Anwälte der Opfer: Susanne Seßler und Wolfgang Bössenroth vom Weißen Ring im Landkreis Dachau. Foto: cc

Weisser Ring Dachau: Hilfe für die Vergessenen

Dachau - Jeder kann Opfer eines Verbrechens werden. Doch wohin mit den Sorgen, Ängsten und Problemen nach so einer Tat? Oft bekommen Täter mehr Unterstützung als ihre Opfer. Der Weiße Ring ist erste Anlaufstation für Kriminalopfer. Die Dachauer Außenstelle hat mit einer ganz besonderen Aktion auf sich aufmerksam gemacht

Am Freitag ist der Tag der Kriminalopfer. Bei den meisten Verbrechen gibt es Täter und Opfer. Werden die Täter gefasst, werden sie zu einer Strafe verurteilt. Doch was ist mit den Opfern? Wer kümmert sich um die, die geschlagen, misshandelt und gedemütigt wurden? Meistens niemand. Der Weiße Ring hat sich genau das zur Aufgabe gemacht: Opferhilfe.

Seit mittlerweile 17 Jahren gibt es auch in Dachau eine Außenstelle des Weißen Rings. Deutschlandweit zählt der Weiße Ring rund 55 000 Mitglieder. Er wurde 1976 unter anderem vom Fernsehjournalisten Eduard Zimmermann (Aktenzeichen XY...ungelöst) ins Leben gerufen.

Die Dachauer Außenstelle leitet Wolfgang Bössenroth. „Wir können helfen, wo der Staat an seiner Grenzen kommt“, sagt er. Oft hilft der Weiße Ring als Bindeglied zwischen Opfer und öffentlichen Einrichtungen. „Der menschliche Beistand ist ganz wichtig, einfach nur zuhören hilft vielen schon“, erklärt Bössenroth. Die Hilfe des Weißen Rings ist ganz individuell. Manchmal bleibt es bei Telefongesprächen. Oft ist aber auch eine intensive Betreuung und Beratung nötig. „Bei Missbrauchsfällen sitzen die Wunden tief, sie verheilen zwar äußerlich, sind aber noch da“, sagt Bössenroth.

Für Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, kann der Weiße Ring die erste Anlaufstation sein. Der Weiße Ring kann unterstützende Hilfe bei Behördengängen sein, aber auch finanzielle Hilfe leisten. „Wir begleiten Opfer zur Polizei, zum Rechtsanwalt oder auch zum Psychologen“, sagt Bössenroth.

Um den Weißen Ring auch wieder mehr bei den jungen Leuten ins Bewusstsein zu rufen, hat sich die Dachauer Außenstelle etwas Besonderes einfallen lassen. Susanne Seßler aus Bergkirchen ist stellvertretende Außenstellenleiterin, ihre Tochter Franziska studiert an der Mediadesign Hochschule in München. Die Studenten dort haben sich bereit erklärt, einen so genannten Smartmob zugunsten des Weißen Rings zu organisieren. Sie haben mit verschiedenen Aktionen Passanten animiert, zu einer bestimmten Zeit auf den Münchener Odeonsplatz zu kommen und sich im Kreis aufzustellen. Auf Kommando zogen sich alle ein weißes T-Shirt an, so, dass aus der Vogelperspektive ein großer menschlicher weißer Kreis zu sehen war. „Das war eine ganz tolle Aktion der Studenten“, so Susanne Seßler.

Der Weiße Ring hilf nicht nur unmittelbar nach einer Straftat, sondern unterstützt ein Opfer beispielsweise später bei der Gerichtsverhandlung. „Viele der Opfer sind zum ersten Mal bei Gericht“, erklärt Bössenroth. „Der Täter bekommt vom Staat einen Anwalt gestellt, das Opfer muss in der Regel ganz allein mit dieser Situation zurecht kommen.“

Der Weiße Ring finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und richterliche Zuwendungen. Das Motto der Dachauer Außenstelle: „Sei stark, hol Dir Hilfe!“ An zwei Infoständen im Landkreis Dachau besteht die Möglichkeit, sich über den Weißen Ring zu informieren. Am Freitag in Karlsfeld von 11 bis 17 Uhr am Marktplatz und am Samstag von 8 bis 12 Uhr in der Dachauer Altstadt (Augsburgerstraße 17).

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