Windkraft-Areale schrumpfen

Landkreis - Zur Zeit macht die zweite Version des Windkraft-Teilflächennutzungsplans die Runde durch die Kommunalparlamente. Mit einigen einschneidenden Änderungen, speziell im Buchwald bei Welshofen, aber auch in Dachau.

Die Konzentrationsflächen im Landkreis sind in der neuesten Version des Teilflächennutzungsplans beträchtlich geschrumpft: Von 1870 Hektar auf nur noch 1403 Hektar auf dem Gebiet der 14 Kommunen, die sich zu einer Windkraft-Allianz zusammen geschlossen haben.

In Altomünster ging die für Windräder nutzbare Fläche um rund ein Drittel zurück: von 319 auf 219 Hektar, 87 Hektar kleiner ist allein das Konzentrationsgebiet im Altowald. Die Gründe sind vielfältig, wie man am Buchwald bei Welshofen besonders deutlich sehen kann: Dort wird das Areal nur noch 53 Hektar statt bisher 82 Hektar umfassen. Zum Beispiel, weil sich an den Rändern des Wäldchens potenzielle Brutflächen des Wespenbussards und des Baumfalkens befinden sollen, beides geschützte Vogelarten.

Ein anderer Grund: Das Drehfunkfeuer mit der Kennung „Maisach“, eine bei Lauterbach gelegene Flugsicherungsanlage, in deren unmittelbarem Einzugsbereich Windkraftanlagen untersagt sind. Zudem ist das Buchwald-Gebiet von einer breiten Schneise in Ost-West-Richtung durchschnitten, in ihrer nördlichen Hälfte prangt ein großes Loch. Letzteres markiert ein Wasserschutzgebiet. Die Schneise rührt von den Anforderungen des polizeilichen Richtfunks her (wir berichteten). Alles Punkte, auf die von der Welshofer Bürgerinitiative „Unser Buchwald“ in den letzten Wochen hingewiesen wurde.

Die drei geplanten Windräder sind von dem Schrumpfungsprozess wohl nur teilweise betroffen: Die im Südosten des Areals projektierte Turbowindmühle muss um 15 Meter verschoben werden, ihre westlich gelegene Schwester hingegen nicht. Ob das im Norden des Buchwalds angedachte Windrad mit dem dortigen Wasserschutzgebiet kollidiert, war noch unklar: „Es sind noch Fragen offen“, räumte der Sprecher der Erdweger Investorengruppe, Jürgen Böckler, ein. Womöglich geht es dabei nur um wenige Meter - die allerdings entscheidend sein könnten.

Denn aus Bürgermeisterkreisen wurde eine redaktionelle Klarstellung des Teilflächennutzungsplans angeregt, die für alle Konzentrationsflächen von Bedeutung sein könnte, wie der Sprecher der Rathauschefs, Konrad Wagner, mitteilte. Denn bis dato wurde nicht exakt definiert, von welchem Teil des Windrads aus die Abstände zu Wohnsiedlungen zu messen sind: Von der Nabe, von einer der Ecken des Fundaments oder von der Spitze eines Windradflügels aus. Die Differenz kann rund 65 Meter betragen - so lang sind zurzeit die größten Rotorblätter, die bei Onshore-Anlagen eingesetzt werden.

Eine weitere Änderung im Text des Teilflächennutzungsplans stand am vergangenen Dienstag im Dachauer Stadtrat auf der Tagesordnung: Alle Festlegungen sollen nicht nur für „Hauptanlagen“, sondern auch ausdrücklich für „Nebenanlagen“ gelten. Der Zweck einer „Hauptanlage“ ist klar: Sie soll Strom produzieren, der verkauft und ins Netz eingespeist wird. Doch wenn ein Windrad einem Betreiber dazu dient, den eigenen Gewerbebetrieb mit Strom zu versorgen, gilt es als „Nebenanlage“.

Genau das wäre der Fall beim Windrad, das sich der Pellheimer Ziegeleibetrieb Hörl & Hartmann auf das Firmengelände stellen will. Die Dachauer Stadtparlamentarier sprachen sich mehrheitlich für die Änderung aus. Nur sechs Stadträte, Luise Krispenz, Thomas Kreß (beide Grüne), Helmut Höfelmaier, Peter Denk (beide ÜB), Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) und Elisabeth Schilhabel (fraktionslos), stimmten dagegen.

Horst Kramer

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