30000 Euro und eine Freundin weniger

Zorneding - Wie heißt es so schön: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Diese Erfahrung mussten jetzt ein Zornedinger Ehepaar und eine 89-jährige Münchnerin machen.

Es ging um eine über 50 Jahre dauernde Freundschaft und 30 000 Euro. Wegen veruntreuender Unterschlagung saß das Ehepaar Horst und Rita K. (alle Namen geändert) auf der Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts.

Das war geschehen: Vor gut fünf Jahren findet die heute 89-jährige Münchnerin Herta B. einen Briefumschlag ihres im Dezember 2006 verstorbenen Mannes. Der Inhalt: 30 000 Euro. Da sie keine Familienangehörigen hat und nicht weiß, was sie mit dem Geld machen soll, wendet sie sich Hilfe suchend an Horst K. (80). Dieser rät der alten Dame, das Geld auf einer Bank einzuzahlen, ist ihr bei dem Vorgang in München sogar behilflich. Ein Jahr später ruft die Bank bei Herta B. an und teilt ihr mit, dass die Anlage nun abgelaufen sei.

Nun soll Horst K. der Freundin gesagt haben, das Geld sei bei ihm in Zorneding viel besser aufgehoben als in München. Mit dieser Aussage soll er die alte Dame überzeugt haben, ihm und seiner Frau die 30 000 Euro zu überlassen. Mit dem Geld habe sich das Paar dann ein Auto gekauft.

Horst K. und seine 74-jährige Ehefrau räumten vor Gericht ein, das Geld erhalten und für einen Autokauf verwendet zu haben. Aber: Herta B. habe den Betrag von der Bank abgehoben und ihnen mit den Worten „da, nehmt es, ihr bekommt eh mal alles, wenn ich tot bin. Dann müsst ihr keine Steuer zahlen“, überlassen haben. In der Annahme, es handle sich um ein Geschenk, habe man dann über das Geld verfügt. „Wir waren sehr gut befreundet, über 50 Jahre“, sagte Horst K. vor Amtsrichter Peter Hayler. Fast jeden Mittwoch habe er Herta B. zum Essen zu sich nach Zorneding geholt, man habe zusammen Ausflüge unternommen oder Spielenachmittage veranstaltet. Im April 2007 sei man zudem zusammen beim Notar gewesen. Dort habe Herta B. ihn und seine Frau als Alleinerben im Testament einsetzen lassen.

Herta B. konnte sich in ihrer Zeugenaussage zunächst nicht an diesen Termin erinnern. Erst nach längerem Überlegen fiel er ihr wieder ein. Auf die Frage von Richter Hayler, warum sie das Geld überhaupt abgehoben habe, sagte sie: „Weil mir Herr K. gesagt hat, dass es in seiner Wohnung besser aufgehoben ist.“ Sie habe das Geld erst nach diesem Rat von der Bank geholt. Dann jedoch änderte Herta K. ihre Aussage und betonte, sie habe sich das Geld auszahlen lassen und dann an das Ehepaar übergeben. „Aber nur zur Aufbewahrung, nicht als Geschenk“, betonte sie. Und: „Das war ein Freundschaftsdienst.“

„Was hat denn das mit Freundschaft zu tun, wenn man jemandem Geld zur Aufbewahrung gibt?“, wollte die Verteidigerin wissen. .“

Da der Tatnachweis nicht geführt werden konnte, beantragten sowohl Staatsanwalt als auch Verteidigerin Freispruch für das Ehepaar. Richter Peter Hayler folgte diesem Antrag. Horst und Rita K. verließen den Gerichtssaal als unbescholtene Bürger - aber mit einer Freudin weniger.

Von Tanja Beetz

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