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Starb mit 88 Jahren: Anni Bücherl. 

Trauer um beliebte Wirtin

Mit Anni Bücherl starb ein Stück Weichs

Anni Bücherl war Wirtstochter und selbst Gastwirtin. Jetzt ist die Weichserin im Alter von 88 Jahren gestorben. Im Gasthaus Bücherl fühlten sich Generationen wohl, vom Fußballer bis zum Politiker.

VON HEINZ NEFZGER

Weichs – Mit dem Tod von Anni Bücherl (geborene Müller) ist wieder ein Stück Weichs für immer gegangen. Sie war praktisch die letzte noch lebende ehemalige Wirtin eines der Traditionsgasthäuser am Ort, die es längst nicht mehr gibt. Zwei Tage vor ihrem 89. Geburtstag ist sie verstorben.

Wegen gesundheitlicher Probleme war sie in den vergangenen Jahren schon nicht mehr oft in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Gastwirtstochter vom Müller in Herrschenhofen wurde durch die Heirat mit Hans Bücherl, der in Weichs von seinen Eltern das Gasthaus übernahm, dann selbst Wirtin. Zusammen mit ihrem Mann, der leider bereits schon 1991 verstarb, führte sie auch noch die hauseigene Metzgerei.

Im ehemaligen Gasthaus Bücherl, das Gebäude steht immer noch stattlich unweit der Kirche, wo die Verstorbene bis zuletzt wohnte, fühlten sich Generationen wohl, Einheimische genauso wie nach dem Krieg bald auch die Flüchtlinge.

Bestimmt haben noch viele das bayerische Gasthaus räumlich in Erinnerung: die rustikale Gaststube mit Kachelofen, das Nebenzimmer, in dem einer der ersten Fernseher in Weichs stand und so manches Fußballspiel live verfolgt wurde, oder den großen Gang, wo sich die Jugend gerne am Kicker oder Spielautomaten aufhielt. Für Hochzeiten und Tanzveranstaltungen stand ein großer Saal zur Verfügung. Dort zeigte gerne auch der Hausarzt Dr. Braren Filme über seine Urlaubsreisen. Dieser war später mal an die Firmen Siemens und Eben vermietet, wo überwiegend Weichser Frauen beschäftigt waren.

Eingefleischte „Rote“ werden sich bestimmt auch noch an so manche FC Bayern-Titelfeier im Freien unter dem Kastanienbaum erinnern.

Im Gasthaus Bücherl wurde 1947 auch der SV Weichs gegründet. Für die Fußballer war es über Jahrzehnte das Vereinslokal. Ältere Spieler erinnern sich noch gut an die Clubabende am Freitag. Da wurden noch offiziell die Mannschaftsaufstellungen für das nächste Spiel bekannt gegeben und später gerne lange gekartelt.

Am Sonntagabend wurde dann so mancher Sieg gefeiert oder eine Niederlage „begossen“. Zu später Stunde servierten die Wirtsleute dazu schon mal spontan eine Rotweinschorle im großen Stiefelglas oder eine scharfe Suppe im Maßkrug. Nicht zu vergessen die besonderen Schmankerl, für die die Bücherls bekannt waren: gut gewürzte Schaschliks, scharfe Paprikawürste und herzhafte Schweinswürstel mit Sauerkraut, für das die Wirtin ein „Geheimrezept“ hatte. Sonntagmittag gab es außerdem oft gegrillte Gockerl und Schweinshaxen zum Mitnehmen.

Im Gasthaus Bücherl war auch die Politik zu Hause. Hier wurde etwa der CSU- Stammtisch ins Leben gerufen, den es heute immer noch gibt. So mancher Kreispolitiker war dort bei Versammlungen anzutreffen, und blieb dabei manchmal auch gerne etwas länger sitzen.

Mit ihren Gästen saß sie gern am Stammtisch

Wenn die Wirtin dann mit ihrer Arbeit fertig war, setzte sie sich selbst gerne zu den Gästen an den Stammtisch. In ihrer ruhigen, geselligen Art hatte sie ein großes Allgemeininteresse und auch -wissen. Besonders die Gemeinde- und Kreispolitik lag ihr am Herzen. Seit 1986 sind Wirtschaft und Metzgerei offiziell geschlossen.

Anni Bücherl war eine sehr gläubige Frau. Deshalb besuchte sie auch gerne Marienwallfahrtsorte. Beim Trauergottesdienst im Pfarrsaal mit Pater Stadelbauer waren selbstverständlich auch etliche ihrer Gäste von früher anzutreffen. Im Gemeindefriedhof fand sie im Familiengrab ihre letzte Ruhe.

Um die ehemalige Bücherl-Wirtin trauern insbesondere ihre vier Kinder, sieben Enkel- und zwei Urenkelkinder. Ein außergewöhnliches Relikt aus der Gastwirtsfamilie ist im Bürgersaal als Andenken zu sehen: ein restaurierter historischer Theatervorhang, der einst den Bücherls gehörte und diesen der Gemeinde überließ.

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