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Mit viel Aufwand renaturiert wurde der Moosacher Hangkanal durch das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim.

Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht

Ärger am Moosacher Hangkanal

Bruck - Der Moosacher Hangkanal hat in der Vergangenheit schon einiges mitgemacht. Vom Ölunfall bis zur Überdüngung des Gewässers gab es die verschiedensten Kalamitäten.

Jetzt geht es darum, dass auf Höhe von Hüttelkofen (Gemeinde Bruck) großflächig Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht wurde - bis zu zwei Meter an den Gewässerrand sagen Augenzeugen. Für Rolf Heimann, Chef des Fischereivereins, der das Gewässer bewirtschaftet, ein Grund Alarm zu schlagen.

Landwirte, Vertreter des Wasserwirtschaftsamts und der örtlichen Fischerei haben sich in der Vergangenheit auf Initiative des Brucker Bürgermeisters Josef Schwäbl bereits einmal zu einem runden Tisch getroffen. Denn Landwirte und Fischer sitzen zum Teil im selben Boot, dann nämlich, wenn durch Überdüngung des Hangkanals das Pflanzenwachstum im Gewässer so explodiert, dass die Felder vernässt werden, weil sich in den Drainagen das Bachwasser zurückstaut. Die Überdüngung ist auch schlecht für die Wasserlebewesen. Im Nachgang zu dem runden Tisch hat das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim im Konsens mit den Landwirten Renaturierungsmaßnahmen am Moosacher Hangkanal finanziert und durchgeführt.

Das Amt für Landwirtschaft kann in der Ausbringung von Unkrautvernichtungsmittel kein Fehlverhalten erkennen. „Der Bauer hat anständigerweise wenigstens zwei Meter Abstand eingehalten“, sagt Thomas Eberl.

Johann Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes hingegen meint: „Nur zwei Meter Abstand könnte ein Problem werden.“ Er schließt damit nicht aus, dass das Unkrautvernichtungsmittel ins Gewässer gelangen könnte. Allerdings schränkt Taschner ein: „Auch in einem Landschaftsschutzgebiet ist die Bewirtschaftung nach guter fachlicher Praxis erlaubt.“

Dass Lebewesen im Wasser durch Unkrautvernichtungsmittel geschädigt werden können, wird längst nicht mehr ausgeschlossen, besonders bei Amphibien, die im Kaulquappenstadium davon Missbildungen bekommen können. Sogar einen Zusammenhang mit dem weltweiten Amphibienrückgang schließen Wissenschaftler nicht mehr aus. Die Landwirte schätzen zum Beispiel das Mittel Glyphosat, weil es jegliches Unkraut vernichtet und damit Nahrungskonkurrenten von Nutzpflanzen ausschaltet. Die Erträge werden höher.

Heimann und seine Fischer bemühen sich seit Jahren, im Moosacher Hangkanal einen Bestand an Bachforellen aufzubauen. Er fürchtet: „Das könnte alles wieder kaputt gehen.“

Inzwischen ist das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim tätig geworden, berichtet Harry Hofmann. „Wir können nicht dort Geld in die Renaturierung stecken und nebenbei wird alles anders gemacht. Darauf muss ich bestehen“, sagt er. Der Vorgang sei an die zuständigen Stellen weitergeleitet worden. „Der Sache wird nachgegangen.“

Für Heimann wäre ein Maisanbau bis direkt ans Gewässer ein Rückschlag, verboten ist er freilich nicht. Aber: die Fischer befürchten, dass durch Oberflächenabschwemmung von Erdreich ins Gewässer der Fischnachwuchs vernichtet werden könnte. Seit Jahren bringen die Angler Bachforelleneier aus der Fischzucht von Ludwig Kiesle in Markt Schwaben aus. Die Fischbrut wächst in dafür vorgesehenen Brutboxen im Bach auf, die auch bei eisigen Temperaturen im Winter jeden Tag kontrolliert werden müssen. mps

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