Glücklich und zufrieden als wäre nichts gewesen: Akela im Kreise ihrer Familie mit Linus, Philomena und Laurenz (Kinder v.l.) sowie Martina und Martin Nefzger.
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Glücklich und zufrieden als wäre nichts gewesen: Akela im Kreise ihrer Familie mit Linus, Philomena und Laurenz (Kinder v.l.) sowie Martina und Martin Nefzger.

Welle der Hilfsbereitschaft in Weichs - Happy End für die Hündin

Die dreitägige Suche nach Akela im Wald

Fast drei Tage lang war Hündin Akela im Wald verschwunden. Für die Weichser Familie Nefzger bedeutete das: Drei Tage lang quälende Ungewissheit, eine Nacht bei eiskalten Temperaturen im Auto, aber auch: eine Welle der Hilfsbereitschaft zu erleben. Erwachsene, Kinder, Suchhunde, Drohnen – alle unterwegs, um Akela zu finden.

Weichs – Wie fast jeden Tag war Martina Nefzger vergangenen Samstag am frühen Morgen mit ihrer eineinhalbjährigen Eurasier-Hündin Akela auf den Weichser Fluren unterwegs. Plötzlich raste der Hund mit seiner langen Schleppleine auf einer freien Anhöhe auf einem Feldweg im Norden von Weichs zwischen zwei Wäldern davon. Akela war hinter einer Senke plötzlich verschwunden. Der Beginn eines fast dreitägigen Albtraums für Familie Nefzger.

Rund eineinhalb Stunden suchte Martina Nefzger aufgeregt die Gegend ab. Trotz aller Zurufe, Akela meldete sich nicht und kam auch nicht zurück. Nefzger alarmierte ihren Mann Martin, der sofort mit anderen Familienangehörigen bis zum Abend die Gegend sowie die Waldstücke herum absuchte, aber: keine Akela zu finden. Martina Nefzger erinnert sich an die schlimmen Stunden der Ungewissheit: „Bei Martin, mir und unseren drei Kindern stieg die Angst. Hat sie sich verlaufen, hat sie sich mit ihrer Leine wo verhängt, wird sie von anderen Tieren angegriffen?“

Martin Nefzger und seine elfjährige Tochter Philomena verbrachten die Nacht sogar im Kleinbus am Entlaufort. Sie ließen die Tür offen, mit der Hoffnung, dass die Hündin vielleicht zurückkommt. Es wurde eine lange Nacht. Dann in der Früh die traurige Erkenntnis: nichts von Akela zu sehen.

Mittlerweile verbeitete die Familie über verschiedene soziale Netzwerke die Nachricht von Akelas Verschwinden. Viele Leser verbreiteten die Infos weiter. Nicht nur in Weichs war so der schwarze Familienhund in aller Munde. Auch die Jäger hatte man vorsorglich informiert.

Am Sonntag waren es dann rund 50 Erwachsene und Kinder aus Familien-, Freundes- - und Bekanntenkreis, die ihre Unterstützung zeigten und die Gegend absuchten. Auch fünf Suchhunde von der Tierhilfe München waren im Einsatz. Doch am Abend lautete das traurige Fazit: von Akela fehlt weiterhin jede Spur.

Hoffen und Bangen nicht nur bei der Familie Nefzger, zu der auch die zehnjährigen Zwillinge Linus und Laurenz gehören. Am Montag machten sich dann wieder viele auf den Weg. Als fast schon letzte Hoffnung hatte die Familie beim Rettungsnetzwerk Neuried auch noch eine Drohnensuche angefordert. Martina Nefzger erinnert sich an ihre Verzweiflung: „Es schien fast so, als würde auch der Montag vorbeigehen, ohne dass wir Akela gefunden hätten.“

Und plötzlich klingelt um 16 Uhr Martina Nefzgers Handy. Sie steht gerade im Wald, eigentlich will man die Aktion schon abbrechen. Am anderen Ende der Leitung ist eine Verwandte, Angelika Nefzger. Und sie sagt die lang ersehnten Worte: „Chrissy hat Akela gefunden!“ Chrissy, also Christina, ist ihre 18-jährige Tochter, die Angela Nefzger bei der Suche geholfen hat. Beide sind selbst große Hundeliebhaber.

Die Finderin weiß genau, wie groß der Zufall war, dass sie Akela tatsächlich entdeckte: „Eigentlich wollten wir in dieser Ecke des Weichser Waldes, unweit der Straße fast am Ende Richtung Fränking, gar nicht suchen. Wir hatten uns nämlich dahin nur etwas verlaufen.“ Doch dann, Christina Nefzger wollte fast ihren Augen nicht glauben, sah sie etwas Schwarzes. Es war Akela! „Sie stand ganz ruhig da. Ihre Leine war im Gestrüpp verwickelt. Es gab für sie kein Entkommen.“

Schnell eilten Martina Nefzger und Philomena zur Fundstelle und nahmen ihren vermissten Hund glücklich in die Arme. „Ich war vor Freude dem Zusammenbruch nahe“, sagt Martina Nefzger. Akela genoss sichtlich die Streicheleinheiten und ließ sich die ersten Leckerli und einen Schluck Wasser schmecken. Daheim bekam sie dann auch noch ein Stück ihrer Leibspeise: Käse. „Akela hat die dreitägige Tortur recht gut überstanden. Ich bin mir sicher, dass sie sich nicht allein aus dem Verhängnis hätte befreien können“, betont Akelas Frauchen.

Die Nefzgers sind überglücklich, dass ihnen so viele Menschen bei der Suche nach ihrer geliebten Hündin geholfen haben. „Wir möchten auch auf diesem Wege allen danken, die uns bei der Suche so toll unterstützen. Insbesondere bei Astrid Blaumoser, die mit ihrem Berner Sennenhund-Mischling Bruno, Akelas über alles geliebtem Freund, an allen drei Tagen bei der Suche dabei war.“ Martina Nefzger weiß, dass so eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft alles andere als alltäglich ist. „Vertreter der Tierhilfe waren von der Unterstützung ganz angetan. Sowas hatten sie in dieser Form angeblich noch nicht erlebt.“ Familienvater Martin ist noch immer ganz gerührt: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wer alles seine Hilfe zur Suche angeboten hat. Wir mussten vielen absagen, da es von Seiten der Tierhilfe hieß, es sollten nicht zu viele Personen im Wald unterwegs sein, damit diese nicht zu viele Gerüche hinterlassen.“

Mittlerweile genießt Akela nicht nur wieder die Familienidylle, sondern auch das tägliche Spazierengehen – hoffentlich künftig ohne Ausreißer. Und einige Straßen weiter in Weichs freut sich Christina Nefzger noch heute, dass sie es sein durfte, die Akela fand.

Heinz Nefzger

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