Ein Bild von Benni Grieser, der im Alter von 27 Jahren gestorben ist
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Abschied von einem großen Kämpfer: Benni Grieser hat dem Krebs die Stirn geboten, besiegen konnte er ihn aber nicht. Der 27-Jährige starb vor wenigen Tagen.

Letzte Wünsche noch erfüllt

Schock-Diagnose bei Typisierungsaktion: Benni (27) ist tot - er kämpfte bis zum letzten Atemzug

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Benni Grieser wollte mit einer Knochenmarkspende helfen – und erfuhr dabei, dass er einen unheilbaren Tumor hat. Nun hat er seinen Kampf gegen den Krebs verloren.

  • Benni Grieser hat dreieinhalb Jahre gegen einen unheilbaren Krebs gekämpft
  • Im September sagten ihm die Ärzte, dass sie nichts mehr für ihn tun können
  • Benni ist vor wenigen Tagen gestorben - konnte sich aber noch ein paar bescheidene Wünsche erfüllen

Weichs - Benni Grieser wusste, dass er nicht gewinnen kann. Sein Gegner war ein aggressiver Krebs. Unheilbar. Doch das hat ihn nicht davon abgehalten mit all seiner Kraft zu kämpfen. Um etwas mehr Zeit zu haben, um sich noch ein paar seiner Träume zu erfüllen. Es waren bescheidene Träume. Ein Urlaub mit seiner Verlobten Ramona. Den Ausbau ihrer gemeinsamen Wohnung in Weichs (Kreis Dachau). Er hat sie sich erfüllt.

Auch mit Hilfe vieler Spenden, die er bekommen hatte, als er sich Anfang des Jahres entschloss, seine Geschichte öffentlich im Münchner Merkur zu erzählen. Und dabei ging es ihm eigentlich nicht um die Spenden. „Als ich noch gesund war, war das für mich selbstverständlich“, sagte er damals. Er sei viel zu wenig dankbar dafür gewesen. Allen, die es nicht mit einem unbesiegbaren Gegner zu tun haben, wollte er sagen: Genießt euer Leben, regt euch nicht über Kleinigkeiten auf.

Benni an Krebs gestorben: „Genießt euer Leben!“

In seinem Leben war es eine Typisierungsaktion, die alles veränderte. Er wollte sich als Spender testen lassen, um jemand anderem zu helfen. Doch bei den Untersuchungen im Krankenhaus entdeckten die Ärzte im Ultraschall auf seiner Niere einen Schatten.

Ein paar Tage später saß er einem Arzt gegenüber, der ihm sagte, dass an seiner Nebeniere ein 17 Zentimeter großer Tumor entdeckt wurde. Die Diagnose war ein Schock. Doch was auf ihn zukommen würde, ahnte Benni Grieser nicht. Er versuchte, positiv zu bleiben. Mit jeder OP wurde das schwieriger. Schon beim ersten Eingriff entfernten die Ärzte nicht nur die Nebenniere, sondern auch Teile der Niere, des Zwerchfells, der Leber, der Lunge, des Darms und der Lymphknoten. Überall waren Metastasen. Seine Krebsart ist nicht nur sehr aggressiv, sondern auch unerforscht, weil sie selten ist. Die Ärzte machten ihm wenig Hoffnung. Ihm würde noch ein Jahr bleiben, sagten sie ihm 2017. Wenn es gut läuft zwei. Sie haben Bennis Kämpfergeist unterschätzt.

Unheilbarer Krebs bei Typisierung entdeckt: Benni kämpfte bis zum letzten Atemzug

Manchmal nannte er den Krebs „den Drecksack“. Er nahm ihm an vielen Tagen die Kraft. Immer wieder fanden die Ärzte in seinem Körper neue Metastasen. Immer wieder musste Benni operiert werden, lag tagelang auf der Intensivstation. Er musste lernen, mit starken Schmerzen und vielen Einschränkungen zu leben. Früher war er Maurer, hat Häuser gebaut. Plötzlich waren ihm schon ein paar Schritte zu viel. Und trotzdem hat er seinem unsichtbaren Gegner die Stirn geboten. Bis zuletzt. „Aufgeben ist nicht so mein Ding“, sagte er. Wie viel Kraft in ihm steckte, ahnte er vielleicht selbst nicht mal.

Er hat schnell abgebaut. Viel zu schnell für uns.

Lydia Grieser

Die letzten Monate waren für ihn, für Ramona und seine Familie besonders schwer. Zu den immer neuen schlechten Diagnosen kam die Angst wegen Corona. Und trotzdem hat es Benni geschafft, sich einige seiner Träume zu erfüllen. Ein paar Tage Italien im September mit seiner Ramona. „Er war schon sehr schwach und hat viel geschlafen“, erzählt seine Mutter Lydia Grieser. „Es war nicht, wie er es sich vorgestellt hatte, aber er hat es trotzdem genossen.“ Vor allem der Wohnungsausbau hat ihn glücklich gemacht. Die große Hilfsbereitschaft, die er dafür bekam, hat ihm Kraft gegeben.

Trotz niederschmetternder Krebs-Diagnose: Benni erfüllte sich zwei letzte Wünsche

Ende September bekam er von den Ärzten sein letztes CT-Ergebnis. Wieder war der Krebs gewachsen, hatte neue Organe befallen und Metastasen gebildet. Es gab nichts mehr, das die Ärzte für Benni tun konnten. Er bekam stärkere Medikamente gegen die Schmerzen. Der 27-Jährige beschloss, die Zeit zu genießen, die ihm noch bleibt. Es waren nur anderthalb Monate.

Nach Bennis Tod: Familie sammelt Spenden für Deutsche Krebshilfe

„Er hat schnell abgebaut“, sagt seine Mutter. „Viel zu schnell für uns.“ Seine Ramona war bis zu seinem letzten Atemzug an seiner Seite. Ihre Tante hat nach Bennis Tod in seinem Namen auf Facebook eine Spendenaktion für die Deutsche Krebshilfe gestartet. Innerhalb weniger Tage kamen mehr als 1600 Euro zusammen. Benni Griesers Kampf hat viele Menschen beeindruckt.

Wäre er 2017 nicht zu der Typisierungsaktion gegangen, hätte man den Tumor wohl nicht entdeckt. Vielleicht wäre er auf der Baustelle irgendwann tot zusammengebrochen. Benni Grieser war dankbar für die Chance zu kämpfen. Und für jeden Tag, den er nach der Diagnose geschenkt bekam.

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