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Streitpunkt Allwetterplatz: Die Stadt favorisiert den Bau eines Kunstrasenplatzes, der TSV will sich nichts verbauen.

Offener Brief an Stadträte und OB

Die Zukunftssorgen des TSV 1865

Die Sportstätten des TSV 1865 Dachau kommen immer mehr herunter. Und der Verein fürchtet langsam, dass er entweder keinen adäquaten Ersatz bekommt oder die Zeit für die Sanierung des Stammgeländes davonläuft. TSV-Chef Wolfgang Moll plagen Zukunftssorgen. In einem offenen Brief wendet er sich an Stadträte und OB.

Dachau– Als Wolfgang Moll die Beschlussvorlage für die öffentlichen Punkte im Stadtrat am kommenden Dienstag las, rief er kurzfristig den Vereinsbeirat zusammen. Denn was er unter TOP 2 las, löste einige Befürchtungen beim Vorsitzenden des ältesten Dachauer Sportvereins aus: Um einen Reparaturkostenzuschuss von der Stadt zu bekommen, soll der TSV nun plötzlich einer Löschung der Grunddienstbarkeit zustimmen, die in Bezug auf den Sportpark Ost eingetragen ist, heißt es da unter anderem. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, fragt sich Moll. Und: De facto heiße das nichts anderes, als dass die Stadt „uns vom Gelände des ehemaligen SSV Dachau Ost herunterhaben will, ohne einen adäquaten Ersatz dafür anzubieten“.

Denn ein Ersatz sei weder der Vorschlag, der ohne das Zutun des TSV vergangene Woche im Hauptausschuss favorisiert wurde, den beantragten Kunstrasenplatz nicht in Ost, sondern auf dem Tennenplatz („rote Erde“) am Stammgelände zu errichten. Noch das Angebot, auf den bereits von der Stadt erworbenen Flächen östlich der Theodor-Heuss-Straße Fußballtrainingsmöglichkeiten zu schaffen. Moll: „Ich glaube, dass allgemein gar nicht bekannt ist, welch umfangreicher Sportbetrieb im Sportpark Ost abläuft.“ Da gebe es mehr als 20 Fußballmannschaften, die dort ebenso ihren Trainingsbetrieb abhalten wie Sportler aus den Abteilungen Baseball, Tennis, Turnen, Kindersportschule, Bogenschießen und Taekwondo, die in der Sporthalle sogar einen bayerischen Landesstützpunkt betreibt.

Fußballplätze, Sporthalle und Tennishalle – deren Bau der TSV 1865 mitbezahlt hat – dafür brauche der Verein eben einen adäquaten Ersatz. Allein die Unterbringung von zusätzlich rund 20 Fußballmannschaften auf dem Stammgelände sei aber logistisch unlösbar.

„Dem Verein geht es ausschließlich darum, den zwischenzeitlichen Sanierungs- und Investitionsstau seiner Sportstätten aufzuheben und seinen 18 Abteilungen, mit knapp 2500 Mitgliedern, darunter über 1200 Kinder und Jugendliche, zeitgemäß angemessene Sportstätten zu bieten“, schreibt Moll deshalb in einem erneuten offenen Brief an die Stadträte und den OB (siehe Kasten unten). „Ohne eine alternative Möglichkeit ist der Dachauer Traditionsverein auf eine Nutzung der (...) Sportstätten an der Jahnstraße und der Alten Römer Straße angewiesen.“  

Der TSV 1865 Dachau sei „sehr in Sorge über die gegenwärtige Entwicklung seines Anliegens“, so Moll. Deshalb wirbt der TSV-Chef und der Verein in seinem Schreiben „in aller Form und eindringlich darum, dass die Beschlussvorschläge zum TOP 2 der öffentlichen Stadtratssitzung am kommenden Dienstag korrigiert und die Entscheidungen im Sinne des Antragstellers, des Vereins, getroffen werden.“ 

Wie geht es weiter

mit dem Thema Sanierung/Aussiedlung des TSV? Kommenden Dienstag tagt um 18 Uhr der Stadtrat, mit dem öffentlichen TOP 2 „Sportpark Ost des TSV 1865 Dachau; Investitions- und Reparaturkostenzuschüsse“. Aber auch nichtöffentlich ist der TSV ein Thema. Am Mittwoch um 11 Uhr bittet OB Hartmann zu einem Pressegespräch zum Thema 1865, bevor um 18 Uhr der Verein Mitglieder, Politiker, Presse und Öffentlichkeit zu einer Info- und Diskussionsveranstaltung einlädt.

Der offene Brief des Vorsitzenden zu den Problemen, denen der TSV gegenübersteht:

 In der Sitzung des Vereinsbeirats am Donnerstag haben alle Mitglieder gemeinsam beschlossen, sich in einem offenen Brief an den OB zu wenden – um die Interessen des Vereins einmal ausführlich zu erklären. Und auch, um Dinge „richtig zu stellen“. Etwa zur Geschichte des TSV. Ende des Jahres 2004 hat der TSV seine damalige Fußball-Jugendsportanlage an der Theodor-Heuss-Straße zugunsten des Neubaus für die Grundschule Augustenfeld und die Montessorischule aufgegeben, heißt es etwa in dem Brief des Vorsitzenden Wolfgang Moll. Dann hat der Verein „im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung (und des politischen Willens)“ ab Januar 2005 seine Fußball-Nachwuchsmannschaften am Sportpark Ost an der Alten Römer Straße „platziert“. Dabei hat der TSV auch zahlreichen Abteilungen und Mitgliedern des SSV Dachau Ost, darunter Fußball, Tennis, Taekwondo, Aikido und Turnen eine „neue sportliche Heimat“ geboten. Die ehemaligen SSV-Flächen hatte die Stadt Dachau schon zuvor, im Jahr 2000, vom Freistaat Bayern „vergleichsweise ,preisgünstig’“ abgekauft, so Moll. Aber zweckgebunden: Die Stadt hatte sich verpflichtet, die Flächen mindestens bis 2010 für Sport zu nutzen. Ein Erbbaurechts-Vertrag, den der SSV mit der Stadt hatte, wurde dem TSV allerdings „verwehrt“, so Moll. Nun ist der TSV 1865 nur Mieter, komme aber „faktisch und praktisch seinen Verpflichtungen für Nutzung und Unterhalt nach, als ob es ein Erbbaurechtsvertrag wäre“, sagt Moll. Der TSV kümmert sich also um die ehemaligen SSV-Flächen – auch weil er sie dringend braucht und zwar auch weiterhin. Eine „alternative Unterbringung des gegenwärtigen Sportbetriebes“ vom Sportpark Ost sei „gegenwärtig und in absehbarer Zeit nicht denkbar, geschweige denn realisierbar“. Denn: Die Aussiedlung scheine auch in naher Zukunft nicht zu klappen. Jedenfalls schreibt Moll, dass „sämtliche Bemühungen des Vereins“ zur Aussiedlung gescheitert seien, und zwar „bis zum heutigen Tage“. Und warum? „Entweder an Umständen und Rahmenbedingungen, die nicht in seinem Verantwortungsbereich liegen, oder aber am fehlenden Zuspruch für vom Verein angeregte Vorgehensweisen“, so Moll. Damit meint er wohl erstens die schwierigen Grundstückverhandlungen, und zweitens, mit dem „fehlenden Zuspruch“, die Politik. Dieser fehlende Zuspruch werde zwar „respektiert“. Doch was die TSVler vermissen, sind „realisierbare Vorschläge“ von jenen Kritikern. Die Idee, dass ein neuer Kunstrasenplatz auf dem Stammgelände – auf dem jetzigen Allwetter-Tennenplatz – angelegt werden soll, ist für den Verein nicht nachvollziehbar. Aus logistischen Gründen – und aus nachvollziehbaren Zukunftsüberlegungen: Denn falls es mit der Aussiedlung niemals klappen sollte, könnte genau dort eine neue Jahnhalle oder auch eine andere Sportstätte entstehen. Den Platz dürfe man sich nicht verbauen


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