1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau

Ein Zauberer, der die Seele streichelt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Warm und anrührend sang Hank Roberts’ Cello, sensibel untermalt von Drummer Jim Black. sch
Warm und anrührend sang Hank Roberts’ Cello, sensibel untermalt von Drummer Jim Black. sch

Dachau - Der Jazz e.V. hat die neue Saison eröffnet - aber diesmal nicht tosend laut, sondern zur Abwechslung: voller Gefühl. Das New Hank Roberts Trio bezauberte die Dachauer mit inniger Poesie.

Eine neue Bühne eröffnet neue Möglichkeiten, das mag man sich beim Jazz e.V. gedacht haben, und setzte diesmal nicht auf musikalische Wutausbrüche, sondern auf pures Gefühl. Das amerikanische „New Hank Roberts Trio“ bot in der Kultur-Schranne auf Cello, Klavier und Schlagzeug eine ebenso spannende wie anrührende Fusion aus Kammermusik und Jazz.

Hank Roberts, Cellist aus der New Yorker Szene, ließ denn auch keinen Zweifel daran, wie erfindungsreich er ist und wie sehr er die Alte Musik verehrt. Mit John Stetch am Piano und Jim Black auf dem Schlagzeug eröffnete er dem Publikum eine unglaubliche Vielfalt an Tönen, die Assoziationen an Natur und Landschaft, aber auch an tiefschürfende seelische Momente zulassen. Auch wenn er immer wieder die Grenze zur progressiven Musik überschritt, indem er alles aus seinem Instrument heraus holte, es malträtierte und stöhnen und klagen ließ, so leuchteten immer wieder kultivierte, klassische Linien auf. Nervös flimmernde Töne wechselten mit heftig gesetztem Vibrato und gingen über in einen traditionellen Jazz-Flow, der swingte und groovte. Er ist ein Zauberer, der die Seele streichelt und seine Musik spendet Trost in einer wahnsinnigen Welt.

John Stetch setzte am Klavier impressionistische Farbtupfer und ließ behutsame Klangkaskaden funkeln. Er nahm sich zurück, um dem Cello nicht den Rang abzulaufen. Auch der großartige Drummer Jim Black, der schon mehrfach in Dachau spielte, bevorzugte optimistische, verhaltene Töne, die er mit Glöckchengebimmel und anderen perkussiven Ideen sensibel untermalte. Seine Klanggewitter hielt er dezent im Zaum, ließ sie nur aufflammen, um dem melodischen Klang des Cellos ein Zeitmaß entgegenzusetzen.

(sch)

Auch interessant

Kommentare