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Schwester Ruth auf dem Weg zur letzten Ruhe. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung fand beim Kloster in Dorfen statt.

Abschied von einer außergewöhnlichen Ordensschwester

Schwester Ruth war eine „einzigartige, unersetzbare“ Lehrerin

Ein außergewöhnliches Leben ging zu Ende: Im Alter von 91 Jahren ist Schwester Ruth Becker gestorben. In Weichs ist sie unvergessen.

Dorfen/Weichs – Obwohl sie bereits 2015 in das Alten- und Schwesternheim Maria der Armen Schulschwestern nach Dorfen gezogen ist, vergessen wurde sie in Weichs nie. Noch heute hat Schwester Ruth Becker einen Platz im Herzen vieler Weichser. Kein Wunder, dass viele Weichser, aber auch etliche Lehrer der Theresia-Gerhardinger-Realschule und ehemalige Schülerinnen jetzt nach Dorfen fuhren, um die allseits beliebte und geschätzte Ordensfrau auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Nach der Aussegnung zog ein langer Trauerzug mit rund 160 Personen, darunter 60 Ordensfrauen, zum städtischen Friedhof. Schwester Ruth fand ihre letzte Ruhe bei der Grabstätte der Armen Schulschwestern gleich neben ihrer bereits verstorbenen Mitschwester Anastasia, mit der sie Jahrzehnte in Weichs eng zusammenlebte.

Der anschließende Trauergottesdienst in der komplett gefüllten Hauskapelle des Klosters wurde in Konzelebration von den beiden Pfarrern i. R., Georg Reichl, der als ehemaliger Weichser Pfarrer die Verstorbene recht gut kannte, und Hans Eschbaumer zelebriert. Aus den verschiedenen Reden waren immer wieder die Attribute Fürsorge und Herzlichkeit herauszuhören, für die Schwester Ruth im Weichser Kloster und in der ehemaligen Mädchenrealschule immer stand.

Schwester Doris, Oberin in Dorfen, sprach von einer charismatischen Begabung im Umgang und in der Führung und Begleitung junger Menschen, die Schwester Ruth hatte. Bis an ihr Lebensende pflegten frühere Schülerinnen regen Kontakt mit ihr und priesen sie als ihre liebste Lehrerin, die nicht nur Unterrichtsstoff vermittelte, sondern sie vor allem auf das Leben vorbereitete, sagte Schwester Doris. Noch am Todestag bekam sie von einer Schülerin Besuch.

Mit bewegter Stimme nahm die ehemalige Schülerin Eva Feyrer (geborene Huber) aus Vierkirchen Abschied. Schwester Ruth war damals bereits 69 Jahre, als sie ihre Klassenlehrerin war. Feyrer kämpfte mit den Tränen, als sie von der beliebten Lehrerin sprach, die nach ihren Worten einzigartig, unersetzlich und immer für die Schülerinnen da war.

Als Vertreter der Pfarrei St. Martin Weichs würdigte Jürgen Meyr die Verstorbene: „Weichs und unsere Pfarrgemeinde haben Schwester Ruth viel zu verdanken. Sie lebte 61 Jahre hier im Kloster. Die Glonntalgemeinde wurde zu ihrer zweiten Heimat. Mit ihr geht nun ein Weichser Urgestein, ein Stück Heimat und auch eine wertvolle Zeitzeugin verloren. Schwester Ruth verkörperte für viele Weichser auch ein Stück kirchlicher Heimat. In unserer Pfarrkirche hatte sie ihren festen Platz, und nach den Gottesdiensten kam sie immer mit den Menschen ins Gespräch. Ihre Art und wie sie auf die Menschen zugegangen ist, hat beeindruckt.“

Erstaunlich, wie sie ihr Leben meisterte, denn schon in jungen Jahren brachte es so viel Leid über sie. Ihre Wiege stand in der Batschka im früheren Jugoslawien. Das, was sie dort als junges Mädchen im Krieg Schlimmes erlebte, hat sie in einer umfangreichen privaten Niederschrift dokumentiert. Zusammen mit der Großmutter gelang ihr die Flucht aus einem Internierungslager. 1950, mit 22 Jahren, entschloss sie sich in den Orden der Armen Schulschwestern einzutreten. Zwei Jahre später wurde sie eingekleidet. Schon im selben Jahr führte ihr Weg nach Weichs. Schwester Ruth war mit Leib und Seele Lehrerin an der Mädchenrealschule. Sie unterrichtete die Fächer Steno, Maschinenschreiben und Buchführungslehre sowie Wirtschaftskunde.

In den letzten Jahren gab sie sogar noch Computerunterricht. 16 Jahre lang war sie Konrektorin. Auch war sie jahrzehntelang für die gesamte Verwaltungsarbeit in der Schule und im Kloster zuständig. Es ist nicht übertrieben, wenn sie in ihrer bescheidenen Art gerne davon erzählte, dass es etwa 2000 Schülerinnen waren, mit denen sie in den 44 Jahren im Schuldienst zusammentraf.   

Bei ihnen und auch in der Gemeinde Weichs hat sie viele positive Spuren hinterlassen. Viele finden es schade, dass sie nicht bei den Schwestergräbern auf dem Weichser Pfarrfriedhof ihre letzte Ruhe finden konnte. Vielleicht, hoffen manche Pfarrangehörige, entschließt sich der Orden, mal kleine Gedenktafeln hier zur Erinnerung an verdienstvolle Ordensfrauen, für die Weichs zu einer zweiten Heimat wurde, anzubringen.

Ein Satz, den Schwester Ruth aus eigener Erfahrung auch mal aufgeschrieben hat, ist: „Das Wichtigste im Leben ist Liebe. Ohne Liebe wird der Mensch zum Tier und das Leben zur Hölle“. Schwester Ruth hat dies leidvoll erfahren und anschließend unglaublich viel Liebe anderen gegeben.

nef

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