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Backen und backen lassen

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Sie war beim Huber-Bäck daheim: Rosi Lamprecht.
Sie war beim Huber-Bäck daheim: Rosi Lamprecht. © nef

Weichs – Wenn auch die Regale in den Supermärkten sogar schon im September von süßen Weihnachtsleckereien überfüllt sind, hat das Selberbacken von Weihnachtsgebäck bei vielen immer noch einen hohen Stellenwert. Beliebt sind dabei Rezepte von Plätzchen oder Lebkuchen, die noch aus Omas Zeiten stammen. Zunehmend wird im Internet auch nach Rezepten und Gebäckvorschlägen mit teils Zutaten aus fernen Ländern gesucht.

Vor Jahrzehnten wurden wahrscheinlich noch viel mehr Platzl oder Platzerl vor Weihnachten selbst gebacken. Auf dem Land nutzten manche dazu die Backstube am Ort. Wie zum Beispiel in Weichs die vom Huber-Bäck.

Rosi Lamprecht aus Zillhofen, von vielen wird die mittlerweile 84-Jährige immer noch Bäcker-Rosi genannt, war beim Huber-Bäck in Weichs daheim. Ihr Vater und ihr Bruder waren Bäcker und führten zugleich noch eine Landwirtschaft. Rosi half mit in der Backstube. Dort arbeitete auch der Bäcker Max Bernkopf, den in Weichs alle nur Bäcker Max nannten. Gebacken wurden fast ausschließlich Brot, Semmeln und Brezen für den Verkauf im eigenen Laden.

Doch in der Vorweihnachtszeit lag auch noch der Duft von frischen Plätzchen oder Lebkuchen in der Luft. Nicht, weil man diese für den Verkauf herstellte. Nein, manche Frauen aus dem Ort kamen in dieser Zeit gerne mit ihrem daheim angerichteten Teig, für den das Mehl selbstverständlich aus der Weichser Mühle stammte, zum Bäck. In der Backstube stachen sie mit ihren Molen (Formen) die Plätzchen aus, glasierten oder bestreuten sie und legten sie fein aneinandergereiht auf die großen Backbleche, die der Bäcker Max in den großen alten Holzbackofen schob.

Besonders beliebt waren Spritzgebäck und Butterplätzchen, aber auch Kokosflocken und Vanillekipferl. Oft gingen die Frauen schnell nach Hause, um zwischendurch eine andere Arbeit zu verrichten, und holten ihre fertigen Platzl später ab.

Eine war dabei, erinnert sich die Bäcker-Rosi, die ließ sich immer gleich ein paar Waschkörbe voll herausbacken. Kein Wunder, sie hatte ja auch viele Kinder zu Hause, die zum Fest was Süßes wollten. Meist wurde das frische Gebäck gut versteckt, damit es vor dem Fest ja nicht verzehrt werden konnte.

Auch Lebkuchen wurden hergestellt. „Die gingen in unserem Holzbackofen immer besonders gut auf“, erinnert sich Rosi Lamprecht. Lebkuchen schmeckten auch den Kindern recht gut, wenngleich viele Zitronat oder Orangeat nicht mochten.

Nicht nur die Weichser Frauen kamen damals mit ihrem Teig zum Huber-Bäck. Vor allem freitags kamen oft Mitarbeiterinnen von der Cyclo-Küche mit großen Backreinen vorbei, um zum Beispiel ihre Rohrnudeln für die Belegschaft herausbacken zu lassen. Damals in den 60er Jahren war noch die Zeit, in der es in den Firmenkantinen am Freitag meist Mehlspeisen gab.

Die Bäckerei Huber gibt es längst nicht mehr. Die Plätzchen zu Weihnachten werden zu Hause in modernen Öfen hergestellt.

In Weichs gab es früher noch eine zweite Bäckerei, die vom Meierhöfer Hans. Auch dort ließen sich manche Einheimische zu Weihnachten ihre eigenen Plätzchen backen.

Heinz Nefzger

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