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In einer langen Kolonne rückte das BRK am Freitag aus.

Züge endeten am Dachauer Bahnhof

Herbergssuche in der Nacht des Amoklaufs

Dachau - Die Unterkünfte in Dachau und Umgebung waren am Freitagnacht ausgebucht. Mehrere Regionalzüge endeten wegen des Amoklaufs in München auch am Dachauer Bahnhof. Viele Fahrgäste waren auf der Suche nach einem Nachtquartier. Außerdem gibt es jetzt auch Dank an die vielen Einsatzkräfte.

„Plötzlich standen 30 Leute bei uns in der Rezeption“, berichtet Annika Ficker, Geschäftsführerin der Tafernwirtschaft Fischer am Bahnhof. „Es war ein Chaos.“ Um 20 Uhr wurde wegen der unklaren Lage rund um den Amoklauf in München am Freitagabend der Zugverkehr in und um München eingestellt, einige Regionalzüge strandeten in Dachau. Die Bahn stellte zwar einen Übernachtungszug bereit, trotzdem waren viele auf der Suche nach einer Herberge für die Nacht. 

Das am Bahnhof liegende Hotel Fischer war Anlaufstelle Nummer 1. „Die Leute wussten einfach nicht wohin“, sagt Annika Ficker. „Wir haben locker noch 20 Zimmer verkauft“, für alle haben sie jedoch nicht gereicht. Der normale Preis wurde nicht verlangt, beispielsweise seien zwei Betten in ein Einzelzimmer gestellt worden. Die Küche, die regulär bis 23 Uhr da ist, war länger offen. Bis 1 Uhr seien Leute angekommen. 

Die Stimmung sei sehr gedrückt gewesen. „Wir haben die Fernseher angemacht, die Leute standen teilweise weinend davor“, berichtet Annika Ficker. Ihre Kollegin, die eigentlich am Schank war, war drei Stunden lang an der Rezeption beschäftigt. „Wir haben die Menschen weitervermittelt an andere Hotels, sie zum Teil selbst gefahren.“ 

Zum Beispiel ins griechische Lokal Zorbas in der Mittermayerstraße, das auch Fremdenzimmer anbietet. „Wir haben eine kleine Familie mit einem Kind aufgenommen und zwei einzelne Herren. Die Nachfrage war sehr viel höher, leider konnten wir aber niemanden mehr unterbringen“, so Wirt Dimitrios Dimitriou. Die Gäste haben „deutlich weniger als normal gezahlt, dass meine Unkosten gedeckt waren“. Das Jugendgästehaus war eigentlich ausgebucht – und trotzdem ist eine Gruppe Reisender untergekommen. „Wir haben improvisiert und in einen Raum Matratzen gelegt“, sagt Leiterin Petra Weckerle.

 Die Bahn stellte am Bahnhof einen Übernachtungszug zur Verfügung. Ein Team des BRK Dachau kümmerte sich um die gestrandeten Reisenden, versorgte sie und vermittelte Unterkünfte. Wer am Freitagabend im OEZ war, ist um sein Leben gelaufen. 

Wer in München unterwegs war, hat versucht, möglichst schnell nach Hause zu kommen. Doch die Rettungskräfte gehen genau dort hin, wo die Gefahr ist, um den Menschen zu helfen. „Den Einsatzkräften, die am Freitag in München waren, muss man wirklich großen Respekt zollen“, findet Paul Polyfka, Vorsitzender des BRK-Kreisverbandes Dachau. In einem Brief bedankten er und BRK-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath sich bei den freiwilligen Helfern. „Es ist nicht selbstverständlich, alles stehen und liegen zu lassen, um einen Einsatz zu begleiten, dessen Rahmenbedingungen so unklar sind.“ 

Doch was geht einem Sanitäter, Polizisten oder Feuerwehrmann durch den Kopf, der gerade auf dem Weg ist an den Ort, wo jemand um sich schießt? „Man hat schon sehr gemischte Gefühle. Wir wussten ja nicht, was überhaupt los war, wie viele Verletzte es zu versorgen gibt“, erklärt Reinhard Weber, Kreisbereitschaftsleiter und Einsatzleiter für das BRK Dachau am Freitag. Er ist mit rund 70 Einsatzkräften in 20 Fahrzeugen nach München gefahren. „Die Anspannung war enorm.“ 

Dennoch lief alles reibungslos. Bereits um 18.20 Uhr wurden die Einheiten des BRK durch die Leitstelle alarmiert. Als alle Einsatzkräfte versammelten sich und erhielten eine Einweisung über die Situation, in diesem Fall inklusive Sicherheitsanweisungen. „Wenn jemand nicht mit fahren möchte, muss er nicht mit, allerdings hat es das noch nie gegeben“, so Weber. Das Dachauer BRK hat sich in Gröbenried mit anderen Einheiten aus Fürstenfeldbruck, Starnberg und Landsberg am Lech, sowie dem Raum Augsburg getroffen. Alle Einsatzkräfte wurden zu einem Bereitstellungsraum in Pasing beordert, wo sie auf ihren Einsatz warteten. „Da es sich Gott sei Dank doch nicht um einen Terroranschlag handelte, wurden wir nicht zum Einsatz abberufen.“ Bis 1 Uhr blieben die Helfer auf Bereitschaft. 

„Wenn man dann wieder abrücken kann, lässt die Anspannung natürlich nach. Auch wenn es dann schon sehr spät war, haben wir uns in unserer Unterkunft noch einmal zusammen gesetzt, das Geschehen Revue passieren lassen. Es hilft, wenn man sich mit den Kameraden austauschen kann“, sagt Reinhard Weber. 

Die Dachauer Bereitschaftspolizei war mit allen verfügbaren Einheiten draußen. „Das tolle war, dass ganz viele Kollegen freiwillig aus der Freizeit zurückgekommen sind“, berichtet Fabian Grüneberger, Polizeikommissar der Bereitschaftspolizei. Die Beamten der Bepo waren direkt am Tatort im Einsatz, zur Sicherung und Absperrung, aber auch an anderen Orten, an denen nach Angaben von Anrufern geschossen wurden. „Wir haben kontrolliert, ob dort wirklich geschossen wurde“, so Grüneberger. Außerdem wurden in der Bepo Kapazitäten geschaffen, um die Polizeikräfte von auswärts zu versorgen – und ihnen ein Quartier für die Nacht zu geben.

no/sj/sr

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