Erinnern sich an den Maibaumdiebstahl von 1962: Karl Riedl (links) und Adolf Hirtreiter. Hirtreiter war beim Klau, Riedl bei den Filmaufnahmen des BR dabei.
+
Erinnern sich an den Maibaumdiebstahl von 1962: Karl Riedl (links) und Adolf Hirtreiter. Hirtreiter war beim Klau, Riedl bei den Filmaufnahmen des BR dabei.

Erinnerungen an einen legendären Streich aus dem Jahr 1962

Weichser gegen Jetzendorfer: Der Maibaumdiebstahl, der beinahe gerichtsmassig wurde

Der historische Maibaumdiebstahl 1962 wäre beinahe ein Fall für den Staatsanwalt geworden. Nachdem die Weichser Burschen im benachbarten Jetzendorf den Maibaum gestohlen hatten, drohten die Jetzendorfer mit einer Anzeige wegen Diebstahls und Erpressung. Der Fall sorgte damals überregional für Aufsehen. Der Bayerische Rundfunk drehte später sogar einen Film über den Fall und interviewte die Burschen.

Weichs ‒ Zu sehen ist der Kurzfilm im Retro-Kanal der BR-Mediathek. Adolf Hirtreiter (79 Jahre) war 1962 dabei. Er erzählt darin, dass der SV Weichs an einem Fußballpokalturnier in Jetzendorf teilnahm, „und dort sahen wir auf einem freien Platz in der Ortsmitte den unbewachten Maibaum liegen“. Am nächsten Tag beim Stammtisch der Montagsrunde im Gasthaus „Schuhwastl“ kam die Idee auf, den Maibaum zu stehlen. „Ich saß mit dem Burgmair Erich in der Bräuwirtschaft, als einige vom Schuhwastl reinkamen und uns baten, zur Verstärkung mit nach Jetzendorf zu fahren, um dort den Maibaum zu stehlen.“ Zusammen fuhren die jungen Weichser auf dem Unimog von Georg Hörl (Hartl Schorsch) spät nachts nach Jetzendorf. Schnell wurde der schwere Baum auf den Anhänger gehoben und nach Weichs gebracht.

Aus dem damaligen Film: Weichser und Jetzendorfer wurden vom BR gemeinsam vor dem „Streit-Maibaum“ in Jetzendorf interviewt.

„Weil wir nur sieben oder acht Burschen waren, war es nicht leicht“, erzählt Hirtreiter. „Zum Glück war mit dem Schmied Sepp einer dabei, der sich gut damit auskannte und Anweisungen geben konnte, wie man so einen langen Holzanhänger durch die Kurven bringt.“ Beim Heimweg kurz vor Fränking ein Schrecken: Lichter eines entgegenkommenden Autos waren zu sehen! Zum Glück waren es nur ein paar andere junge Weichser, die nachschauen wollten, ob die Maibaumdiebe bald kommen.

Doch es dauerte nicht lange, bis die Jetzendorfer den Verlust merkten. Sie konnten sich mit dem Diebstahl gar nicht anfreunden. Und an die geforderte Auslöse von einem Hektoliter Bier wollten sie schon gar nicht denken. Sie drohten mit Anzeige wegen Diebstahls und Erpressung. Schließlich endete die Geschichte damit, dass die Jetzendorfer den Maibaum aus Weichs, der gut bewacht beim Hartl-Anwesen lag, nach längeren Verhandlungen ohne Einigung selbst abholten.

Daran erinnert sich noch bestens Karl Riedl (84). „Ich weiß es noch, als wenn es heute wäre, wie die Jetzendorfer den Baum in Weichs abholten. Die Kapelle Gattringer, die gerade in der Nähe ihre Musikprobe abhielt, spielte das Lied ,Muss i denn zum Städtele hinaus’.“ Riedl war zwar beim Klau selbst nicht dabei, dafür danach beim Filmdreh des BR. „Zu einer Verhandlung kam es nicht“, sagt Riedl. „Sondern wir trafen uns mit den Jetzendorfern vor dem mittlerweile aufgestellten Maibaum zum Interview.“

Von der Geschichte erfuhr damals auch der in Österreich lebende Freiherr von Weichs und schickte an Karls Vater, Bürgermeister Anton Riedl, 200 Mark als Spende: damit die Maibaumdiebe, wenn schon keine Auslöse geflossen ist, wenigstens etwas feiern konnten. Darüber muss Riedl heute noch lachen, genauso darüber, „dass unter den Weichser Maibaumdieben der Reith Done war, der seinen Fuß in Gips hatte, und somit nicht gerade eine große Hilfe war“. Auf alle Fälle sind in dem historischen Film nicht nur etliche alte, bekannte Weichser und Jetzendorfer Gesichter sehen, sondern auch manch Aussagen und gegenseitige Beschuldigungen zu hören, die nicht nur nette Erinnerungen hervorrufen, sondern auch zum Schmunzeln anregen. So wie die eines Weichsers: „Jetzt kimmts aufn Staatsanwalt an, ob er Verständnis hat. Wenn ja, dann is er a Oberbayer, wenn ned, is er a Preiß.“ Und eines Jetzendorfers: „Den Weichsern können wir keinen Maibaum ja nicht als Revanche stehlen, weil die noch nie einen hatten.“

Der Kurzfilm ist in der Mediathek des BR zu sehen unter https://www.br.de/mediathek/rubriken/themenseite-bayern-damals-100. Heinz Nefzger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare