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Dokument des historischen ASV-Erfolgs: Ein Artikel in den Dachauer Nachrichten im Juli 1955. repro: hae

Der größte Erfolg

Der größte Erfolg einer Fußballmannschaft des Landkreises Dachau liegt genau 65 Jahre zurück. Am 30. Juli 1955 stieg der ASV Dachau in die höchste bayerische Amateurliga auf, in die dritte Liga. Und löste dabei eine Völkerwanderung aus.

ASV Dachau in der 3. Liga

Dachau – Wir schreiben das Jahr 1955. Ein Jahr nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft in Bern ist das deutsche Wirtschaftswunder gerade erst im Kommen. Konrad Adenauer ist Bundeskanzler, Catarina Valente führt die Musik-Charts mit dem Lied: „Ganz Paris träumt von der Liebe“ an. Die Bundesrepublik Deutschland tritt der NATO bei, Rot-Weiss Essen wird mit einem 4:3- Sieg über den 1. FC Kaiserslautern Deutscher Fußballmeister. Und der ASV Dachau steigt am 30. Juli 1955 in die 1. Amateurliga Bayern Süd auf, die dritte Liga. Auf den Tag genau heute vor 65 Jahren.

Bis der größte Erfolg in der (Fußball-)Vereins- und Landkreis-Geschichte unter Dach und Fach gebracht werden konnte, bedurfte es einiger Kraftakte. Durch einen 2:1- Sieg gegen den hochfavorisierten FC Haidhof/Maxhütte im Entscheidungsspiel auf neutralem Boden in Ingolstadt vor 11 000 Zuschauern gelang den Stadtwäldern dieser historische Sieg und damit der Aufstieg in die 1. Amateurliga Bayern.

Was das Besondere an diesem Match in Ingolstadt war? Ins Ingolstädter ESV-Stadion pilgerten 2000 bis 3000 Dachauer Fans – und das 1955, wo beileibe nicht jeder einen fahrbaren Untersatz hatte. Ein Zeitzeuge erinnert sich: „Es war die reinste Völkerwanderung.“

Aber schon vor dem Entscheidungsspiel stand der Aufstieg auf der Kippe. Erst am letzten Spieltag schlug der ASV Dachau im Heimspiel vor 2000 Zuschauern den FC Haidhof mit 3:0 – und sicherte sich damit das Entscheidungsspiel – gegen den gleichen Gegner. Die Rivalen der Dachauer in der Aufstiegsrunde waren folgende Teams: FC Memmingen, der FC Maxhütte-Haidhof, der SV Saal, die TSG Pasing und die SpVgg Kaufbeuren. Die Vereine konnten sich in diesen Zeiten immer auf die Fans verlassen. 2000 Zuschauer und mehr waren keine Seltenheit.

Zuvor hatten die Dachauer die Gruppe B der 2. Amateurliga Bayern als Aufsteiger gewonnen. Im Aufstiegsrelegationsspiel gegen die finanziell gut ausgestatteten Haidhofer waren die Oberbayern Außenseiter, zumal der FCH über eine mehr als stabile Abwehr verfügte. Entsprechend fielen die Tore für die Dachauer: nach Standards. Einen Foulelfmeter versenkte Torjäger Ernst Apfelbeck und der Halblinke Ittner versenkte einen Eckstoß direkt. Großen Anteil am Erfolg hatte auch ASV-Keeper Seidl, der einige klare Chancen der Oberpfälzer zunichte machte.

So stieg der ASV Dachau in die 1. Amateurliga auf. In der ersten Saison mussten die Oberbayern dann erneut in ein Entscheidungsspiel, dieses Mal allerdings gegen den Abstieg. In einem hitzigen Match in Landshut im Jahr 1956 mussten sich die Stadtwälder dem MTV Ingolstadt vor 4000 Zuschauern mit 0:2 geschlagen geben. Gegen Ende der Partie artete das Match aus, die Dachauer verloren nicht nur das Spiel, sondern in einem Tumult wurde der Dachauer Linksaußen Schmidhofer verletzt. Zuvor hatten, nach Augenzeugenberichten, zwei Dachauer einen Ingolstädter hinter dem Rücken des Schiedsrichters zu Boden gestreckt.

Zur Aufstiegssaison 1954/55 des ASV Dachau noch einige Zahlen: Es wurden 47 Spiele ausgetragen, 25 Siege, acht Remis, 14 Niederlagen und ein Torverhältnis von 98:63 standen damals unter dem Strich. Insgesamt kamen 22 Spieler zum Einsatz, sechs davon allerdings nur in weniger als drei Spielen, letztendlich ergab sich ein Stamm von 16 Spielern. Im Einzelnen spielten: E. Seidl (45), Schmidhofer (44), Kellerer, Sedlbauer und A. Seidl (43), Stemmer und Pauker (40), Frimmer (39), Hechenberger (38), Mayer (34), Ittner (29), Höfelmeier (20), Apfelbeck (17), Thurner (16), Heichele (14), Bertl (7). Die besten Torschützen waren: Mayer (31), Schmidhofer (19), Frimmer (12), Apfelbeck (7), Sedlbauer (6), Kellerer und A Seidl je 5.

Ernst Apfelbeck setzte seine Karriere nach dem Abstieg mit dem ASV Dachau im Übrigen in Ingolstadt fort. Er ist der Protagonist eines historischen Ereignises: Er schoss 1963 das letzte Tor der Oberliga Süd, ehe die Bundesliga ins Leben gerufen wurde.

Bruno Haelke

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