer Waffen führe, müsse beweisen, dass er persönlich geeignet und zuverlässig sei. Es sei schon höchstrichterlich entschieden worden, dass es rechtens sei, wenn man die Waffenbesitzkarte allein wegen der Zugehörigkeit zu einem Rockerclub wie den Bandidos widerruft.

„Nach dieser Rechtsprechung sind die Mitglieder waffenrechtlich unzuverlässig, selbst wenn sie selbst noch nicht in Erscheinung getreten sind.“ Das Verwaltungsgericht will heute ein Urteil sprechen.

gut

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