Möglichst nicht erschrecken: Für ein Reh sind Hitze und Dürre schon schlimm genug - da braucht es nicht noch weiteren Stress durch stöbernde Hunde. Foto: Silke Heyer/dpa-tmn
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In Weichs schießen Jäger Rehe intensiv, um den Wald zu schützen.

Nicht jeder ist vom Modell überzeugt

Feldversuch in Oberbayern: Jäger schießen massiv Rehe, um Wald zu schützen - Kritik sogar von Kollegen

  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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Die Jäger in Weichs haben sich an einer neuen Herangehensweise gegen Wildverbiss versucht: Intensivere Jagd hat hier zur Erholung des Waldes geführt.

Weichs – Christian Mettin beugt sich über eine hüfthohe junge Tanne und sagt: „Es ist erstaunlich, wie schnell es gehen kann.“ Der emeritierte Professor für Wald- und Bodenschutz an der Fachhochschule Weihenstephan steht in einem Waldstück bei Weichs im Landkreis Dachau, in dem er auf Wunsch der örtlichen Jagdgenossenschaft mit einem Team von zehn Jägern vor fünf Jahren die Jagd übernommen hat.

Wild-Abschuss in Oberbayern: Jäger erhöhen Zahl - Wald erholt sich

„Davor gab es hier nur braune Waldböden und nichts darunter.“ Denn die Rehe hatten viele der nachwachsenen Baumtriebe abgeknabbert. Jetzt, nach fünf Jahren intensiver Jagd, gebe es dort wieder eine Naturverjüngung mit bis zu 120 000 jungen Tannen pro Hektar – und dazu viele weitere Baumarten für einen gesunden Mischwald.

Befürworter einer intensiven Jagd: Christian Mettin in einem Waldstück bei Weichs im Landkreis Dachau.

Jagd für gesunden Wald: Nicht jeder ist vom Weichser Modell überzeugt

Das Weichser Modell ist ein Feldversuch, wie der Wald mit intensiver Bejagung wieder besser nachwachsen kann. Mettin und die örtlichen Waldbesitzer sind überzeugt davon, dass sie durch die erhöhten Abschusszahlen beim Rehwild den Verbiss so in den Griff bekommen haben, dass ihr Wald sich natürlich Verjüngen kann. Weil nun auch wieder mehr Kräuter auf dem Waldboden wachsen, sei neben den für die Waldbauern wichtigen Jungbäumen zudem das Futterangebot für die verbleibenden Wildtiere besser, betont Mettin. Das Rehwild in Weichs habe in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht zu gelegt und sei somit vitaler. Sein Fazit: Nach wenigen Jahren in der Eigenbewirtschaftung zeige sich, dass Wirtschaftswald, Wild und Naturschutz nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.

Mehr Abschuss zum Schutz des Waldes: von einem Extrem ins andere?

Doch dieser Ansatz einer intensiven Jagd wegen hoher Verbisszahlen ist nicht unumstritten. Während Naturschützer den Fokus auf die Waldverjüngung begrüßen, lehnen viele Jäger es ab, immer mehr Rehe schießen zu müssen. So sagt etwa der Vorsitzende des Dachauer Jagdschutz- und Jägervereins, Ernst-Ulrich Wittmann, er halte das Weichser Modell für den falschen Weg. „Es ist ein Kniefall vor den wirtschaftlichen Interessen der Waldbesitzer zu Lasten der Wildtiere.“ Keine Frage, einzelne Kollegen hätten in der Vergangenheit Fehler gemacht und sich in ihrem Revier einen eigenen Tierpark gehalten. „Aber so kommen wir vom einen Extrem ins andere.“ Einen angemessen Ausgleich der Interessen schaffe man nur gemeinsam mit Jägern und Waldbauern.

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