1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau

Der Windkraft-Allianz geht die Puste aus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

So könnte es demnächst auch bei Dachau aussehen: Rund um das kleine Dorf Waldhausen in der schwäbischen Alb drehen sich fünf Windräder.  Foto: kra
So könnte es demnächst auch bei Dachau aussehen: Rund um das kleine Dorf Waldhausen in der schwäbischen Alb drehen sich fünf Windräder. Foto: kra

Dachau - Das erste Windrad im Dachauer Land wird voraussichtlich ab Sommer bei seinen Umdrehungen bestaunen zu sein - während von einem schlüssigen Konzept der Dachauer Windkraft-Allianz weit und breit nichts zu sehen ist.

Am Freitag verschickte Altomünsters Rathauschef Konrad Wagner eine Presseerklärung im Namen seiner Amtskollegen. Darin heißt es: „Das Verfahren soll zum besseren Schutz der Bevölkerung und einer geordneten Entwicklung fortgeführt werden.“ Was hier als „das Verfahren“ tituliert wird, ist das gemeinsame Konzept von 14 Landkreis-Kommunen, alle außer Hebertshausen, Odelzhausen und Pfaffenhofen, im Umgang mit der Windkraft.

Zwei Jahre ist es her, dass die Bürgermeister sich entschlossen hatten, eine gemeinschaftliche Planung zu erarbeiten, um eine „Verspargelung der Landschaft“, so Wagner damals, zu vermeiden. Herausgekommen ist bisher: Nichts Zählbares. Im Schreiben an die Presse heißt es weiter: „Die Abstände der Konzentrationszonen im Außenbereich müssen auf 600 Meter reduziert werden. Die Mindestabstände zum Innenbereich bleiben unverändert bei 900 Meter. Außerdem sollen kleinere Flächen unter zehn Hektar nicht berücksichtigt werden, um potentielle Standorte möglichst zu konzentrieren.“

Im Prinzip entspricht das dem Diskussionsstand vom Oktober vergangenen Jahres. Der einzige Unterschied: Alternativ dachte man damals über eine 500-Meter-Grenze für den Außenbereich nach. Nun sind es also 600 Meter. Egal, der Windkraft-Unternehmer Josef Gasteiger hätte auf jeden Fall bauen dürfen. Denn die Distanz zwischen seiner geplante Turbo-Windmühle und dem nächsten Wohngebäude - seinem eigenen - beträgt ziemlich genau 600 Meter. Im Windenergie-Erlass der Bayerischen Staatsregierung vom Dezember 2011 ist übrigens von 500 Metern „zu einem Misch- oder Dorfgebiet oder Außenbereichsanwesen“ und gar nur von 300 Metern „zu einer Wohnnutzung im Gewerbegebiet“ die Rede.

Zur Erinnerung: Im ersten Plan der kommunalen Allianz, den der Aichacher Landschafts-Architekt Walter Brugger zwischen Juni und September 2011 erarbeitete, wollten die Ortsoberhäupter eine generelle 900-Meter-Regel festschreiben, egal ob zu einem Dorf, Weiler oder Einzelgehöft. Die Verwaltungs-Richter in München schoben diesem Ansinnen in zwei Instanzen einen Riegel vor. In den Verfahren, die von der Großen Kreisstadt gegen das Gasteiger-Projekt angestrengt wurden. Und die die Stadt immerhin 16 000 Euro kosteten.

Nun versuchen die Rathauschefs erneut, individuelle Regeln für das Dachauer Land zu erfinden. Mit ungewissem Ausgang. „Das Ganze ist ein Trauerspiel“, kommentiert der Vorsitzende des Bund Naturschutz und Grünen-Kreisrat Dr. Roderich Zauscher den Stand der Dinge. „Es ist mir zum Beispiel ein Rätsel, wie ein Ausschluss von Flächen, die kleiner als zehn Hektar sind, juristisch begründet werden soll.“

Zauscher freut sich indes, dass die Planungen des Windparks bei Odelzhausen voran schreiten. Der Umwelt-Abteilungsleiter im Landratsamt, Stefan Löwl, bestätigte: „Zurzeit treffen bei uns die Stellungnahmen der einzelnen Institutionen ein. Anfang März sollten wir alles vorliegen haben.“ Auch dort werden wohl im Sommer die ersten Windkraftanlagen ihre Arbeit aufnehmen.

Die Landkreis-Allianz wird dann immer noch nicht zu Potte gekommen sein: „Möglichst noch vor den Sommerferien“ sollen die Öffentlichkeit sowie die Fachstellen an den Planungen beteiligt werden, heißt es im Schreiben der Bürgermeister.

(kra)

Auch interessant

Kommentare