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Bauteil für Bauteil rückt die Windkraftanlage bei Pellheim dem Himmel näher. Ab August sollen sich die Flügel drehen – allerdings nur tagsüber.

Das zweite Windrad auf Dachauer Flur wächst

Zeit, dass sich was dreht

Das Windrad bei Etzenhausen hat bald einen Zwilling. In etwa zwei Kilometern Entfernung wächst die Anlage der Ziegelei Hörl & Hartmann in die Höhe. Ab Anfang August sollen sich nahe Pellheim die Flügel drehen. Wenn nicht noch was dazwischenkommt. Eine Klage läuft. Weitere Auflagen drohen.

Für Windkraftgegner, und davon gibt es rund um Pellheim viele, ist es schwer zu verkraften. Da ist einmal der Anblick, wenn die Windkraftanlage der Firma Hörl & Hartmann Bauteil für Bauteil unaufhaltsam dem Himmel näher rückt. Und dann ist da noch dieser Kniff, mit dem der Betreiber die Stadt Dachau schachmatt setzte.

Der kaufmännische Leiter der Ziegelei, Matthias Hörl, und seine Mitdenker hatten die Riesenwindmühle zur „Nebenanlage“ deklariert, für die die normalen Abstandsregelungen nicht gelten. So sind die nächsten Häuser nur rund 860 Meter entfernt. Im gemeinsamen Flächennutzungsplan der Landkreisgemeinden sind 900 Meter festgelegt. Dank des Kniffs lief das Begehr der Stadt ans Landratsamt, die Genehmigung auszusetzen, ins Leere. Hörl machte überdies mit einer erfolgreichen Klage Druck auf das Landratsamt. Und siehe da: Im Dezember hielt Hörl die Genehmigung in Händen. Anfang August soll das 208 Meter hohe Windrad fertig sein und dann etwa sieben Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren. Wer nun glaubt, dass sich die Turbowindmühle ständig dreht, der irrt.

So findet am 19. Juli vor dem Münchner Verwaltungsgericht eine Verhandlung statt. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz, kurz VLAB, hat Hörl & Hartmann verklagt, weil etwa der Rotmilan in der Gegend um Pellheim heimisch und somit gefährdet sei. Der Verein ist prominent besetzt. Ehrenpräsident ist etwa Enoch Freiherr von Guttenberg, der Vater von Ex-Verteidungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dem VLAB geht es nicht nur um die Vögel. „Ich sehe an allen Ecken und Enden Probleme. Hier versucht man, um die 10-H-Regel und um den Artenschutz herumzukommen“, sagt VLAB-Geschäftsführer Andreas Schmiedinger. Matthias Hörl meint hingegen, dass das Windrad für die Energieversorgung der Ziegelei wichtig sei. Und: Einen brütenden Raubvogel hat in Pellheim bislang noch keiner entdeckt.

Etwa 70 Prozent der vom Windrad gewonnenen Energie wird für die Ziegelei benötigt, der Rest geht ins Netz. Ein lukratives Geschäft, wie die Betreiber finden. Und an dem sollen auch die Bürger in den umliegenden Ortschaften verdienen – in dem sie Kapital zuschießen und damit Genussrechte erwerben. Ihre Genussscheine sollen sich schließlich – wenn alles gut geht – ordentlich verzinsen.

„Wir waren von Anfang an mit den Bürgern in Kontakt. Wir können aber noch nichts Genaues anbieten, solange wir nicht die Entscheidung des Gerichts kennen“, sagt Matthias Hörl. Und die Abschaltzeiten!

Nachts müssen die Flügel still stehen, das hat das Landratsamt schon jetzt verfügt. Zudem soll per Monitoring beobachtet werden, ob Fledermäuse um das Windrad huschen. Gegen diese Auflage hat die Ziegelei geklagt. Erst wenn über den Flugverkehr von Fledermaus und Rotmilan entschieden ist, sieht die Ziegelei klarer. Verliert sie die Prozesse, drohen weitere Abschaltphasen. Auf die Frage, ob er während des Genehmigungs-Hickhacks Phasen der Resignation durchlitten habe, antwortete Matthias Hörl: „Wir haben vier Jahre lang daran gearbeitet. Das Projekt fallen zu lassen, stand nie zur Debatte.“

Thomas Zimmerly

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