Wenn Whiskey Wissenschaft wird

Karlsfeld - Um Whiskey-Experte zu werden, braucht es weit mehr als eine Auswahl erlesener Tropfen in der Bar, den dazugehörigen Gläsern im Schrank und der Freude am Expertesein im Allgemeinen. Dr. Klaus Mehrlich hat zur Reise in die Welt der edlen Destillate eingeladen - alles andere als eine trockene Angelegenheit.

Es ist so eine Sache mit dem Expertesein. Man kann sich noch so sehr bemühen, informieren, einen fachmännischen Blick aufsetzen - am Ende fliegt man doch allein wegen der falschen Ausrüstung auf - dem falschen Glas. Zehn Karlsfeldern wird das künftig wohl nicht mehr passieren. Zumindest nicht, wenn es um Whiskey geht. Sie haben zwei Stunden lang geschnüffelt, genippt, Fragen gestellt und alles erfahren, was man über das Edeldestillat wissen muss. Von Dr. Klaus Mehrlich, einem echten Whiskey-Experten.

Sein Weg zu dem Experten-Wissen führte nicht übers Probieren, sondern übers Studieren. Der Fürstenfeldbrucker hat seine Doktorarbeit über Whiskey geschrieben - und kam dadurch nach und nach auch privat auf den Geschmack. „Davor habe ich Whiskey höchstens mal als Mixgetränk mit Cola getrunken“, verrät er. Derartige „Jugendsünden“ könnten Klaus Mehrlich heute nicht mehr passieren. Inzwischen weiß er nicht nur, wie man Whiskey trinkt, sondern auch, wie der Whiskey hergestellt wird, welche regionalen Unterschiede es gibt oder durch welche Lagerung welche Geschmacksnoten entstehen.

Und Mehrlich weiß, dass es sich am besten mit Beispielen lernt. Deshalb hat er zu dem Karlsfelder vhs-Seminar eine kleine Auswahl aus seiner 18 Flaschen starken Bar mitgebracht - und seine zehn Zuhörer mitgenommen auf eine torfige, nussige, holzige, rauchige oder fruchtige Geschmacksreise in die Whiskey-Hochburg Schottland.

Die wichtigste Grundregel beherrschen seine Experten in spe schon: „Whiskey wird nicht auf Ex getrunken, sondern mit Sinn und Verstand“, betont Mehrlich sicherheitshalber, während er in jedes Glas zwei Zentiliter Teacher’s Highland Cream füllt. Dann wird geschwenkt, geschnüffelt, genippt - und diskutiert. Die einen schmecken eine dezente Pfirsichnote heraus, die anderen sind von dem nussigen Nachgeschmack begeistert. „Der Geschmack ist immer ein bisschen anders“, erklärt Mehrlich. Er hängt von der letzten Mahlzeit ab, manchmal auch einfach von der eigenen Tagesform.

Während die Whiskey-Begeisterten weiter schwenken, schnüffeln und genießen, packt Klaus Mehrlich sein gesamtes Wissen über schottischen Whiskey aus - und das reicht zurück bis ins 5. Jahrhundert, als der Whiskey durch irische Mönche nach Schottland importiert und aus den Klöstern heraus verbreitet wurde. Längst schon wird das hochprozentige Destillat nicht mehr nur bei Mönchen gern getrunken. „Der Whiskey hat in den 50er Jahren einen wahren Boom erlebt“, berichtet Mehrlich. Wahrscheinlich wegen den Whiskey-Trinkern in den Hollywood-Filmen, vermutet er.

Zwölf Zentiliter später wissen die Kursteilnehmer nicht nur alles über die fachmännische Lagerung oder die Herstellung über offenem Torffeuer - sie haben auch Schnittblumen, Zitronenkuchen, Vanille, Senf, eingelegte Früchte, Sirup und Jod aus ihren Gläsern heraus geschwenkt, geschnüffelt und genippt. Und jede Menge Experten-Tipps mit auf den Weg bekommen. Zum Beispiel, dass es keine Schande ist, sich den Whiskey mit ein wenig Wasser zu verdünnen. Manchmal schmeckt man so noch mehr heraus, rät Mehrlich. Die wichtigste Regel ist jedoch eine andere: „Verlieren Sie nie den offenen Gaumen - auch dann nicht, wenn Sie ihren Lieblingswhiskey gefunden haben.“

Er selbst hat „seine“ Marke bereits entdeckt: Ein 15 Jahre gelagerter Darkest. „Der hat einen fantastischen Schokoladengeschmack“, sagt Mehrlich. Und ist ideal für gemütliche Winterabende. Denn am liebsten trinkt Mehrlich Whiskey gemeinsam mit seiner Ehefrau - sie ist genau wie er Kennerin. „Whiskey ist nunmal keine reine Männersache.“

Seinen Kurs in Karlsfeld haben allerdings nur Männer besucht. Auch ein paar „Anfänger“, sowas kann Klaus Mehrlich direkt an den Gläsern erkennen. Denn richtige Experten trinken Whiskey nur aus tulpenförmigen Gläsern. „Weil der Geruch dann viel konzentrierter in die Nase steigen kann.“ Aber so streng nimmt Mehrlich die Sache mit der Ausrüstung nicht. Es geht schließlich um den Inhalt. Und einen praktischen Vorteil haben die flachen Jack-Daniels-Gläser schließlich auch, sagt er schmunzelnd. „Nach mehreren Kostproben trifft man damit nunmal besser den Mund.“

(kwo)

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