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Weiheakt 1922 am ersten Denkmal: Kaplan Pistorius leitet die Zeremonie, zahlreiche Vereine aus dem Ort und dem Umkreis nehmen mit ihren Fahnenabordnungen teil.

Krieger- und Soldatenverein feiert 125-Jähriges und zwei weitere Ereignisse

Dreifach-Jubiläum in Weichs

Der Krieger- und Soldatenverein Weichs feiert 125-jähriges Bestehen - und zwei weitere Ereignisse.

Weichs – 2019 wird als Dreifach-Jubiläumsjahr in die Annalen des Weichser Krieger- und Soldatenvereins eingehen: Vor 125 Jahren wurde der Verein gegründet und vor 120 Jahren das erste Kriegerdenkmal (Mariensäule) in der Nähe von Kloster und Gasthaus Bücherl gebaut. Und seit 30 Jahren gibt es die Vereinsreisen. Gefeiert wird am Sonntag im Bürgerhaussaal.

Der Verein ist der drittälteste in Weicher Vereins, länger gibt es nur die Feuerwehr und die Bavaria-Schützen. In den Aufzeichnungen ist zu lesen, dass der deutsch-französische Krieg 1870/71 in vielen Orten zur Gründung sogenannter Veteranenvereine geführt hat. So 1894 auch in Weichs.

Zum Glück, so Vereinschef Josef Lamprecht, lässt sich die Geschichte des Vereins anhand des historischen Gründungsprotokolls bis an die Anfänge zurückverfolgen. Zum Vorsitzenden wird 1894 Josef Schmid gewählt, zum Schriftführer Josef Reindl. Der Schriftführer berichtet: „Im Monat Juli 1894 haben sich einige Bürger von Weichs zusammengetan, um einen Veteranen- und Kriegerverein zu gründen. Auf Anraten wurde von einem Kaufmann Jos. Schmid eine Versammlung einberufen von 40 bis 50 Mitgliedern. Es wurde eine Sammlung veranstaltet zum Ankauf einer Krieger- und Veteranen-Fahne, aus der Taubstummen Anstalt Hohenwarth, welche mit Zubehör 600 M kostete, und es sind in der Sammlung, durch freiwillige Spenden, wie in der ersten Seite des Buches ersichtlich, 618 M angefallen.“

Im Kassenbuch findet sich in der Tat eine Eintragung aus dem Gründungsjahr, die besagt, dass 53 Weichser Bürgerinnen und Bürger gespendet haben. Doch das Geld reichte zur Finanzierung der Fahne und der Fahnenweihe nicht aus. Auch eine Christbaumversteigerung und der Erlös aus dem Verkauf von Festzeichen konnte die Finanzlücke nicht schließen. Der sogenannte „Passivrest“ betrug 170.60 Mark. Schmid und Reindl nahmen ein Darlehen in Höhe von 200 Mark auf, jeder übernahm 100 Mark.

Die Fahnenweihe fand am Pfingstsonntag, 3. Juli 1895, statt. Ein bedeutendes Ereignis in der Vereinsgeschichte folgt 1899. In dieses Jahr fällt die Errichtung der Mariensäule, des ersten Kriegerdenkmals zu Ehren und zur bleibenden Erinnerung an die Soldaten des Krieges von 1870/71. Ein Bericht in der Lokalzeitung dokumentiert nicht nur die Bedeutung dieses Ereignisses für den Ort, sondern er bezeugt auch, mit welchem Engagement die Veteranen und Dorfbewohner an diese große Aufgabe herangegangen sind, den Feldzugsoldaten, Gefallenen und Heimgekehrten ein würdiges und bleibendes Ehrenmal zu setzen.

1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. Er dauert bis 1918 und fordert einen hohen Blutzoll. Nicht weniger als 32 Männer aus Weichs mussten auf dem Feld ihr Leben lassen. Zur bleibenden Erinnerung an sie wurde in der Ortsmitte, an der damaligen Hauptstraße (jetzt Kreuzung Freisinger- / Freiherrnstraße), ein neues Kriegerdenkmal errichtet, das 1922 eingeweiht wurde.

Besondere Verdienste erwarb sich der Schmiedemeister und Landwirt Josef Lechenbauer. Ihm vor allen Dingen war es zu verdanken, dass mit einer einmaligen Sammelaktion die nötigen Finanzmittel aufgebracht werden konnten.

1939 bricht der Zweite Weltkrieg aus. Er wütet bis 1945 und bringt über die Gemeinde wiederum unsägliches Leid. 61 Gefallene sind zu beklagen, 26 Kriegsteilnehmer aus der Gemeinde werden als vermisst gemeldet. Allein im Jahr 1944 fielen 20 Männer. Auch das Kassenbuch belegt dies: „20 mal der Eintrag von 8 M ausgegeben für 20 Grabkränze.“

Zwölf Jahre nach Kriegsende beschließt die Vereinsführung die Renovierung der im Jahre 1923 angeschafften zweiten Vereinsfahne. Die Weihe findet 1958 statt.

Damit nicht nur ehemalige Kriegsteilnehmer Mitglied im Verein werden können, sondern auch Reservisten der Bundeswehr, wurde im Jahre 1963 der Name von Krieger- und Veteranenverein in Krieger- und Soldatenverein abgeändert. Im Jahr 1973 wurde das 1922 an der Hauptstraße errichtete Kriegerdenkmal wegen des stark erhöhten Straßenverkehrsaufkommens abgetragen und in neuer Form auf dem Kirchenfriedhof wieder aufgebaut.

Den 90. Jahrestag der Gründung feierte der Verein 1985 mit einer erneuten Fahnenweihe. Nach 27 Jahren hatte die alte Fahne erhebliche Verschleißerscheinungen.

Im Jahr 2000 stellte sich der Verein noch einmal einer großen Aufgabe: Man integrierte das etwas eingeengte Kriegerdenkmal vom Friedhof in die Mariensäule von 1870/71. Auch dank 500 freiwilliger Arbeitsstunden konnte das neue Kriegerdenkmal im Herbst 2001 fertiggestellt und am Pfingstsonntag 2002 eingeweiht werden. In diesem Denkmal wurden die beiden Kriegerdenkmale zusammengeführt, als Gedenkstätte der Kriege von 1870/71, 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945.

Auf dem Weichser Friedhof ist aber weiterhin der im Gebet vertiefte Krieger vom ursprünglichen Denkmal zu sehen, zudem ein kleines Mahnmal „Den Opfern der beiden Weltkriege – Friede den Völkern“.

An der Spitze des Vereins standen: Jakob Stichlmeyr, Nikolaus Gruber, Karl Pögl, Max Nefzger, Anton Kollmair, Jakob Stichlmeyr (Enkel des vorhin genannten). Seit 2015 hat Josef Lamprecht das Amt inne. Sein Stellvertreter ist Werner Dornstädter. Den Vorstand komplettieren Schriftführer Karl Drexler, Kassier Christian Blumenschein. Der Verein hat 141 Mitglieder. Unter ihnen sind noch drei ehemalige Kriegsteilnehmer: Willi Petschauer, Rupert Nebl und Jakob Seemüller.

Heinz Nefzger

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