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Hier könnten Dachauer Lehrlinge ein Zuhause finden: Peter Denk würde in der Ziegler-Villa ein Lehrlingswohnheim realisieren. Die Stadträte entscheiden über diese und weitere Bewerbungen in den nächsten Wochen.

Eine Idee von Peter Denk für das denkmalgeschützte Gebäude

Wird die Ziegler-Villa ein Zuhause für Lehrlinge?

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Dachau - Was wird aus der Ziegler-Villa? Die Stadt will das sanierungsbedürftige Baudenkmal verkaufen – sinnvolles Konzept vorausgesetzt. Entstehen könnte zum Beispiel ein Lehrlingswohnheim – es wäre das erste im Landkreis. Ideengeber, Bauherr und Betreiber: Peter Denk.

Peter Denk hat akribisch recherchiert. Er besichtigte die Ziegler-Villa mit einem Architekten, holte Zahlen ein, erstellte ein Konzept mit zwölf großformatigen Seiten. „Und ich stehe mit Herzblut dahinter“, sagt der ehemalige Stadtrat. Denk möchte die Ziegler-Villa kaufen und seine Idee umsetzen: Das Lehrlingswohnheim „Die Ziegler-Villa“ für 31 Auszubildende soll hier nach seinen Vorstellungen entstehen – für 2,7 Millionen Euro Sanierungskosten. Dafür liegt sein Kaufpreisangebot eher nicht so hoch. 

Seit acht Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude in der Ludwig-Dill-Straße leer. Ungefähr genauso lange zerbrachen sich die Stadträte den Kopf, was damit passieren soll. Mit dem Ergebnis: Sanierungskosten sind zu hoch, Finanzierung trägt sich nicht. Im Januar dann wurde die Ziegler-Villa zum Verkauf ausgeschrieben, bis Ende Februar konnten Interessierte ihr Kaufpreisangebot mitsamt Nutzungskonzept bei der Stadt einreichen. „Es gibt einige auch aussichtsreiche Bewerber“, sagt Florian Scherf, Leiter des Grundstücks- und Gebäudemanagements der Stadt Dachau. Die Konzepte der Bewerbungen sind laut Scherf völlig unterschiedlich.

 Ein Lehrlingswohnheim gibt es im Landkreis noch nicht und würde der Stadt Dachau gut zu Gesicht stehen, findet Peter Denk. Zum einen werden die „weichen“ Standortfaktoren gestärkt, die bei Gewerbeansiedlungen den Ausschlag geben können, zum anderen fehlen bezahlbare und kleinteilige Wohneinheiten. „Jugendliche in Ausbildung können sich auf dem freien Markt eigentlich keine Bleibe leisten“, sagt der Dachauer. Dazu kommt, dass viele Betriebe ihre Stellen nicht besetzen können, weil sie die Azubis nicht unterbringen können. Denk recherchierte den Bedarf und kam auf rund 450 Azubis in der Stadt Dachau, viele von auswärts. 

In dem denkmalgeschützten Gebäude würden 20 Zimmer entstehen, für ein oder zwei Azubis, jeweils mit Kochnische und Bad, in Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachgeschoss. 31 Lehrlinge könnten hier wohnen. Außerdem ist eine Zwei-Zimmer-Wohnung geplant, „für einen Hausmeister oder Sozialpädagogen“, so Denk. Im Kellergeschoss sind drei Bandübungsräume geplant. Außerdem gibt’s einen Mehrzweckraum. 2,7 Millionen Euro würde Denk in die Ziegler-Villa stecken. 

Wegen des Denkmalschutzes „muss alles so bleiben, wie es ist – Fenster, Holztreppenhaus, zwei offene Kamine“, erklärt Denk, ehemaliger Inhaber der Bäckerei Denk. „Ich hab eine Affinität zu denkmalgeschützten Räumen.“ Vor rund drei Jahren hat der 49-Jährige sein Bäckerei-Gebäude an der Münchner Straße im Sinne von Friedensreich Hundertwasser renoviert. Auch bei der Renovierung der Ziegler-Villa würde Denk viel selbst machen, „ich hab eine gute Ausstattung, zum Beispiel meinen Unimog, um Bauschutt wegzufahren“. 

Denk würde als Betreiber die Wohnungen dann an die Auszubildenden vermieten, befristet auf die Dauer der Lehre, für 420 Euro monatlich ür ein Einzelappartment, 250 Euro für ein Zweier-Zimmer. Das entspricht den Preisen für ein Zimmer im Lehrlingswohnheim in München (350 Euro ohne eigenes Bad, 420 Euro mit). Die Azubis können laut Denk vom Arbeitsamt eine Unterstützung in Form von Beihilfe oder Bafög erhalten, etwa 200 Euro. Außerdem würde Denk die Zimmer an Betriebe vermieten, die einen Teil der Miete als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen können. Den Kaufpreis, den er der Stadt geboten hat, möchte Denk nicht öffentlich nennen, nur soviel: „Er ist eher nicht so hoch.“ Aber dafür habe sein Konzept einen sozialen Charakter. 

In den nächsten Wochen werden sich die Stadträte mit den Konzepten der Bewerber befassen. Im ersten Halbjahr soll laut Scherf die Entscheidung fallen. „Ich hätte Lust, das zu machen“, sagt Denk. Er habe schon Herzblut hineingesteckt.

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