Der Personenwagen wurde in der Mitte auseinandergerissen. Bei dem Zugunglück im Röhrmooser Bahnhof starben acht Menschen. foto: Chronik BRK Dachau

Zugunglück vor 125 Jahren: Todesursache "sofortige Gehirnlähmung"

Röhrmoos - Acht Menschen starben im Sommer 1889 im Röhrmooser Bahnhof. Der Bezirksarzt vermutete „sofortige Gehirnlähmung" als Todesursache. Zwölf tatkräftige Dachauer wollen von nun an schnell Hilfe leisten können: Sie gründen eine Sanitätskolonne: das BRK Dachau.

Der Weichenwärter hat vergessen, die Weiche zum Sackgleis zu schließen. Darum prallte im Bahnhof von Röhrmoos ein Schnellzug auf eine Gruppe abgestellter Güterwagen geprallt. Bei dem Zugunglück im Sommer 1889 kamen neun Passagiere ums Leben, zehn wurden schwer verletzt, zahlreiche Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Der verunglückte Schnellzug wurde von zwei Lokomotiven gezogen, die sich über die Böschung tief in die Erde eingruben. Der Personenwagen befand sich zwischen dem Postgepäckwagen und einem Gepäckwagen und wurde in der Mitte auseinandergerissen. Viele der Verunglückten hatten sich auf dem Weg zur Primiz des Ampermochinger Lehrersohnes Ludwig Merk befunden.

Männer der Freiwilligen Feuerwehr Röhrmoos halfen bei der Bergung der Toten und Verletzten, aber es dauerte Stunden bis Hilfskräfte aus München an der Unglücksstelle eintrafen. „Da die Toten kaum äußere Verletzungen aufwiesen, vermutete Bezirksarzt Dr. Heinrich Engert, der mit dem Pferdefuhrwerk zur Unfallstelle geeilt war, ‚sofortige Gehirnlähmung‘ als Todesursache“, schrieb der ehemalige Kreisheimatpfleger Dr. Norbert Göttler.

Das Zugunglück von Röhrmoos war der Anlass zur Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne, um Verunglückten und Kranken schnell Hilfe leisten zu können. Die Gründungsmitglieder waren zwölf beherzte und tatkräftige Dachauer Handwerker und Papierfabrik-Beamte, darunter der Maurermeister Josef Reischl, der Rotgerbermeister Xaver Rößler und der Lebzelter Xaver Altherr. Der Buchdruckereibesitzer und Verleger Franz Mondrion wurde zum ersten Kolonnenführer ernannt. Die Erste-Hilfe-Ausbildung der ehrenamtlichen Rotkreuzler übernahm der Bezirksarzt Dr. Heinrich Engert.

Das erste „Übungslokal“ befand sich, nach Beschluss des Dachauer Marktgemeinderates, im ersten Stock des Dachauer Rathauses. Der Schwerpunkt der theoretischen Ausbildung der Helfer lag auf dem Transportdienst von den Bahnhöfen zu den Reserve- und Vereinslazaretten sowie auf dem Dienst in den Verbands-, Verpflegungs- und Marketenderstationen vor Ort. Ein Jahr nach der Gründung wurde ein eigener Verbandskasten und eine Tragbahre auf Gemeindekosten angeschafft, weitere sechs Tragen wurden vom Münchner Kolonnenführer gestellt. Das Rote Kreuz wurde immer wichtiger, denn die Zahl der Unglücks- und Krankheitsfälle nahm mit der wachsenden Bevölkerung zu.

In 125 Jahren entwickelte sich das BRK Dachau zu einer Hilfsorganisation mit über 1200 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Es ist es aus der täglichen Daseinsvorsorge der Dachauer Bürger nicht mehr wegzudenken. dn

Die BRK-Jubiläumsfeier

Der BRK-Kreisverband Dachau feiert sein 125-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsfeier und Leistungsschau am Sonntag, 28. September, ab 10 Uhr auf dem Parkplatz am Karlsfelder See. Unter den vielen geladenen Gästen werden neben dem BRK-Vorstand auch der BRK-Präsident Theo Zellner, die Vorsitzende des BRK Bezirksverbandes Christa Stewens, Landrat Stefan Löwl, Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann und der Karlsfelder Bürgermeister Stefan Kolbe anwesend sein.

Das Programm: 10 Uhr Beginn der Leistungsschau mit Fahrzeugausstellung; 10.30 Uhr Begrüßung; 11 Uhr Gottesdienst im Festzelt; 12 Uhr Mittagessen; 13 Uhr Schauübung; 14.30 Uhr Festreden; 15.30 Uhr Schauübung.

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