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Aus dem Auto heraus sollen hier Auftritte von Bands und Kabarettisten verfolgt werden können

Gemeinderat Weichs genehmigt Pläne eines örtlichen Unternehmers

Konzerte auf dem früheren Festplatz

Thomas Wild, Chef einer Firma für Veranstaltungstechnik kämpft in der Corona-Krise ums Überleben. Jetzt hat er dem Weichser Gemeinderat einen Vorschlag unterbreitet, der unter anderem Konzerte auf dem früheren Festplatz vorsieht

VON HEINZ NEFZGER

Weichs – Corona war bei der jüngsten Zusammenkunft des Weichser Gemeinderats nicht nur ein Thema, weil man wieder im Bürgerhaussaal mit gebührendem Abstand tagen musste, sondern insbesondere wegen eines besonders Corona-geschädigten Weichser Unternehmers, der um Hilfe bat: Thomas Wild, der seit etlichen Jahren im Gewerbegebiet erfolgreich die Firma TW-Veranstaltungstechnik betreibt.

Wild beantragte die kostenlose Nutzung des Freizeitgeländes, das einst als Festplatz gebaut und jetzt für Skater und andere Sportarten als Fun-Park der Jugend dient, ähnlich einem Autokino etwa für Konzerte von Bands, Kabarettauftritte oder Lesungen für Jung und Alt. Wild denkt dabei an die Nutzung des Geländes auf bestimmte Zeit an den Samstagabenden (20 bis 23 Uhr) und evtl. auch am Sonntagnachmittag, wo vielleicht Kinderlesungen abgehalten werden könnten.

Die Gründe, so Bürgermeister Harald Mundl (WBV), sind vielseitig: „Zum einen geht es dem Unternehmer darum, der Bevölkerung in Zeiten von Corona etwas Abwechslung zu bieten, aber auch den Kulturschaffenden unter die Arme zu greifen.“ Bei seiner Vorstellung des Konzepts erklärte Wild, dass seine Berufsbranche besonders hart von den Einschränkungen betroffen sei, und das von Anfang an: „Wir haben Umsatzeinbrüche bis zu 95 Prozent. Eine Wiederaufnahme der Arbeit ist frühestens Anfang September und eine gewisse Normalität erst wieder ab Mitte 2021 zu erwarten.“

Mitte März hatte sein Betrieb noch drei festangestellte Mitarbeiter, acht 450-Euro- Kräfte und einen Azubi. Mittlerweile mussten zwei Festangestellte bereits entlassen werden. „Die Auftragslage geht leider Richtung null“, sagt Wild.

Um Auto-Kultur-Events abhalten zu können, möchte er über die Bundesnetzagentur eine Radiofrequenz beantragen. Er arbeitet dabei bereits gut mit dem Kulturamt der Stadt Dachau, wo auch Autokonzerte geplant sind, zusammen. Alles wird nach nach den erforderlichen Sicherheitsvorschriften erfolgen. Wild bezeichnet seine Idee als eine Art „Open-Air- Bürgerhaus“. Wenn schon andere Veranstaltungen im Landkreis wie Volksfeste usw. ausfallen müssen, dann sollen die Leute wenigstens an dieser Art Freude haben.“

Zur Einhaltung des Hygienekonzepts würde man auch Sicherheitsleute anstellen. Wild stellte sein Konzept ausführlich vor. So soll eine etwa acht mal sechs Meter große Bühne im Grünbereich an der Staatsstraße aufgestellt werden. Rampen und Freizeitgeräte müssten nur teilweise für einige Zeit anderswo platziert werden. 60 Autos würden Platz finden, die mit bis zu fünf Personen besetzt werden könnten (momentan aus zwei Haushalten). 20 bis 30 Euro sind pro Auto inklusive Fahrer als Eintritt bei Konzerten geplant. Weitere fünf bis neun Euro pro weiteren Insassen. Was je Auto rund 40 bis 55 Euro Einnahmen bedeuteten. Ein absoluter Sonderpreis, sagt Wild, „aber uns bleibt nichts anderes übrig“. Mit einem Gewinn rechnet er nicht, „aber vielleicht können unsere Fixkosten gedeckt werden, und wir haben wenigstens Arbeit“.

Der engagierte Unternehmer hat mit seiner Bühne aber auch schon andere Pläne. So könnte etwa der Gartenbauverein in dieser Form seine Versammlung abhalten. Für eine Bewirtung gibt es momentan noch keine Erlaubnis.

Angefragt hat auch schon die Theresia-Gerhardinger- Realschule, ob sie in ähnlicher „Autokino-Art“ vielleicht unten beim Busparkplatz an der Glonn auf einer Bühne den Abschlussgottesdienst und die Zeugnisverteilung abhalten könnte.

Den Gemeinderäten gegenüber räumte Wild Bedenken wegen evtl. Lärmbelästigung aus: „Das kann man nicht mit einem Open-Air-Konzert vergleichen.“ Mit den Verantwortlichen der gemeindlichen Jugendarbeit wurden mittlerweile alle ebenfalls vorhandenen Bedenken ausgeräumt, da sich die Veranstaltungszeiten nur gering mit den Bedürfnissen der Jugendlichen überschneiden.    

Auch wenn sie später wie alle Räte dem Antrag zustimmten, war insbesondere von der SPD-Fraktion Unbehagen wegen des Autoaufkommens zu hören. Andere zweifelten, ob es sich finanziell rentiert, wollten aber dem örtliche Gewerbebetreibenden keine Steine in den Weg legen, der um den Fortbestand seines Unternehmens kämpft. Jetzt hofft Wild, dass auch das Landratsamt grünes Licht gibt, damit er schnell mit Bands und Kabarettisten Kontakt aufnehmen kann, „die momentan günstiger als sonst zu bekommen sind, da es ihnen auch an Auftrittsmöglichkeiten fehlt“.

Wie Mundl freut sich ein Großteil des Gemeinderats auf die Auto-Kultur-Events, denn Weichs wäre dann zwar nicht die Kultur-Hauptstadt, aber vielleicht Kultur-Hauptgemeinde im Landkreis.

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