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Grandiose Lesung in ungewöhnlichem Ambiente (von links): Herbert Müller, Christina Schäfer, Robert Scheingraber, Lisa Wittemer, Margret Flör und Ansgar Wilk.

Doppeltes Jubiläum

Dem Phänomen Shakespeare auf der Spur

Lauterbach – Shakespeare lebt – und wie. Dem Phänomen William Shakespeare (1564-1616) aus Stratford- upon- Avon näherten sich die vier Mitglieder des Hoftheater-Ensembles, Christina Schäfer, Lisa Wittemer, Ansgar Wilk und Herbert Müller auf äußerst unterhaltsame Weise.

Für die Lesung hatten sie verschiedene Sonette ausgewählt, die Liebe, Eifersucht, Schönheit und Vergänglichkeit auf wunderbare Weise ansprechen, sowie wortgewaltige, unverblümte Dialoge und Monologe aus der Vielzahl der Komödien und Tragödien.

Anlass war der 400. Todestag des unsterblichen englischen Dichters, der erst 60 Jahre nach seinem Tod allmählich ins Interesse der Nachwelt rückte. Es handelte sich um die zweite Veranstaltung im Rahmenprogramm des Musikalischen Theatersommers 2016 in Lauterbach in Anbetracht des zehnjährigen Jubiläums der Bühne in der Gemeinde Bergkirchen.

Aufgrund der unsicheren Wetterlage fand der literarisch-musikalische Abend nicht, wie vorgesehen, im Innenhof des Schlosses Lauterbach statt. Als ideale Spielstätte erwies sich der neu geschaffene Platz zwischen der Sporthalle des TC Lauterbach und dem Alten Schulhaus. Die etwa 60 Besucher nahmen bei dieser Aufführung erstmals auf den Steinstufen der Tribüne Platz. Einziger Wermutstropfen waren wegen des Westwinds die Geräusche von der Autobahn und die zahlreichen Flugzeuge am Himmel.

Im zauberhaften Ambiente des romantischen Leseabends brachte Robert Scheingraber am Cembalo mit der virtuosen Flötistin Margret Schlör auf der Flauto dolce Musik der Renaissance meisterlich zum Klingen, nicht nur als Rahmen, sondern als Teil des genussvollen Abends. Mit dem einsetzenden Regen nach der Pause wurde der Umzug in die Sporthalle ins Bühnenbild von „Don Quichotte“ erforderlich, des gerade laufenden Musicalettos nach dem Roman des gleichnamigen Romans von Miguel de Cervantes, ein Zeitgenosse Shakespeares. Für beide scheint zu gelten, dass „ihre Werke bis ans Ende aller Tage leben“.

Im zweiten Teil des stimmungsvollen Sommerabends kamen Schurken, Tyrannen, blutrünstige Helden und mörderische Frauen wie Lady Macbeth zu Wort, und Hamlet sprach seinen berühmten Satz: „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.“

Zum krönenden Abschluss gab es noch einen Leckerbissen zum Schieflachen, als die wahren Komödianten mit der Handwerkerszene aus „Der Sommernachtstraum“ Furore machten, als sie biedere Leute spielten, die viel guten Willen, aber wenig Talent für die Bühne haben: Lisa Wittemer als „blöde Wand“ mit Ritz bezieht Stellung und fordert die beiden Liebenden Pyramus (Christina Schäfer) und Thisbe (Ansgar Wilk) zu ungelenken Bewegungen beim Küssen heraus, während der Löwe (Herbert Müller) laut brüllt. Pyramus greift zum Dolch. Schon tot, erhebt er, als sich Thysbe verzweifelt auf ihn wirft, noch einmal die Stimme: „Die Weiber müssen unten liegen.“

Am Mittwoch, 3. August, um 20.30 Uhr findet die dritte Veranstaltung des Rahmenprogramms statt, wenn es heißt: „Candide oder wo finde ich die die beste aller möglichen Welten?“ Für die musikalische Umrahmung sorgt Max I. Milian. Bei gutem Wetter ist der Schlossinnenhof vorgesehen, bei Regen die Sporthalle.

ink

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