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Weihnachten im Krieg: Mathias Ligsalz aus Aufhausen erinnert sich an Heiligabend vor 75 Jahren. 

Mathias Ligsalz aus Aufhausen erinnert sich an Heiligabend 1944

Das schönste Geschenk zur Kriegsweihnacht

Strenge Rationen statt bunter Teller: In der letzten Kriegsweihnacht vor 75 Jahren freute sich der zehnjährige Mathias Ligsalz über den Christbaum und einen Norwegerpullover, gestrickt von seiner Mutter. Der Aufhauser erinnert sich an die Weihnachtszeit im Krieg.

Aufhausen– „Von den 27 Hausnummern, die es in Aufhausen gab, sind 28 Männer im Krieg gefallen.“ Mathias Ligsalz ist heute 85 Jahre alt. Vor 75 Jahren, am letzten Heiligabend während des Zweiten Weltkriegs, waren von einem Hof drei oder vier Männer im Krieg, berichtet der Aufhauser. In den Familien war der Tod allgegenwärtig, die Gedanken kreisten um Söhne, Väter und Ehemänner an der Front und den vielen Gefahren, denen sie ausgesetzt waren.

Mathias Ligsalz war damals zehn Jahre alt. Weil seine Mutter eine sehr schmächtige Frau war, die zwar schwer arbeitete, aber so Dinge wie das Rossgeschirr nicht heben konnte, durfte der Vater vom Krieg zuhause bleiben, damit der Hof mit 45 Tagwerk nicht zugrunde ging. Der Hof hatte eine Dirn und einen Knecht, der später auch im Krieg umkam, erzählt Mathias Ligsalz.

Für die Kinder war die Vorfreude auf Weihnachten auch im Jahr 1944 ungebrochen. An sein Geschenk erinnert er sich noch sehr gut. „Die Mama hatte sich zwei Schafe angeschafft, so konnte sie scheren, die Wolle spinnen und die konnte dann verstrickt werden.“ Von einem befreundeten Schäfer erhielt sie auch noch die Wolle von schwarzen Schafen, und so bekamen Mathias und seine Schwester Pullover mit Norwegermuster, die zu der Zeit in Mode waren.

„Zu Weihnachten gab es nichts außer der Kleidung von Mama und teilweise selbst gearbeitete Sachen“, sagt Ligsalz. Heiligabend war Fasttag, erst nachmittags um 15 Uhr zur Brotzeit durfte Fleisch gegessen werden. Dann ging es zur Stallarbeit, danach gab es Kaffee und die Bescherung. „Wir Kinder waren froh um den Christbaum und die Plätzchen, keiner hat gemeckert über zu wenig oder falsche Geschenke“.

Um 23 Uhr lief die Familie, „bis auf den Vater, der angeblich zuhause kochen musste“, durch Eiseskälte in stockfinsterer Nacht zur Christmette nach Weichs, etwa drei Kilometer. Danach wurde das Christkindl angeschossen. Die Buben machten sich einen Spaß daraus, den älteren Damen Knallfrösche unter den Rock zu werfen, „und die hüpften auch wie die Frösche und schimpften fürchterlich“. Nach der Mette gab es warme Suppe und danach ging es ins eiskalte Bett, vorgewärmt nur durch einen Dachziegel, der eingewickelt war, damit das Bett nicht schmutzig wird.

„An vielen Tagen in der Kriegszeit, und natürlich besonders an Weihnachten, kamen sogenannte Hamsterer“, erzählt Mathias Ligsalz. Das waren Bettelleute meist aus der Stadt München, die um ein Ei, einen Löffel Schmalz, Kartoffeln oder einen Löffel Mehl bettelten. Viele sind sogar nach dem Krieg vorbeigekommen und haben sich bedankt. Die Hamsterer hatten meist nur einen Eimer dabei und darin alles gesammelt, was sie bekommen konnten – „es hat nicht immer appetitlich ausgesehen, doch alles wurde wieder auseinandergeteilt und verwertet.“

Brigitte Weber

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