Ganz gelb: Simon Kammermeier und Petra Hoch-Dosch in der Wiese. Im Hintergrund ein Teil des Spielplatzes. Foto: nec

Gemeinderat Kammermeier und BN-Chefin Hoch-Dosch

Verdruss über „totgespritzte“ Wiese

Simon Kammermeier ist verärgert über eine mit Herbiziden „totgespritzte“ Weichser Wiese. Auch BN-Chefin Petra Hoch-Dosch verurteilt den Einsatz der Unkrautvernichtungsmittel. Doch der Landwirt spricht von Ackerland und fachlich einwandfreier Praxis.

Ebersbach – Als der Landschaftsarchitekt und Weichser SPD-Gemeinderat Simon Kammermeier Anfang der Woche von seinem Grundstück aus in das weite Feld Richtung Naturschutzgebiet Weichser Moos blickte, traute er fast seinen Augen nicht: „Eine noch vor kurzem grüne Wiese ist ganz gelb geworden.“ Für Kammermeier war sofort klar, dass die Wiese mit einem Herbizid „totgespritzt“ wurde.

Besonders verärgert ist er deshalb, weil dies auch noch in den Ferien geschehen ist, wo sich besonders viele Kinder mit ihren Eltern auf dem gegenüberliegenden Ebersbacher Kinderspielplatz aufhalten. Er verweist außerdem auf die Reiter, die hier täglich vorbeikommen, und die Nähe zum Naturschutzgebiet Weichser Moos.

Kammermeier erinnert an eine Moosbegehung vor etwa einem Jahr durch die Regierung von Oberbayern, wo ein Rückgang der Artenvielfalt festgestellt wurde – „ob dies auf die Ausbringung von Herbiziden im unmittelbaren Umfeld zusammenhängt, bleibt zumindest vermutbar“.

Auch den vorbeifließenden Ebersbach sieht er als sensiblen Bereich, Flächen zu spritzen. Durch den Regen wurde seiner Meinung der Bach, der unweit von hier in die Glonn fließt, durch die Ausschwemmung „eines Herbizides oder was es sonst für ein Spritzmittel war“, belastet. Simon Kammermeier ist generell gegen den Einsatz von Herbiziden – speziell Roundup oder Glyphosat zur Unkrautvernichtung, „weil man weiß, dass speziell in der Muttermilch Rückstände nachweisbar sind und dieses in Verdacht steht, krebserregend zu sein“.

Auch Petra Hoch-Dosch, die Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz Weichs, kam vorbei, um sich die „totgespritzte“ Wiese anzuschauen. Ihre Meinung: „Ich finde es sehr wichtig, dass die Bürger wissen, wie ein gegen Unkraut gespritztes Ackerland ausschaut. So können sie sich ein eigenes Bild von der Trostlosigkeit der vergifteten Pflanzen machen und noch wichtiger, beim Spaziergang in der Nachbarschaft diese Flächen bewusst meiden. Auf mich wirkt da das Plakat des Bayerischen Bauernverbandes ,Die Bodenpfleger‘ wie eine ganz besondere Ironie. Die BN-Ortsgruppe hat jahrelang Kröten und Molche während der Wanderzeit gesammelt und sicher über die Straßen gebracht. Seit ca. sieben Jahren sind die Amphibien im Gemeindegebiet Weichs so stark zurückgegangen, dass sich das Sammeln erübrigt hat. Dank Spritzmitteln?“

Der Ebersbacher Landwirt Alfred Geisenhofer, dem die Fläche gehört, erklärte auf Nachfrage der Dachauer Nachrichten, dass es sich hier um keine Wiese, sondern um Ackerland handelt. Im vergangenen Jahr hatte man Ackergras angebaut, das in der Regel ein Jahr stehen bleibt. Im nächsten Jahr wird dann eine Folgefrucht wie Getreide oder Mais angebaut, sagt Geisenhofer – „deshalb haben wir nun das Gras abgespritzt, um die Folgefrucht von Unkraut freizuhalten“.

Alfred Geisenhofer erklärt, dass dies in der Landwirtschaft eine fachliche Praxis ist. Wir halten uns dabei bei den Unkrautvernichtungsmitteln an die gesetzlichen Vorgaben, wo bei Bedarf auch Roundup und Glyphosat erlaubt sind.“

Zwischenzeitlich hat der Landwirt nun das Feld auch schon umgeackert, hat uns Simon Kammermeier mitgeteilt.

Heinz Nefzger

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