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Bayerisch-syrischer Heiligabend: Bei Wienern und Humuspaste sitzen v.l. Mustafa Markabi, Adnan Ajlouni, Julia Lehner, Maamoun Zietoun und Nala Fiona an Weihnachten zusammen. 

Julia Lehner aus Erdweg feiert mit drei Flüchtlingen

Weihnachten zwischen Bayern und Syrien

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Julia Lehner aus Erdweg hat einen Flüchtling bei sich zuhause aufgenommen – bereits zum zweiten Mal. Weihnachten feiert sie mit ihrer Tochter und drei Syrern. Deshalb muss Julia Lehner heuer auf etwas verzichten, trotzdem ist der Kulturaustausch eine Bereicherung für sie.

Erdweg – Mal beißt sie in die Geflügel-Wiener, dann taucht sie wieder den arabischen Fladen in die Humuspaste. Die Festtafel bei Julia Lehner (32) in Erdweg ist international – sie lebt zwischen Bayern und Syrien. Julia Lehner und ihre Tochter Nala Fiona (4) feiern Heiligabend mit drei syrischen Flüchtlingen. Auf Sekt und Schweinefleisch muss die Erdwegerin deshalb verzichten, trotzdem ist der Kulturaustausch eine Bereicherung für sie.

Warum hat sich Julia Lehner für die WG mit einem Flüchtling entschieden?

Es ist bereits das zweite Jahr, dass Julia Lehner mit den drei Muslimen Mustafa Markabi (22), Adnan Ajlouni und Maamoun Zietoun (beide 31) Weihnachten feiert. Maamoun Zietoun wohnt sogar bei ihr. Lehner hat schon zum zweiten Mal einen Syrer bei sich zuhause aufgenommen. Im vergangenen September ist Maamoun bei ihr eingezogen. Zuvor hatte Adnan Ajlouni fast eineinhalb Jahre im Spielzimmer der Familie im Keller gewohnt. 

Denn nachdem sich Julia Lehner von ihrem Partner getrennt hatte, wusste sie, die Wohnung wird zu groß für sie: „Irgendwann musste ich mich aus finanziellen Gründen für eine WG entscheiden.“ Und warum nicht mit einem Flüchtling?

Julia Lehner arbeitet im Jobcenter, damals engagierte sie sich als Sprachpatin in der Asylbewerberunterkunft in der Dachauer Lilienstraße. Sie kannte Adnan seit rund sechs Wochen vom gemeinsamen Kochen und Deutschlernen. „Damals hat Adnan ein Zimmer gesucht, und ich habe jemanden gesucht“, sagt Julia Lehner – er zog bei ihr und Nala Fiona ein: „Aber natürlich war es alles ein Experiment“, sagt sie.

Ihre Entscheidung kam nicht bei allen gut an. Vor allem ihre Nachbarin hatte Bedenken: „Da zieht doch am Ende die ganze syrische Familie mit ein“, sagte sie zu Julia Lehner. Zudem hatte die Nachbarin Angst um ihren 13-jährigen Sohn. Doch mit der Zeit akzeptierte sie den neuen Mitbewohner im Haus.

Adnan Ajlouni sieht es pragmatisch, wenn jemand Angst vor ihm hat: „Es ist doch normal, dass man Angst vor Unbekanntem hat.“

Wie lief das Zusammenleben ab?

Das Zusammenleben war für sowohl für den Syrer als auch für die Erdwegerin eine neue Erfahrung: „Ich habe mich immer gewundert, warum Adnan andere Schuhe anzieht, wenn er auf die Toilette geht“, sagt sie. Aber das machen viele Muslime so – aus hygienischen Gründen, sagt Adnan Ajlouni. Auch, dass ihr Mitbewohner fünf Mal am Tag betet, war für Julia Lehner zunächst komisch: „Aber das hat mich auch dazu gebracht, öfter an Gott zu denken.“ 

Eine weitere Besonderheit: Als Muslim trinkt Adnan keinen Alkohol und isst kein Schweinefleisch. Deshalb gibt es auch an Heiligabend kein Gläschen Sekt und keine normalen Wiener – sondern Wiener aus Geflügelfleisch. Und auch die syrischen Gäste bringen Kulinarisches aus ihrer Heimat mit: arabisches Brot mit Auberginen- oder Humuspaste. Nach dem bayerisch-syrischen Festmahl gibt es Tee.

„Wir sind Freunde und auch ein Stück Familie“, sagt Adnan Aljouni. Auch er hat von der deutschen Familie gelernt: „Die deutschen Familien haben nie Zeit. Als syrische haben wir jeden Tag miteinander gegessen.“

Was wünschen sich die fünf zu Weihnachten?

Vor rund vier Monaten ist er in eine eigene Wohnung nach Dachau gezogen, er spricht gut Deutsch und arbeitet im Versand bei der Firma myposter in Breitenau. In Damaskus hat er Journalismus studiert. Seine Weihnachtswünsche: „Ich will, dass der Krieg in Syrien endet und ich meinen Master machen kann.“ Auch Maamoun Zietoun hofft, dass der Krieg in seiner Heimat endlich ein Ende hat. 

Mustafa Markabi wünscht sich, dass er eine Ausbildung machen kann und endlich eine Wohnung findet. Dagegen wirken die Wünsche von Julia und Nala Fiona Lehner erfüllbar: „Mehr Zeit mit meiner Tochter“ oder „einen Laptop und eine Barbie“, sagt Nala.

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