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Sie schreiben sich seit 50 Jahren Briefe und haben sich noch nie getroffen

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Zwei Brieffreundinnen
Dörte Dierksen (links) hat alle Briefe und Karten gesammelt. Angelika Weber mit der jüngsten Weihnachtskarte. © Heinz Nefzger

Seit 50 Jahren schreiben sich Angelika Weber aus Weichs und Dörte Dierksen aus Wurster Nordseeküste Briefe. Getroffen haben sich die beiden allerdings noch nie.

Weichs – Abstand halten ist in der nun schon so lange dauernden Corona-Zeit ein großes Thema. Abstand gehalten haben vorher schon sehr lange, obwohl es nicht erforderlich gewesen wäre, Angelika Weber (Mädchenname Fischer) aus Weichs und ihre Brieffreundin Dörte Dierksen im Norden von Deutschland.

Eine nicht alltägliche Geschichte, die begann, als die elfjährige Angelika die fünfte Klasse der Volksschule für Mädchen der Armen Schulschwestern im Weichser Kloster besuchte. Von der Lehrerin Schwester Anastasia wurden Brieffreundschaften angeregt. Dabei wurden Adressen zugewiesen.

Für Angelika war es ein etwa gleichaltriges Mädchen in Fedderwardersiel, eine Ortschaft in der Gemeinde Butjadingen in der Wesermarsch im Nordwesten Niedersachsens. Dort war die künftige Brieffreundin daheim. Jetzt wohnt sie in Wurster Nordseeküste, eine Gemeinde im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. „Seither sind über 50 Jahre vergangen, und wir schreiben uns immer noch“, freut sich die mittlerweile 62-jährige Weichserin.

Während sie die ersten Briefe leider nicht aufgehoben hat, hat Dörte Dierksen jeden Briefwechsel bis heute gesammelt.

Obwohl sie sich noch nie persönlich begegnet sind, wissen sie sehr viel voneinander, zum Beispiel über die Familien (jede hat zwei Kinder), ihre Hobbys oder, dass Angelika Weber als Sachbearbeiterin bei der Stadtverwaltung in München arbeitet und Dörte Dierksen hauswirtschaftliche Mitarbeiterin in einer karitativen Einrichtung ist.

Auch wenn seit einigen Jahren öfters auch WhatsApp- Kontakt besteht – dreimal jährlich darf ein Briefwechsel nicht fehlen: An Weihnachten und zu den Geburtstagen.

Der erste Brief, den die Weichserin in bester Schönschrift zu ihrer Brieffreundin geschickt hat, ist datiert vom 18. April 1970. Seither sind es gut über 100 Brief- bzw. Kartenwechsel. Diese Brieffreundschaft soll weiterhin aufrechterhalten werden. Allein schon aus Tradition. Aber irgendwann, da sind sich die beiden in ihrer Beziehung nicht alltäglichen Freundinnen einig, wollen sie sich nun doch endlich mal persönlich kennenlernen. Sie denken an ein Treffen irgendwo in der Mitte zwischen ihren Wohnorten, denn dann ist die jeweilige Anreise nicht so weit.

Das wird aber erst möglich sein, wenn es die Corona-Einschränkungen nicht mehr gibt. Jetzt hat es schon gut 50 Jahre gedauert, dann werden Angelika und Dörte ihre Freundschaft auch noch „kontaktlos“ aushalten. Und geschrieben wird ja sowieso.

Heinz Nefzger

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