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Der Bader Sepp starb mit 89 Jahren.

Allseits bekannt

Der Bader Sepp war ein Original - mit ihm stirbt ein Stück Ortsgeschichte 

Den 90. Geburtstag hat Josef Wild nicht mehr erleben dürfen. Mit dem „Bader Sepp“ verliert Weichs ein Original. Er hatte hier in dritter Generation einen Friseursalon betrieben.

Weichs – Im Alter von 89 Jahren ist Josef Wild aus Weichs verstorben. Unweit seines kleinen Hauses unten am Mühlbach fand er nach einem Trauergottesdienst in der St. Martins Kirche mit Pfarrvikar Dr. Clement N. Obielu auf dem gegenüberliegenden Pfarrfriedhof seine letzte Ruhestätte.

Auch wenn Wild zu den eher ruhigeren Mitmenschen gehörte, war er ein Original in Weichs. Zusammen mit seiner Frau Zenta, mit der er über 66 Jahre verheiratet war, führte er in Weichs einen Friseursalon. Dem Bader Sepp, wie man ihn gerne beim Hausnamen nannte, wurde das Friseurhandwerk (früher war es noch der Bader) praktisch in die Wiege gelegt. Großvater und Vater waren sogar noch als aprobierte Bader hier selbstständig.

Ein mittlerweile ausgestorbener Beruf

Der „Sepp“ war darauf recht stolz. Viele werden gar nicht mehr wissen, was dieser mittlerweile ausgestobenen „Beruf“ alles beinhaltete, z.B. Haare schneiden, Wundpflege und sogar Zähne reißen. Gerne erzählte der Verstorbene immer, dass er einer älteren Frau selbst noch einen Zahn gezogen hat, „weil sie wusste, dass dafür noch eine kleine Zange bei uns im Haus war und sie keine Ruhe mehr gab. Das war aber nicht sehr schwer, denn der Zahn hat schon recht genackelt“.

Während sich seine Frau um die Damen kümmerte, war für den Bader Sepp der Herrensalon sein Zuhause. Der Sepp genoss es, wenn er viele Kunden um sich hatte, die ihm was erzählten, während er ihnen die Haare schnitt. Ein Fassonschnitt war bei den Männern besonders gefragt. Für die Buben war manchmal auch ein „Stiftenkopf“ angesagt.

Meist lag neben ihm im Aschenbecher eine brennende Zigarette. Der alte Herrensalon ist heute fast noch genauso eingerichtet wie früher. Die Zeit scheint hier fast stehen geblieben zu sein. Sogar der Kinderstuhl steht noch in einer Ecke. Die letzten zehn Jahre bis zur Rente arbeitete Josef Wild im Deutschen Museum an der Pforte zur Bibliothek, als Aufsicht im Lesesaal und im Archiv. Wild hatte ein großes Allgemeininteresse.

Noch vergangenen Herbst, als seine Kräfte schon merklich nachließen, saß er bei schönem Wetter auf der Terrasse gleich neben der Straße nach Pasenbach und freute sich, wenn ihn Spaziergänger grüßten oder mit ihm kurz ratschten. Von hier aus sah er immer auch gerne auf seinen großen Gemüsegarten, den er zusammen mit seiner Frau besonders pflegte.

Mit dem Tod von Josef Wild, der bis zum Schluss von seiner Gattin liebevoll gepflegt wurde, verliert der SV Weichs ein weiteres Gründungsmitglied aus dem Jahre 1947, was der Verein mit einer Fahnenabordnung würdigte. Ein paar Salatschüsse am offenen Grab erinnerten außerdem daran, dass Josef Wild mit 16 Jahren 1945 im Zweiten Weltkrieg noch zur Heimatflak einberufen wurde.

Mit dem Bader Sepp ging ein weiteres Stück Weichs, das eine kleine Ortsgeschichte mitgeschrieben hat. Um ihn trauern insbesondere seine Frau Zenta, Tochter Roswitha und Sohn Josef mit ihren Familien. Besonders den vier Enkel- und fünf Urenkelkindern wird der Opa sehr fehlen.

nef

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