Kind Schüler Schulklasse meldet sich
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Die Stütz- und Föderklasse am Förderzentrum ist für Grundschüler mit sehr großen Schwierigkeiten.

Kreistag bewilligt trotz zu wenig Anmeldungen 125 000 Euro

Stütz- und Förderklasse im Förderzentrum bleibt bestehen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Sie ist für Grundschüler mit größtmöglichen Startschwierigkeiten. Trotz zu wenig Anmeldungen hält der Landkreis an der Stütz- und Förderklasse am Förderzentrum in Dorfen fest.

Dorfen - Wegen Corona steckt sie jetzt selbst in Startschwierigkeiten – die erst im Herbst 2019 ins Leben gerufene Stütz- und Förderklasse (SFK) des Landkreises am Förderzentrum in Dorfen. Obwohl derzeit nur vier Schüler die auf maximal acht Kinder ausgelegte Klasse besuchen und fürs kommende Schuljahr noch zu wenig Anmeldungen in Sicht sind, wird der Landkreis dieses pädagogisch sehr aufwändige Projekt fortsetzen. Die dafür erforderlichen 125 000 Euro bewilligte jetzt der Ausschuss für Bildung und Kultur des Kreistags.

Die FSK nimmt nach den Worten von Jugendamtsleiter Peter Stadick Grundschüler auf, die einen „sehr hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung haben“. Schule und Jugendhilfe arbeiteten dabei eng zusammen. Der Personalaufwand sei hoch – und entsprechend teuer. Die Kinder werden von zwei Lehrern, zwei sozialpädagogischen Fachkräften und einem Psychologen betreut. Nach maximal zwei Jahren sollen die Kinder reif für die Regelschule sein oder in die Förderschule wechseln. Die SFK ist in Dorfen angesiedelt, betrieben wird sie vom Josefsheim Wartenberg des Seraphischen Liebeswerks Altötting.

Bis zu acht Kinder können aufgenommen werden

Es dauerte einige Zeit, bis das Personal rekrutiert war und sich der Betrieb in den eigens dafür aufgestellten Containern eingependelt hatte. Zum Auftakt der SFK im September 2019 waren es sechs Buben, die hier ganztags unterrichtet und betreut wurden, ein Jahr später nur noch vier.

Weil die Förderung maximal zwei Jahre dauern darf, können im September 2021 bis zu acht neue Kinder aufgenommen werden. Gerade einmal zwei Interessenten gibt es bereits, eine dritte Anmeldung wird gerade geprüft, so Stadick. Die Förderzentren und das Schulamt habe man gebeten, mögliche Problemkinder zu melden. Andernfalls drohe die Gefahr, das Projekt SFK auslaufen lassen zu müssen.

Corona setzte dem Angebot massiv zu

Corona setze auch der SFK massiv zu, berichtete der Jugendamtsleiter. Der Unterrichts- und Betreuungsausfall wirkt sich hier besonders drastisch aus. Und: Wegen der Pandemie gibt es heuer wohl keine Schuleingangsuntersuchungen. Es sind also viele Unbekannte im Spiel. Experten befürchten, dass sie viele auffällige Kinder derzeit nicht oder erst zeitverzögert zu Gesicht bekommen. Das heißt: Wie hoch der Bedarf nach besonderer Förderung und Betreuung im nächsten Schuljahr wirklich sein wird, kann niemand abschätzen. Auch in den ersten Wochen nach Unterrichtsbeginn könnte es noch Anmeldungen geben.

Stadick meinte aber auch, die SFK habe sich aufgrund der Coronalage bislang nicht aussagekräftig bewähren können. „Aussagen über Erfolg und Wirksamkeit können vonseiten der Jugendhilfe noch nicht getroffen werden.“

Ein vorzeitiges Aus will niemand

Ein vorzeitiges Aus wollte im Ausschuss ohnehin niemand. Er sah sehr wohl die aktuelle Sondersituation. Schulamtsleiterin Marion Bauer hatte gute Nachrichten: Denn die Regierung von Oberbayern stehe einer längeren Unterbringung in der SFK aufgrund der Unbilden der Pandemie eventuell doch offen gegenüber. Auch Bauer hält es für realistisch, dass es in den kommenden Monaten noch Anmeldungen geben könnte. Sie appellierte an den Ausschuss, das wichtige Projekt fortzusetzen und die 125 000 Euro zu bewilligen.

Damit rannte sie bei den Kreisräten offene Türen ein. Michael Oberhofer (CSU) sprach von einer „sehr wichtigen Einrichtung“. Auch wenn derzeit (zu) wenig Bedarf erkennbar sei, sei dieser sicherlich vorhanden. „Die Jugendämter registrieren in der Pandemie bislang nicht mehr Fälle häuslicher Gewalt als sonst. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Man sieht sie aktuell nur nicht“, zog der Mittelschulleiter eine Parallele.

Vom Bedarf überzeugt

Stephan Glaubitz (Grüne) regte an, sogar ein, zwei Plätze im Herbst bewusst freizuhalten, um auch nach Schuljahresbeginn noch reagieren zu können. „Der Bedarf wird zutage treten, davon bin ich überzeugt“, so Glaubitz. Der Beschluss erging erwartungsgemäß einstimmig.

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