Männer Eisbahn Eisstockschützen
+
Weichser Eisstockschützen in den 60er Jahren: Richard Nebl, Hans Bieringer, Albert Diepold, unbekannt, unbekannt, Josef „Jupp“ Scharl, Josef Seldmaier, Michael Gruber, Karl Pögl senior, unbekannt, sowie Franz Richter (v.l.).

Erinnerungen an den beliebtesten Wintersport

Als Eisstockschießen in Weichs noch Volkssport war

Eisstockschießen war früher eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Männern im Winter. Um diesem Hobby nachgehen zu können, kamen die Schützen oft auf besondere Ideen. So auch in Weichs, wo es immer eine bestimmte Gruppe von Mannsbildern gab, für die ein Winter ohne Eisstockschießen fast nicht denkbar gewesen wäre.

Weichs – Auch wenn der mittlerweile 65-jährige Karl Rankl damals noch ein junger Bursche war, weiß er viel über diesen Wintersport so um die Zeit Ende der 60er Jahre. Das hängt damit zusammen, dass sein Vater einer der „Treiber“ war, damit ein Eisstockschießen zusammenging. Er selbst durfte öfters sogar als „Moar“ einspringen, wenn eine Mannschaft keine gerade Mannschaft zusammenbrachte.

Der „Karle“, wie ihn immer noch viele nennen, erzählt dabei gerne darüber, wie noch beim Bieringer-Anwesen (jetzt Pabst) geschossen wurde. Zuerst im Hof, später auf einer Wiese an der Straße Richtung Glonn zwischen dem Anwesen und dem Weg zur Wehr. Dazu wurde eine Abgrenzung mit festgedrücktem Schnee erstellt, in der dann der Bieringer Hans mit dem Odelfass aus seinem Brunnen Wasser goss. Als dieses gefroren war, was manchmal nicht lange dauerte, rückten schon die Männer mit ihren hölzernen Eisstöcken an. Ein Kläger in das Eis geschnitten und schon konnte es losgehen, das Zielen auf die „Daube“.

Am Wochenende herrschte oft besonderer Hochbetrieb. Aber auch werktags wurde teils abends geschossen. Dafür verlegte man einfach vom Bieringerhof ein Stromkabel, um die Eisfläche mit einem Strahler zu beleuchten. Und auch gegen die Kälte hatte man vorgesorgt, nicht nur mit warmer Kleidung und Schuhen, sondern auch mit wärmenden Getränken wie einem Schnapserl oder Glühwein.

Den Verlierern gegenüber durfte so manche Derbleckerei nicht fehlen. Manchmal gingen die Eisstockschützen auch noch in die „Verlängerung“, indem sie noch in einem der örtlichen Gasthäuser einkehrten.

Wenn kein Schnee vorhanden war, trotzdem aber Kälte herrschte, wurde auf den Weihern geschossen. „Meist beim Fischer-Weiher draußen“ sagt Rankl. „Manchmal sind da welche schon mal in das Eis eingebrochen, wenn es noch nicht dick genug gefroren war. Oft knisterte es schon sehr, wenn mehrere Männer zusammen standen“.

An gefrorenen Weihern hatten nicht nur die Eisstockschützen ihre Freude, sondern auch die Schlittschuhläufer. Und die Buben spielten daneben Eishockey. In der Regel nicht mit Schlitt-, sondern mit normalen Winterschuhen. Die Schläger waren meistens aus gebogenen Haselnussstecken oder zusammengenagelten Holzlatten, der Puk aus einer zusammengepressten Blechdose.

Das Eisstockschießen ging in Weichs immer mehr zurück, als 1988 die Stockbahnen des SV Weichs gebaut wurden. Lediglich einige wenige „Nicht-Stockschützen“ sind bei „gutem“ Winter noch auf den Weihern zu finden. Doch auch dies wäre momentan angesichts der Corona-Einschränkungen nicht möglich. Heinz Nefzger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare