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2300 Babys hat sie auf die Welt geholt: Die Hebamme Maria Buxeder aus Altomünster.

100. Geburtstag vom Maria Buxeder

Eine Hebamme aus Leidenschaft

Viele Männer und Frauen aus der Großgemeinde Altomünster hat Maria Buxeder vom ersten Atemzug an gekannt. Denn sie war eine von zwei Hebammen in Altomünster – 34 Jahre lang. Am morgigen Sonntag wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Altomünster – Fast ein wenig andächtig blättert Johann Buxeder in dem dicken Buch vor ihm auf dem Tisch. Ein so genanntes Hebammenbuch. Das zu führen, war für jede Hebamme Pflicht. Johann Buxeder hat die Aufzeichnungen seiner Mutter alle aufgehoben. Für jedes Kind, das zur Welt kam, ein Streifen mit jeweils 12 Spalten im Buch. Mit dem genauen Geburtstermin, dem Gewicht und der Größe des Kindes, den Umständen der Geburt und vielen Angaben mehr.

Ein ganzer Keller ist voll mit den Büchern. Alle in deutscher Schrift geschrieben. Ab und zu kommt jemand und möchte etwas nachrecherchieren aus der Familie. Zu einem Familientreffen hat ein Altomünsterer mal die Streifen von sich selbst und den sieben Geschwistern als Geschenk angefordert. Ansonsten bleiben die Bücher unter Verschluss, obwohl Johann Buxeder sich überlegt hat, sie der Gemeinde für das Archiv anzubieten. Als eine Art Vermächtnis seiner Mutter, die in 34 Jahren etwa 2300 Kindern auf die Welt geholfen hat. Fünf bis sechs im Monat. Die erste Geburt war am 3. Januar 1944, die letzte am 9. Oktober 1978.

Maria Buxeder wurde am 5. März 1917 in Untereinbuch/Regensburg geboren, heiratete 1938 ihren Mann Johann Buxeder und bekam drei Kinder: Maria, geboren 1937, Johann Baptist, geboren 1938, und Theresia, Jahrgang 1941. Von Januar 1942 bis Juli 1943 absolvierte Maria Buxeder einen Hebammenkurs in der Frauenklinik in der Maistraße, München. Gesamturteil der stattlichen Prüfung: sehr gut. 1944 war Maria Buxeder eine ausgebildete Hebamme, die einzige mit Telefon. So war sie gut erreichbar, „oder aber die Leute kamen zu uns und haben von hier aus telefoniert, wie bei einem öffentlichen Telefon“, lacht Johann Buxeder. Er kann sich gut an die Zeit erinnern: Dass seine Mutter viel weg war, vor allem während des Kurses. Und natürlich auch wegen ihrer Tätigkeit, in der sie immer die Ruhe selbst war und diese Ruhe an die werdenden Mütter weitergab. Der kleine Johann und seine Schwestern wurden dann zumeist versorgt von ihrer Tante Resl. Denn auch der Vater war in seinem Beruf als Zimmermann viel unterwegs.

Später, mit dem Führerschein in Händen, war dann Johann Buxeder viel mit der Mutter unterwegs. „Sie war nicht so sicher im Fahren“, erinnert sich Buxeder. Zu zweit sind sie dann entweder zu den Schwangeren nach Hause gefahren, wenn eine Untersuchung fällig war oder eben die Geburt zu Hause anstand. Manchmal aber mussten sie gleich ins Altomünsterer Krankenhaus weiterfahren. Das Einzugsgebiet der beiden örtlichen Hebammen war groß: nicht nur die Großgemeinde Altomünster mit all ihren Weilern und Einöden war „zu versorgen“. Es ging bis nach Erdweg und in die Ausläufer der Gemeinde Odelzhausen. „Ich hab’ noch immer das Stöhnen der Frauen im Ohr, wenn sie ins Krankenhaus gebracht wurden“, so Johann Buxeder.

Bücher, Bilder, Erinnerungen: Sohn Johann Buxeder und seine Frau Rosmarie haben alle Dokumente aufgehoben – und vermachen sie nun vielleicht dem Museum.

Die Familie hat auch noch einige der Hebammenutensilien aufbewahrt: eine Leinentasche mit Federzug zum Beispiel. Das war die Waage für die Babys. Besonders viel Technik gab es eben damals nicht, geschweige denn Ultraschall. Die Lage eines Kindes wurde mit geschickten Händen ertastet, der Herzschlag mit Stethoskop abgehört. Doch die werdenden Mütter hatten viel Vertrauen in Maria Buxeder. Auch Johann Buxeders Frau Rosmarie. „Für mich war das selbstverständlich, dass meine Schwiegermutter die Kinder holt“, betont sie. Geklappt hat das allerdings nur bei Tochter Karin, Jahrgang 1967. Auch zu ihr findet sich ein Streifen in einem der vielen Hebammenbücher. Bei Hans-Peter, Jahrgang 1965, hatte sich Maria Buxeder den Arm gebrochen, so dass Rosmarie ins Krankenhaus ging. „Aber die eigenen Enkelkinder auf die Welt zu holen, war für meine Mutter etwas ganz Besonderes“, so Johann Buxeder.

Die Mutter des Ehrenschützenmeisters von Edelweiß Altomünster kannte so ziemlich jeder. Und sie hat alle Kinder aufwachsen sehen. „Schau, die hob i a brocht“, pflegte Maria Buxeder oft zu sagen, wenn sie eines „ihrer“ vielen Kinder irgendwo traf. 1979 gab Maria Buxeder ihren Beruf auf. „Sie war eine Hebamme aus Leidenschaft“, meint Johann Buxeder.

Am 25.04.1985 ist Maria Buxeder gestorben. Ihr Vermächtnis, die Hebammenbücher, will Prof. Dr. Wilhelm Liebhart nun ins Museum Altomünster holen.

Sabine Schäfer

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