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Ihr Mann las den Bayern die Leviten

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Freut sich über die tolle Torte zum 100. Geburtstag: Katharina Hartl-Ehbauer.
Freut sich über die tolle Torte zum 100. Geburtstag: Katharina Hartl-Ehbauer. © heinz nefzger

Ebersbach – Den gewiss nicht alltäglichen 100. Geburtstag konnte im Pro Seniore Wohnpark Ebersbach Katharina Hartl-Ehbauer feiern. Die Wiege der für ihr Alter geistig äußerst frischen Jubilarin stand in Singham im niederbayerischen Rottal, wo sie teils auf dem schönen Bauernhof ihrer Großeltern aufgewachsen ist.

Sie gehört zur Verwandtschaft der Hartl-Thermalbad- Dynastie in Bad Griesbach. Drei Jahre verbrachte sie in einem Internat der Englischen Fräulein in Passau, bevor sie in eine Münchner Kaufmannsschule ging. Es folgte ein soziales Pflichtjahr bei einer Münchner Familie. Danach war Katharina Hartl-Ehbauer ab 1939 bis zur Rente zuerst bei der Deutschen Reichsbahn und später bei der Deutschen Bahn in München im sozialen Bereich tätig. Sie lebte in München bis zu ihrem Umzug in das Pflegeheim in Ebersbach im November 2018.

Katharina Hartl-Ehbauer hat viel erlebt in ihrem langen Leben. Darunter Bombennächte und Wiederaufbau. Manches, erzählt sie gerne, anderes wieder möchte sie unerwähnt lassen. Ihr Mann, ebenfalls ein Eisenbahner mit Oberpfälzer Wurzeln, war der bekannte Mundartdichter Michael Ehbauer. Ein besonders bekanntes literarisches Werk von ihm ist die Baierische Welt- gschicht, die biblische Geschichte der Welt in Versform und bairischer Mundart humoristisch paraphrasiert. Leider starb er bereits 1964.

Auch ihr Sohn Dr. Michael Ehbauer ist leider bereits 2011 gestorben. Er führte eine Arztpraxis in Petershausen, war als beliebter Heimarzt zusätzlich im Pro Seniore Wohnpark tätig und verfasste nebenher als Mundartdichter eine Fortsetzung der Baierischen Weltgschicht seines Vaters unter dem Titel „Baierische Weltgeschichte. Letztes Trumm. Wia unser Herr Jesus glebt hat“.

Trotz ihrer Schicksalsschläge hat Katharina Hartl-Ehbauer ihren Humor nicht verloren. Es gibt eben auch sehr viele schöne Erinnerungen an ihr mittlerweile 100 Jahre dauerndes Leben. Zum Beispiel daran, dass ihr Mann zu Beckenbauers Zeiten einst den Nikolaus beim FC Bayern machen durfte. Sie erinnert sich noch gut daran, dass zur Vorbereitung über die Spieler oft der halbe Vorstand – angeführt von Präsident Wilhelm Neudecker – in ihrer Wohnung bei der Theresienwiese war.

Selbstverständlich ist die Jubilarin auch heute noch ein großer Bayernfan und verfolgt die Spiele. Genauso dürfen bei ihrem ausgeprägten Allgemeininteresse die täglichen Nachrichten im Fernsehen und aus der Zeitung nicht fehlen.

Zeitkritisch, wie sie ist, kann und will sie einiges, was so in der Welt passiert, nicht verstehen.

Katharina Hartl-Ehbauer hat sich sehr darüber gefreut, dass ihre Schwiegertochter Gabriele, „die sich rührend um mich kümmert“, zum Geburtstag ein Familienessen für sie in einem guten Gasthaus organisiert hat. Auch die Feier coronagerecht im Kreise von Mitbewohnern und Betreuern im Pflegeheim war für sie ein besonderes Geschenk.

Neben Verwandten und Bekannten schickten auch Bundespräsident Walter Steinmeier, Ministerpräsident Markus Söder, Landrat Stefan Löwl, der Weichser Bürgermeister Harald Mundl und auch der FC Bayern herzliche Glückwünsche.

Auf die Frage, wie es ihr geht, sagt die Jubilarin: „Ich bin sehr zufrieden. Wenn eins den anderen achtet, dann muss es einem gut gehen. Und dies ist hier im Pflegeheim der Fall.“ Zufriedenheit, gut versorgt zu sein und noch einige Zeit gesund zu bleiben, das sind ihre Wünsche für die Zukunft. Schade, dass ihr Mann und ihr Sohn ihren außergewöhnlichen Geburtstag nicht mehr erleben durften. Sie hätten ihr zum Hundertsten sicher ganz besonders nette bayerische Mundartverse gedichtet.

Heinz Nefzger

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