Interessierte Bürger bei der Infoveranstaltung. reg

Windräder bauen, Licht ausschalten

Indersdorf - Indersdorf will Energie sparen. Also hat die Gemeinde ein Büro beauftragt, das den Verbrauch durchleuchtet und Einspar-Ideen gesammelt hat. Das Ergebnis: Indersdorf steht gar nicht so schlecht da - kann aber auch noch einiges tun.

Die Gemeinde Markt Indersdorf möchte noch mehr auf erneuerbare Energien setzen. Deshalb hat Bürgermeister Franz Obesser die Firma energie.concept.bayern beauftragt, um einen Energienutzungsplan zu erstellen. Dieser sollte zum einen eine Analyse des Energieverbrauchs und der Energieversorgung im Bereich der Kommune beinhalten, dazu Potenziale für Einsparungen herausarbeiten und Möglichkeiten aufzeigen, wo die Gemeinde auf erneuerbare Energien setzen könnte.

Timo Wendrich vom Büro energie.concept.bayern stellte den Energienutzungsplan für die Gemeinde vor etwa 60 Besuchern im Gasthaus Doll in Ried vor. Wendrich berichtete, dass in Indersdorf etwa 31 000 Megawattstunden Strom und etwa 108 000 Megawattstunden Wärme verbraucht werden, das entspricht einer Bilanz von 30 Prozent Strom- und 70 Prozent Wärmeverbrauch. „Bei der Wärme liegt der durchschnittliche Anteil an Erneuerbaren Energien bei 10,8 Prozent. Hier gibt es also noch viel Potential. Beim Strom dagegen wird ein überdurchschnittlicher Anteil bereits aus erneuerbaren Energien gewonnen: 120 Prozent“, erklärt Timo Wendrich - Indersdorf produziert also mehr Strom, als es verbraucht. Diese Zahl sei sehr erfreulich, aber auch hier könne noch mehr getan werden, so Wendrich. Denn: „Wir streben schließlich eine deutschlandweite Energiewende an. Da es am Land mehr freie Flächen gibt, muss auf dem Land zwangsläufig mehr Energie erzeugt werden, als dort gebraucht wird.“

Im nächsten Schritt wurde also besprochen, in welchen Bereichen es sich lohnen würde, noch mehr regenerative Energien einzusetzen. „Die Windgeschwindigkeit in Indersdorf ist mittelmäßig. Dennoch könnte man mit 10 Windkraftanlagen den kompletten Strombedarf abdecken.“ Eine Anlage würde etwa 3400 Megawattstunden erzeugen. Auch im Punkto Photovoltaik könnten wesentlich mehr als die momentanen 10 000 Megawattstunden gewonnen werden. Es wurden sämtliche freien Dachflächen errechnet. Würde man hier auf nur 50 Prozent der Flächen Photovoltaikanlagen installieren, könnten noch 30 000 Megawattstunden und zusätzlich noch einmal 40 000 Megawattstunden auf Freiflächenanlagen ausgeschöpft werden.

Der Plan zeigt aber auch auf, wo noch zu viel Strom und Wärme verbraucht wird, und bietet Lösungen an, wie noch mehr Strom und Wärme eingespart werden können. „Wenn alle Verbraucher ihre Geräte zum Beispiel ganz ausschalten und nicht im Standby-Modus lassen würden oder das Licht immer gewissenhaft ausmachen würden, könnte man noch einmal 8,7 Prozent einsparen“, so Wendrich. Bei der Wärme gebe es sogar ein Einsparungspotential von über 20 Prozent: Maßnahmen hierfür wären eine energetische Sanierung von Gebäudehüllen, Erneuerung von Heizanlagen, Umrüstung von Innen- und Außenbeleuchtungen auf LED oder auch der Verleih von E-Bikes und Elektroautos. Konkret riet Wendrich den Konsumenten, einen „hydraulischen Abgleich“ durchführen zu lassen, der bis zu 20 Prozent Ersparnis bringen könnte, und zudem alte Pumpen auszutauschen. Dieser Austausch werde sogar von der Gemeinde mit 100 Euro gefördert werden.

Am Ende des Vortrages regte Wendrich die anwesenden Bürger zu einem offenen Austausch an. „Sie sind vor Ort, Sie wissen besser als wir, was in der Gemeinde noch getan werden kann!“ Ein Bürger bemängelte, dass die Verkehrsenergie im Nutzungsplan nicht aufgeführt worden sei. Doch das sei laut Wendrich vom Fördergeber nicht erwünscht gewesen. Es kam der Vorschlag, die Energieversorgung des Hallenbads zu überprüfen - hier könne man bestimmt noch mehr auf regenerative Energien umstellen, so ein Bürger. Ein anderer erkundigte sich, ob auch in Schulen genug getan werde. Ein 50/50- Konzept war seine Ideen: Wenn Schulen weniger Strom und Wärme verbrauchen, könnten sie 50 Prozent des Geldes ausbezahlt bekommen.

(Regina Peter)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gesamtkunstwerk für Augen und Ohren
Das Vivaldi Orchester Karlsfeld gehört erwiesenermaßen zur deutschen Spitze. Beim Jahreskonzert war aber sehr viel mehr geboten als nur hervorragende Musik auf …
Gesamtkunstwerk für Augen und Ohren
Die Postulantin bleibt hart
Schwester Apollonia hat schon vor einiger Zeit das Kloster Altomünster verlassen – doch eine Postulantin ist geblieben, die 39-jährige Claudia Schwarz. Bis heute. Was …
Die Postulantin bleibt hart
Container legt ganz Dachau lahm
Ein Container ist in der Mittermayerstraße liegen geblieben. Und sorgt deshalb für einen Mega-Stau in Dachaus Berufsverkehr. 
Container legt ganz Dachau lahm
„Wir haben alles, was wir brauchen“
Technisch auf dem neuesten Stand, und dazu viel mehr Platz als früher – über die neue Rettungswache sind die Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes in Odelzhausen …
„Wir haben alles, was wir brauchen“

Kommentare