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Bau des Kinderhauses war ein Kraftakt

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Mann vor Tanne
Vertritt den derzeit kranken Harald Mundl: 2. Bürgermeister Martin Hofmann vor dem Weichser Rathaus. © nef

Weichs – Im Rahmen unserer Interviewserie mit den Bürgermeistern des Landkreises haben wir in Weichs dem zweiten Bürgermeister Martin Hofmann (CSU) einige Fragen gestellt. Hofmann vertritt derzeit den in Krankenstand befindlichen Gemeindechef Harald Mundl (WBV). Hofmann ist bereits seit 2008 Mundls Stellvertreter.

Herr Hofmann, zuerst zu Bürgermeister Harald Mundl. Wie geht es ihm?

Martin Hofmann: Bürgermeister Mundl hat vor wenigen Tagen sein Mandat im Kreistag aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Wir alle kennen ihn als sehr pflichtbewussten Menschen und können uns daher sicher sein, dass Harry Mundl dieser Schritt nicht leicht gefallen ist. Alle Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung und auch ich persönlich machen uns ernsthaft Sorgen. Wir hoffen alle, dass er möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. Im Moment muss er sich aber ausschließlich auf seine Genesung konzentrieren.

Sie haben ihn mittlerweile ja schon öfter vertreten. Wie weit gehen dabei Ihre Entscheidungskompetenzen?

Der 2. Bürgermeister übernimmt im Vertretungsfall bei Urlaub oder Krankheit des 1. Bürgermeisters dessen Aufgaben und hat daher auch die gleichen Entscheidungskompetenzen. Notwendige bzw. eilige Entscheidungen treffe ich selbst; bei Bedarf natürlich in Rücksprache mit den zuständigen Fachbereichen der Verwaltung bzw. übergeordneten Behörden. Seit Beginn unser beider politischer Mandate bin ich Harry Mundls Stellvertreter. Die Entscheidungen, die ich in dieser Zeit als Vertreter traf, waren einvernehmlich. Ich werde versuchen, das auch weiter so zu machen. Aus Personalentscheidungen halte ich mich grundsätzlich raus. Sie sind Chefsache.

Was hat Sie im vergangenen Jahr in Ihrer Gemeinde am meisten beindruckt?

Für mich war beeindruckend, wie die Menschen in unserer Gemeinde sich immer wieder aufrafften, das Beste aus der Situation zu machen, trotz der alles andere als angenehmen Bedingungen, die uns nun schon seit fast zwei Jahren auf Grund der Corona-Pandemie begleiten. Auf die ständig wechselnden Vorgaben der Regierung wurde reagiert, um z.B. Vereinsleben aufrecht erhalten zu können und nach Möglichkeit gesucht zu den alten Gewohnheiten zurückkehren zu können.

Was ist gut gelaufen in 2021?

Rückwirkend betrachtet, müssen wir sagen, dass der Bau unseres Kinderhauses gut gelaufen ist. Auch wenn der ursprüngliche Kostenrahmen nicht eingehalten wurde, dürfen wir froh sein, dieses Haus in wenigen Tagen seiner Nutzung übergeben zu können. Bei ersten Begehungen konnten sich die Träger der Einrichtungen und der Gemeinderat vom wirklich tollen Ergebnis überzeugen. Dies war aber sicher nur durch den kräftezehrenden Einsatz unseres Bürgermeisters Harald Mundl möglich. Positiv war auch der Verlauf und der Abschluss der Bauleitplanung im Zusammenhang mit dem Energiepark Weichs und der geplanten Freiflächenphotovoltaikanlage rund um Albertshof. Ganz aktuell: Gut gelaufen ist auch die gemeindliche Impfaktion kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. Hier gilt mein besonderer Dank den beteiligten Organisationen: BRK-Bereitschaft Markt Indersdorf, Freiwillige Feuerwehr Weichs und Praxisteam Senner.

Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr besonders, was wird das schönste Projekt, was das wichtigste für die Gemeinde?

Unbestritten, denke ich, freuen sich alle Betroffenen auf den Bezug unseres Kinderhauses und den damit verbundenen Abschluss dieses Projekts. Ich glaube aber auch, dass das Projekt Energiepark Weichs für uns in Zukunft wichtig sein wird. Wir erhoffen uns damit nachhaltig Einnahmen zu generieren. Ein sehr schönes Projekt, dem wir heuer wieder näher treten wollen, ist die Etablierung eines Dorfmarktes in Weichs. Wenn wir wieder unbeschwert und ohne Einschränkungen größere Veranstaltungen abhalten und Feste feiern könnten, würde mich das aber auch sehr freuen.

Welche Projekte müssen aufgrund der finanziellen Einbußen gestrichen, welche können noch verwirklicht werden?

Dem Weichser Gemeinderat war mit dem Beschluss, ein Kinderhaus zu bauen, bewusst, dass damit ein massiv finanzieller Kraftakt verbunden sein wird. Daher haben wir uns in den Haushalts- und Finanzplanungen der letzten Jahre nahezu auf die Pflichtaufgaben beschränkt und keine darüber hinausgehenden haushaltsbelastenden Projekte eingeplant. Gestiegene Ausgaben und rückläufige Einnahmen zwangen uns zum Verkauf von zwei gemeindlichen Grundstücken. Zwingende Maßnahmen wie Brandschutzsanierung in der Grundschule und Ertüchtigung von Kläranlage bzw. Kanalnetz können aber im nächsten Jahr umgesetzt werden.

Ihr persönlicher Eindruck zur Ortsmitte, ist der Bau eines neuen Rathauses realistisch gesehen immer noch das Ziel?

Unsere Gemeinde wächst moderat und stetig. Die Aufgaben für unsere Verwaltung werden dadurch eher mehr als weniger. Auch bereits begonnene Prozessoptimierungen und die fortschreitende Digitalisierung können das nicht auffangen. Schon jetzt wäre mindestens eine zusätzliche Stelle dringend notwendig. Unser Rathaus bietet hierfür aber weder den Platz, noch entspricht es den Anforderungen eines zeitgemäßen Verwaltungsgebäudes. Unter diesen Aspekten wird sich irgendwann etwas tun müssen. Wann es die finanzielle Situation wieder zulässt dies anzugehen, steht aber offen. Ich halte das Grundstück in der Ortsmitte nach heutigem Stand hierfür weiterhin als optimal und beste Lösung.

In Weichs wird immer von großen Baulücken gesprochen. Tut sich da was?

Die Grundstücke dieser Baulücken sind nicht im Eigentum der Gemeinde. Daher haben wir hier keinen Einfluss, ob und wann diese Lücken geschlossen werden. Vom Gemeinderat wurde immer die Bereitschaft, einvernehmliche Lösungen herbeizuführen, signalisiert. Mit den Eigentümern wurde in letzter Zeit immer wieder Kontakt aufgenommen. Leider führte dies aber nicht immer zu Konsens.

Wie ist der Zusammenhalt in Ihrer Gemeinde in dieser schwierigen Zeit?

Bereits zu Beginn der Coronapandemie haben sich diverse Gruppen in den sozialen Netzwerken gebildet, um gegenseitige Hilfe anzubieten. Diese Netzwerke werden immer noch genutzt. Auch im Gemeinderat wird in der aktuellen Periode die gute interfraktionelle Zusammenarbeit der letzten Jahre fortgeführt. Dennoch ist an manchen Stellen auch eine gewisse Distanzierung erkennbar.

Was wünschen Sie sich für 2022?

Ich denke, wir alle wünschen uns, dass die mit Corona einhergehenden Einschränkungen wieder verschwinden. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir mehr Akzeptanz und Toleranz untereinander, dass wieder ein friedliches und auf gegenseitiger Wertschätzung basierendes Miteinander entsteht.

Haben Sie Vorsätze für das neue Jahr?

Nachdem ich letztes Jahr bereits einige Kilos weggebracht habe, möchte ich daran anknüpfen und nochmal mein Gewicht reduzieren.

Interview: Heinz Nefzger

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