Neubau pfarrkirche poing 

634 Kacheln fehlen

Der Kirchweihsonntag war eigentlich als großer Tag für Poings katholische Gemeinde geplant: Am gestrigen 15. Oktober hätte die neue Pfarrkirche feierlich eingeweiht und eröffnet werden sollen. Doch an der Fassade fehlen noch 634 Kacheln – die Firma hat pleite gemacht.

Poing – Am 2. August ist für die katholische Kirche in Poing, aber auch in der Erzdiözese München und Freising, eine Welt zusammengebrochen. An jenem Tag wurde die Insolvenz der Fassadenbaufirma veröffentlicht – damit einhergehend die Meldung, dass die für 15. Oktober vorgesehene Einweihung und Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss. Der gestrige Kirchweihsonntag hätte einer der größten Tage in der Geschichte Poings werden sollen. Hätte – würden nicht 634 weiße, dreidimensionale Kacheln für die Fassade fehlen. Diese Zahl hat die Pressestelle des Ordinariats auf Anfrage unserer Zeitung jetzt bekannt gegeben.

Insgesamt sind es rund 15 000 Kacheln, die an der Fassade des neuen Gotteshauses an der Gruber Straße hätten montiert werden sollten. Beinahe wäre dies auch gelungen, doch kurz vor Schluss hat die beauftragte Fassadenbaufirma Zahlungsunfähigkeit angemeldet, das Insolvenzverfahren ist bereits eingeleitet worden.

Das Ordinariat hat eigener Aussage zufolge das Auftragsverhältnis mit dem betroffenen Unternehmen aufgelöst. Aktuell sei man in Endverhandlungen mit den Bietern, die Lieferung und Montage der fehlenden Kacheln übernehmen sollen. Das gestaltet sich laut Pressestelle schwierig, weil: „Die Suche nach einem belastbaren Konstrukt aus geeignetem Lieferant und Monteur ist aufgrund der komplexen Konstruktionsart und der Einzigartigkeit der Fassade sehr aufwendig.“ Deshalb könne noch kein genauer Zeitplan für die Fertigstellung genannt werden.

In diesem Jahr rechnet sowieso niemand mehr damit. Pfarrer Christoph Klingan hat schon vor einiger Zeit angekündigt, dass die Weihnachtsgottesdienste wie gehabt in der bestehenden Pfarrkirche St. Michael stattfinden werden.

Bei einem ersten Treffen zur Firmvorbereitung für nächstes Jahr hieß es, dass die Firmung wohl ebenfalls noch in Poing-Süd abgehalten werden wird – und nicht in der neuen Pfarrkirche. Ostern? Vermutlich ebenfalls noch in St. Michael.

Während der Fassadenbau seit Ende Juli gestoppt ist, gehen die Arbeiten rund um die neue Pfarrkirche weiter. Der Außenbereich ist so gut wie fertig, innen hingegen sieht es noch ziemlich leer aus. Zeitdruck besteht aber aktuell ja keiner.

Rückblick: Die Fundamente und Betonwände für die neue Poinger Kirche und den Glockenträger wurden ab Mitte 2015 erstellt. Am 3. November 2015 erfolgte die Grundsteinlegung. Im Mai 2017 wurde der Glockenturm fertiggestellt, am 25. Mai (Christi Himmelfahrt) wurden die Glocken geweiht und in den Glockenstuhl gehängt.

Das neue Gotteshaus soll einmal Platz für rund 350 Menschen bieten. Die Kirche nach Entwürfen des Münchner Architekturbüros Meck Architekten wird künftig als Pfarrkirche von Poing dienen. Sie vervollständigt das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer, das bisher aus Kindergarten und Pfarrheim besteht.

Die Poinger Kirche wird die erste katholische Pfarrkirche sein, die das Patrozinium des Seligen Paters Rupert Mayer trägt. Für den Bau hat das Ordinariat rund 14,6 Millionen Euro eingeplant. Laut Pressestelle werde die Insolvenz der Fassadenbaufirma „keine Auswirkung auf die Einhaltung der geplanten Kostenobergrenze für das Projekt haben“.

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