Schnürt schon mal die Stiefel: Michael Kah verlässt diese Woche das Zornedinger Rathaus. foto: er

Abschied wegen der Liebe und der Karriere

Zorneding - Erst am 28. Februar ist alles vorbei. Zumindest in Zorneding. Einen Tag später sitzt Michael Kah nämlich am Schreibtisch einer anderen Behörde als geschäftsführender Beamter. Knapp fünf Jahre lang war er der verlängerte Arm von Bürgermeister Piet Mayr im Zornedinger Rathaus.

Es ist vor allem die Liebe, die den 37-Jährigen jetzt von Zorneding wegzieht. Seine Lebensgefährtin hat nämlich in Augsburg eine unbefristete Stelle in einem recht spezialisierten Bereich bekommen.

Kahs Arbeitsplatzbeschreibung dagegen wird, wenn auch nicht häufig, aber eben doch öfter offeriert. Also war er der Flexiblere. Und natürlich hat es auch ein klein wenig mit Karriere zu tun. In einer Gemeinde wie Zorneding, also mit weniger als 10 000 Einwohnern, gibt es nämlich größere laufbahnrechtliche Restriktionen, als dort, wo Kah jetzt hingeht. Er wird von 1. März an Geschäftsstellenleiter in einer Verwaltungsgemeinschaft sein - und stapelt trotzdem tief. Als „einigermaßen größer“ taxiert er sein neues Rathaus, wobei natürlich die Aufgaben fast dieselben bleiben. Angefangen hat Kah seine Beamtenlaufbahn als gebürtiger Württemberger in Stuttgart nach dem Besuch der Fachhochschule für den öffentlichen Dienst in Ludwigsburg im Bayerischen Wald in der Gemeinde Konzell. 1800 Einwohner hat die, Zorneding hat 8900, die neue auf jeden Fall mehr als besagte 10 000. Also ist doch nicht alles der Liebe geschuldet, sondern irgendwo auch einem weiteren Karrieresprung.

Kah kam nach der Gemeinderatswahl 2008 ins Zornedinger Rathaus. Da war nämlich im März sein Vorgänger Piet Mayr zum Bürgermeister gewählt worden. Seitdem war Kah dessen rechte Hand. Um etwa wiederum Mayr zu beerben, dafür ist sein Chef viel zu jung, der tritt im Frühjahr 2014 wohl zu seiner dann zweiten Amtsperiode an. Und Kah schätzt zwar seinen Chef, aber mit dem Kribbeln im Bauch hat die Liebe zu diesem dann ja auch nichts zu tun. Kah hat in den zurückliegenden fünf Jahren Mayrs politische Vorgaben verwaltungsmäßig aufs Gleis gestellt, war dafür da, Projekte und Initiativen anzuschieben und um als Mädchen für alles einfach zu schauen, dass alles im Rathaus rund läuft. Bei den Personalangelegenheiten, im Kommunalrecht, in der Vorbereitung der Gemeinderatssitzzungen. Auch im Standesamt. Als einer der Stellvertreter des Standesbeamten Andreas Schwinghammer hat er sogar in dieser Funktion eine Trauung vollzogen. Und in die EDV des Rathauses hat Kah hineinregiert. Das war naheliegend, denn als eines seiner Hobbys nennt er den Computer. Neben dem Wandern, was ihn viel nach Österreich oder auf die Kanarischen Inseln treibt.

Die kann er jetzt eintauschen mit „der reizvollen Landschaft“ die vorzufinden rund um Augsburg er sich sicher ist. Ein stückweit ist sein Wechsel ins bayerische Schwaben auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Kah ist ja, wie gesagt, in der schwäbischen Landeshauptstadt geboren. Alles was in Augsburg westlich des Lechs liege, sei, zumindest dem Dialekt nach schon fast wie richtiges Schwäbisch, sagt Zornedings Bauamtsleiterin Diana Saiger. Die muss es wissen. Denn sie ist in Ulm aufgewachsen und hat in Augsburg quasi auf der anderen, sprich bayerischen Seite von Bayrisch-Schwaben studiert.

„Es hat mir viel Spaß gemacht hier in Zorneding, die Zeit war gut“, resümiert Kah. Er will Kontakt halten. „Die vielen Veranstaltungen zum Gemeindejubiläum sind spannend“, verspricht er Wiedersehensmöglichkeiten. Am letzten Arbeitstag, wie gesagt am 28. Februar, wird er letztmals der Protokollant einer Zornedinger Gemeinderatssitzung sein.

Mit Rücksicht auf Zorneding hat Michael Kah nämlich darauf geschaut, seinen Resturlaub schon sukzessive abzubauen und ihn nicht im Block ans Ende zu hängen. Das war gut so. Denn einen Nachfolger gefunden zu haben, damit rechnet Bürgermeister Mayr frühestens zu Anfang April.

Eberhard Rienth

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