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Werner und Anni Haberditzl aus Weichs

Mit krankem Herz auf großer Radtour

Trotz, nein, wegen seiner schweren Herzkrankheit haben Werner und Anni Haberditzl jetzt mit dem Rad ganz Deutschland von Nord nach Süd durchquert. In 14 Tagen von der Nordsee in die Heimat Weichs. Die nächste Tour ist schon in Planung.

Weichs– Reisen sind für Werner (66) und Anni Haberditzl (63) aus Weichs nichts Neues. Mit ihrem Wohnmobil haben sie in den vergangenen 25 Jahren schon halb Europa bereist. Auch viele Fahrrad- und Wandertouren haben die Eheleute bereits unternommen. Erstaunlich ist dabei, dass der Ehemann das alles macht, obwohl er seit längerem am Herzen erkrankt ist. Haberditzl: „Bei drei Herzkranzgefäßen sind bei mir schon zwei dicht, und nur dem vielen Wandern und Radfahren ist es zu verdanken, dass ich heute noch lebe. Denn durch viel Bewegung bilden sich Kollateraladern. Mein Arzt sagt dazu: ,Wenn der Körper Zeit hat, hilft er sich selbst.‘“

Deshalb hatte sich das Ehepaar unlängst auch entschlossen, trotz der angeschlagenen Gesundheit des Mannes, Deutschland mit dem Rad vom hohen Norden bis zum Heimatort Weichs im Süden zu durchqueren. Mit dem Flixbus ging es zunächst nach Bremen. Von hier mit der Bahn weiter nach Bremerhaven. Hier wurden die Räder, keine E-Bikes, sondern ganz einfache Trekkingräder, mit voll gefüllten Taschen „gesattelt“ – und los ging’s.

14 Tage war man auf zwei Rädern unterwegs. Übernachtet hat man überwiegend im Zelt, das man im eigentlich sonst schon recht schweren Gepäck dabei hatte. Nur viermal ging man wegen Starkregen in ein Hotel. Auch wenn es von Nord nach Süd immer leicht aufwärts geht, kam ihnen entgegen, dass die Strecke relativ flach verläuft.

Die ersten 150 Kilometer hatte man vom Meer her meist etwas Rückenwind. Erst ab der Porta Westfalica beim Wasserdurchbruch kam er aus verschiedenen Richtungen. Für die beiden Weichser kam es nicht darauf an, täglich viele Kilometer zu schaffen, sondern Sehenswürdigkeiten anzuschauen, regionale Spezialtäten zu genießen sowie Land und Regionen kennenzulernen. Einmal waren es 100, bei starkem Gegenwind ein andernmal auch nur 60 Kilometer am Tag. Und bei Hitze war halt öfters „Biergarteln“ angesagt.

Vor den Bremer Stadtmusikanten: Werner und Anni Haberditzl starteten im hohen Norden.

Insgesamt fuhren sie durch fünf Bundesländer: Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Bayern. Dazu kam noch die Hansestadt Bremen. Ganz begeistert erzählen die Haberditzls, wie freundlich die Leute zu ihnen waren. Häufiger wurden sie auf die bayerische Fahne angesprochen, die Werner über sein Gepäck gespannt hatte. Als sie einmal in Thüringen einen Mann nach dem Weg fragten, fuhr dieser sogar selbst 15 Kilometer auf dem Becycle mit, damit sich die Radlurlauber aus Bayern ja nicht verfuhren.

Sie kamen durch historische Städte, romantische Dörfer, aber auch unbesiedelte Gebiete. Waren es im Norden mehr Backsteinbauten, erfreuten sie sich weiter südlich an wunderschönen Fachwerkhäusern. Zwischendurch, wenn sie doch mal kaputt waren von den sportlichen Strapazen, haben sich die Haberditzlsabends schon mal gefragt, warum sie sich das alles eigentlich antun, wo doch zu Hause ein Wohnmobil vor dem Haus steht, mit dem sie es viel leichter haben könnten.

Erholt und frohgelaunt ging es aber am nächsten Morgen wieder weiter. Insgesamt waren es rund 1120 Kilometer, die sie in zwei Wochen zurücklegten, von der Nordsee nach Weichs.

Glücklicherweise gab es nie eine Panne. Sie fuhren entlang der Weser, dann neben der Werra bis Hildburghausen in Thüringen. Dort „übersetzte“ man in das bayerische Rodach am Itzgrund. Dann ging es ab Bamberg zum Main, dem Main-Donau-Kanal folgend nach Kelheim, die Donau entlang bis Ingolstadt, und von da auf dem Ilmtal-Radweg zurück nach Weichs.

Mit dem kleinen Reisebericht will insbesondere Werner Haberditzl andere mit ähnlichem Leiden anspornen, mit viel Bewegung gegen die Krankheit anzukämpfen.

Kaum zu Hause angekommen planen die Haberditzls schon die nächste größere Radltour. Anni würde gerne mal eine Alpenüberquerung machen. Werner tendiert, auch wegen seinem Herzen, eher zur Fulda-Tour, um größere Berge zu vermeiden. Sie werden sich bestimmt einig.

Heinz Nefzger

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