Von seiner Terrasse aus zeigt Franz Huber Richtung Weichser Wehr, wo sie früher die Kühe auf der Weide hatten.
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Von seiner Terrasse aus zeigt Franz Huber Richtung Weichser Wehr, wo sie früher die Kühe auf der Weide hatten.

Franz Huber aus Weichs erinnert sich ans Kühehüten in den 50er Jahren

Er hinderte die Rinder am Raufen

Weichs – Viel wird derzeit über Anbinde- oder Offenstall-Haltung von Kühen diskutiert. Über das Für und Wider gibt es unterschiedliche Meinungen. Doch eines ist sichtbar: Die Weidehaltung ist weitgehend zurückgegangen. Dass dies früher noch ganz anders war, daran erinnert sich noch gut Franz Huber (76) aus Weichs. Er hütete als Bub noch selbst Kühe, als die meisten Landwirte in Weichs noch Rinder hatten.

VON HEINZ NEFZGER

Huber war beim „Gartenweber-Anwesen“ daheim und arbeite als Bäcker. Er erinnert sich an früher: Mitte der 50er-Jahre trieben fast alle die Kühe noch auf die Weide. „Einerseits um Futter zu sparen, und andererseits, weil dann auch der Stall mal wieder richtig gereinigt werden konnte.“ Die Gartenwebers trieben ihre im Durchschnitt acht Kühe regelmäßig an der Mühle vorbei zu ihren Wiesen Richtung Wehr. Nach der Schule oder in den Ferien musste einer der drei Buben immer die Kühe dort hüten. Das bedeutete: „Aufpassen, dass sie nicht mit anderen zusammenkamen und zu raufen anfingen, oder nicht in einen angrenzenden Klee-, Rüben- oder Kartoffelacker liefen“, weiß Huber.

Dabei hatte er immer eine selbstgemachte Goaßl. Der Stecken war oft aus Haselnuss, die Goaßlschnur wurde fertig gekauft und vorne noch ein Spogat, also eine dünne Schnur, angebracht, damit es auch richtig schnalzte. Das Wasser für die Tiere war in einem alten Odelfass mit Tränkebecken entweder aus einem naheliegenden Bach oder von zu Hause.

Damit es den jungen Kuhhütern nicht zu langweilig wurde, kamen manchmal auch andere Buben vorbei. „Zusammen wurde auch schon mal heimlich geraucht und ganz übersehen, dass die Kühe in fremden Wiesen grasten“, schmunzelt Huberheute.

So gegen 17 Uhr wurden die Tiere immer heimgetrieben. Sie mussten gemolken werden, weil ja am Abend schon die „Millileid“ aus dem Ort, „bei uns waren es meist die Flüchtlinge“, kamen, um ihre frische Milch abzuholen.

Einmal bekam der Franz großen Ärger. Er bemerkte nicht, es war schon Mitte November, dass dunkle Wolken aufzogen und es zu schneien begann. Die Kühe suchten schützenden Unterschlupf unter großen Bäumen und gingen nicht mehr heraus. Da kam der Vater schimpfend auf die Weide und holte sie ab, weil ja daheim schon die „Millileid“ warteten.

Der Franz hütete die Kühe seiner Eltern. Es gab auch etliche Schulspezln von ihm, die zu Hause keine Landwirtschaft hatten und gegen eine kleine Bezahlung die Kühe der örtlichen Bauern hüteten. Etwa beim Beniwirt, Fottner oder beim Schmied.

Es gab ganz zuverlässige Kuhhüter, „aber auch welche, die es nicht so genau nahmen, und das „Kiahiatn“ schon auch manchmal vergasen“, weiß Franz Huber.

Das Kühehüten hörte auf, als die elektrischen Weidezäune eingeführt wurden. Von den kleineren Landwirten wurde der Weidezaun dann alle paar Tage auf der Wiese umgesteckt, damit nicht gleich das gesamte Gras abgefressen wurde – im Gegensatz zu den großen Bauern wie zum Beispiel der Wagenbauer, der Bücherl oder das Kloster, die ihre Weideflächen oft komplett eingezäunt hatten.

Als kleiner Bub beim Kühehüten: Franz Huber. 

Auch wenn der Verkehr damals noch sehr gering war, war das Austreiben der Kühe für manche schon ein Ärgernis. „Die Cycloarbeiter etwa hörte man schon oft schimpfen, wenn sie von der Arbeit heimfuhren und sie am Pfarrerberg warten mussten, bis die große Kuhherde vom Kloster weg war“, erzählt Huber. Außerdem hinterließen die Kühe ja auch etliche Hinterlassenschaften. Ob beim Pfarrer- oder Meierhöferberg, der heutigen Schlossstraße, nach Glonn aber auch Ebersbach, Aufhausen oder Fränking, oft musste man schon durch schöne „Letten“ fahren.

„Bevor die Kühe erstmals auf die Weide kamen, war man daheim schon etwas aufgeregt, ob alles gut geht“, erinnert sich ein anderer Weichser, der Hasenecker Fred. Seine Familie hatte zwar nur zwei Kühe, aber die mussten im Sommer auch auf die Weide, auch wenn es nur ein kleines Fleckerl war. Unweit von ihm an der Baustädter Straße war der „Friedl Sattler“. Hasenecker muss bei seiner Erzählung schmunzeln: „Die hatten zwar auch nur drei Kühe, aber da war schon Tage vor dem ersten Austrieb immer helle Aufregung. Der Hof musste abgesperrt werden, denn anfangs, als die Kühe aus dem Stall durften, kannten sich diese gar nicht aus. Sie hüpften wild nur so durch die Gegend.“ Erst als sie sich langsam beruhigten, konnten sie auf die Straße gelassen werden.

„Auch wenn wir es damals vielleicht gar nicht so empfunden haben“, sagt Franz Huber rückblickend, „es war eine schöne Zeit beim Kühehüten. Schade, dass man bei uns fast keine Kühe mehr auf den Wiesen sieht.“

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