Sie recherchiert, plant und organisiert: Kornelia Legrand leitet seit sechs Jahren die AWO-Behindertengruppe – und sieht seitdem einige Dinge anders. Foto: habschied

Wenn Freundschaft Grenzen überwindet

Karlsfeld - Kornelia Legrand leitet die Behindertengruppe der AWO. Ehrenamtlich. Weil die elf Karlsfelder für sie zu Freunden geworden sind, die sie nicht missen möchte. Und, weil das, was sie für ihr Engagement zurückbekommt für sie mit Geld ohnehin nicht zu bezahlen wäre.

Es gibt einen Nachmittag, den Kornelia Legrand nie vergisst. Ein Nachmittag in einem Dunkelraum. Sie wollte wissen, wie es sich anfühlt blind zu sein. Seit sie damals diese wenigen Stunden in absoluter Dunkelheit verbracht hat, sieht sie Dinge anders. Sie schaut genauer hin. Sieht Barrieren, die sie vorher kaum wahrgenommen hat. Banale Barrieren, die sie mühelos hinter sich lassen kann, die für andere aber zur unüberwindbaren Grenze werden können.

Kornelia Legrand hat vor sechs Jahren damit begonnen, Brücken zu bauen. Für Menschen mit Behinderungen. Meistens sind es Brücken über natürliche Hindernisse, die für Rollstuhlfahrer oder Blinde schwer zu meistern sind. Manchmal sind es aber auch Verständnis-Brücken. Und die sind oft viel nötiger. Das hat die 48-Jährige gelernt, seit sie die Behindertengruppe der AWO Karlsfeld leitet. „Seit dem spreche ich zum Beispiel Leute an, die gedankenlos auf Behindertenparkplätzen parken“, sagt sie. „Und dabei trifft man leider sehr häufig auf großes Unverständnis.“ Viele Menschen haben sich einfach noch nie Gedanken über das Thema machen müssen, vermutet die 48-Jährige. „Dabei ist keiner von uns davor gefeit“, betont sie. „Jeder könnte einen Unfall haben und von heute auf morgen im Rollstuhl sitzen.“

Die elf Mitglieder der AWO-Gruppe sind für Kornelia Legrand längst zu sehr guten Freunden geworden. Es sind für sie Menschen, zu denen sie aufblickt. Die sie dafür bewundert, wie sie ihr Leben meistern. Freunde, zu denen sie auf keinen Fall den Kontakt verlieren möchte. „Wir telefonieren viel“, sagt sie. Die gemeinsamen Ausflüge, die sie einmal pro Monat organisiert, sind für sie Tage, auf die sie sich lange freut.

Meistens sitzt Kornelia Legrand vorher jedes Mal viele Stunden vor dem Internet. Um zu recherchieren. Sie muss diese Fahrten bis ins kleinste Detail planen - damit wirklich alle ihrer Freunde mitfahren können. „Wenn wir mit dem Zug fahren, muss ich beispielsweise bei der Bahnhofsmission eine Einsteighilfe organisieren.“ Es sind viele Dinge, die die Karlsfelderin im Vorfeld recherchiert. Sie sucht nach Behindertentoiletten, barrierefreien Restaurants oder geeigneten Busunternehmen. Wenn die Fahrt dann aber erst einmal losgegangen ist, stehen allein die Menschen im Vordergrund, nicht ihre deren Behinderungen. Denn Kornelia Legrand hat eines sofort gemerkt: Nichts ist schlimmer als Mitleid. „Behinderte wollen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden“, sagt sie. „Sondern behandelt werden, wie jeder andere auch.“

Vor sechs Jahren hat Kornelia Legrand die Leitung der Behindertengruppe übernommen. Nach dem sie bei einer Weihnachtsfeier mit ihrer Steptanzgruppe auftgetreten ist. Seitdem kann sie sich ein Leben ohne die regelmäßigen Ausflüge, Feiern und Telefonate nicht mehr vorstellen. „Diese Gruppe von Menschen bedeutet mir so unglaublich viel“, sagt sie. Deshalb investiert sie gerne so viel Freizeit, um die nächsten Fahrten zu planen. Es gibt noch so vieles, was sie mit den Karlsfeldern unternehmen möchte. „Sie wünschen sich schon so lange einen Besuch in einer Brauerei“, erzählt sie. Kornelia Legrand hat in Bayern noch keine barrierefreie gefunden. Aber sie wird weitersuchen. Schließlich ist sie selbst am glücklichsten, wenn sie ihren Freunden eine Freude machen kann. Ihre Motivation kennt keine Grenzen. (kwo)

Kontakt

Wer Lust hat, die Behindertengruppe der AWO einmal zu besuchen, ist jederzeit willkommen. Weitere Informationen gibt es bei Kornelia Legrand unter der Nummer 0 81 31/99 79 75.

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