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Einer von mehreren Kritikpunkten: Die Bürgerwindrad Erdweg GmbH kritisiert unter anderem die Entscheidung der Behörden um die angebliche Störung des Erscheinungsbilds der Wiedenzhauser Kirche. Hinten ist der Buchwald zu sehen. 

Windrad-Bauer haben die Nase voll

Erdweg - Destruktiv, verzögernd, vergesslich, selbstherrlich. Die Bürgerwindrad Erdweg GmbH erhebt schwere Vorwürfe gegen die Mitarbeiter des Landratsamtes und Landrat Stefan Löwl im Verfahren um den Bau dreier Windräder im Buchwald. Die Bürger finden alles so unerträglich, dass sie das Projekt aufgeben.

Der offene Brief, der gestern Landrat Stefan Löwl auf den Schreibtisch flatterte, birgt viel Zündstoff. Die zehn Bürger aus dem Gemeindebereich Erdweg, die sich 2011 in einer GmbH & Co. KG zusammengetan haben, um im Buchwald bei Welshofen drei 140-Meter-Windräder in die Senkrechte zu bringen, haben die Nase nun nicht mehr im Wind, sondern gestrichen voll. Sie werden ihre Gesellschaft liquidieren und die einzig genehmigte Anlage nicht bauen. Dafür machen sie das Landratsamt und den Landrat verantwortlich, denen sie eine „destruktive, verzögernde und hinderliche Bearbeitung unseres Bauantrags“ vorwerfen.

-Dem Behördenchef kreiden sie an, dass dieser den „Entwurf eines etwaigen Bescheides“ vorab an Windkraftgegner des Vereins Unser Buchwald versenden ließ. „Es ist schon faszinierend zu sehen, dass die Windkraftgegner vor den Antragstellern informiert werden“, so die GmbH.

-Unsäglich in den Augen der Bürgerwindrad GmbH das Vorgehen der Behörde in Sachen Denkmalschutz. Im März 2015 habe das Amt die Windräder abgelehnt, weil sie das Erscheinungsbild der Wiedenzhauser Kirche massiv beeinträchtigt hätten. Erst nach einer Klage gegen diesen Bescheid habe die Behörde das Gotteshaus als – wie vom Gesetz gefordert – „landschaftsprägendes Denkmal“ eingestuft. Bei sage und schreibe vier Überprüfungen zuvor sei das nicht erfolgt, so die GmbH, die dazu sarkastisch bemerkt: „Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich ein Denkmal verändern kann.“

-Einen mysteriösen Gedächtnisverlust hat die Bürgerwindrad GmbH bei den Mitarbeitern des Landratsamtes ausgemacht, als es in einer Gerichtsverhandlung im Juli 2015 darum ging, ob der Bauherr „alle Unterlagen“ fristgerecht eingereicht hat. Nicht weniger als neun Beamte seien seinerzeit im Saal gewesen, nicht ein einziger habe sich an ein behördeninternes Schreiben erinnern können, in dem verbrieft gewesen sei, dass die Unterlagen vollständig seien. „Erstaunlich, wie schnell sich die Vergesslichkeit unter den Mitarbeitern des Landratsamtes verbreitete, oder gab es etwa einen Maulkorberlass?“, fragt sich die Bürgerwindrad GmbH.

-Selbstherrlich habe die Genehmigungsbehörde gehandelt, als es darum ging, ob die Windmühlen ein erhöhtes Tötungsrisiko für den Wespenbussard darstellen. Obwohl das Verwaltungsgericht festgestellt habe, dass artenschutzrechtliche Expertisen der Oberen Naturschutzbehörde und der Windkraftgegner nicht den Anforderungen an eine abschließende und umfassende Bewertung genügen, „hat das LRA in seiner unermesslichen Weisheit festgestellt, dass von zwei der drei beantragten Windkraftanlagen ein erhöhtes Tötungsrisiko für den Wespenbussard ausgeht“, meint die GmbH ironisch.

Das Landratsamt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen, insbesondere sei die Informierung einer Bürgerinitiative üblich, so Sprecher Wolfgang Reichelt. Sein Haus habe aber „durchaus Verständnis für die Enttäuschung über das Ergebnis und nicht mehr eintretende Renditeerwartungen“, so Reichelt. „Hiervon können wir als staatliche Verwaltung unsere Entscheidung jedoch nicht abhängig machen, zumal wenn eindeutig negative Stellungnahmen von Fachbehörden vorliegen. Gerade im Verdichtungsraum München mit seinen vielen Nutzungsinteressen sind solche Großvorhaben immer äußerst komplex und auch konfliktreich.“

„Fünf Jahre Arbeit waren für die Katz’“, sagt der Sprecher der Bürgerwindrad GmbH, Jürgen Böckler. Er und seine neun Mitgesellschafter wollen das Risiko, das der Betrieb der einzig verbliebenen Anlage birgt, nicht tragen. Sie fürchten weitere Schikanen der Behörden und eine Klage der BI Unser Buchwald. Eine bestehende Auflage besagt schon heute, dass es ab zwei Tötungsdelikten bei Tieren zu einer teilweisen oder ganzen Stilllegung kommt. „Stellen Sie sich bloß vor, da legt einer zwei tote Fledermäuse unters Windrad“, sagt Jürgen Böckler – ohne jegliche Ironie.

Thomas Zimmerly

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