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In großer Gefahr sind die Wildschweine im Ebersberger Forst, wenn es der Erreger der Afrikanischen Schweinepest bis in den Landkreis schafft.

Neue Krankheit auf dem Vormarsch

Schweinen im Ebersberger Forst droht schlimmes Schicksal

„Das kann eine ganz üble Geschichte werden“, ist Heinz Utschig, der Leiter des Forstbetriebs Wasserburg der Bayerischen Staatsforsten überzeugt. Er ist zuständig für den Ebersberger Forst und damit für etwa 1500 Wildsäue. Und denen droht ein schlimmes Schicksal, wenn sich die Afrikanische Schweinepest bis in den Landkreis Ebersberg ausbreiten sollte.

Landkreis – Momentan sind die jüngsten Fälle der Erkrankung noch etwa 250 Kilometer entfernt. Die Fachleute sind trotzdem alarmiert.

Ende Juni waren an der tschechischen Grenze zwei tote Wildschweine aufgefunden worden, die an der neuen Seuche erkrankt und gestorben waren. Das erschreckende daran: Das Virus hat einen Sprung von etwa 400 Kilometern geschafft, bestätigt Utschig. Es sei nicht so sehr die Frage ob es im Landkreis Ebersberg auftreten werde, sondern vielmehr, wann es auftreten könnte. „Wir werden sehr schnell lernen müssen, damit umzugehen“, sagt Utschig.

Wie Evelyn Schwaiger vom Landratsamt Ebersberg auf Anfrage bestätigte, werden bereits Vorkehrungen getroffen. Sie berichtet von einer Telefonkonferenz, an der das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, die Regierung von Oberbayern, die Landesanstalt für Landwirtschaft und die Bayerische Tierseuchenkasse teilgenommen haben. Im Ergebnis soll aufgrund der Bedrohungslage eine eigene Dienstbesprechung an den Veterinärämtern stattfinden.

„Es ist geplant, das Wildschweinmonitoring weiter zu intensivieren“, kündigt Schwaiger im Vorfeld bereits an. Ein Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest ist bisher nicht verfügbar und wird auch in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen.

Wenn alle Schweine im Ebersberger Forst zugrunde gehen würden, gäbe das möglicherweise sogar ein Entsorgungsproblem. „Akut ist jedoch noch nichts veranlasst“, sagt Utschig. Die Wildsäue im Ebersberger Forst führen gerade ihre Frischlinge.

Auch die Jäger im Landkreis Ebersberg sind alarmiert. „Um eine mögliche Einschleppung der Schweineseuche in Deutschland in die Wildschwein- und Nutzschweinpopulation zu verhindern, stehen eine Allianz der Verantwortlichen – bestehend dem Bayerischen Jagdverband (BJV), Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und dem Bayerischen Bauernverband – in engem Austausch miteinander“, teilte der Bayerische Jagdverband dazu mit. Die Jägerschaft sei aufgefordert, „ein vermehrtes Auftreten von Fallwild (Schwarzwild) der zuständigen Behörde zu melden und geeignete Proben (Blut, Lymphknoten, Milz, Lunge) amtlich untersuchen zu lassen.“

Die neue Infektion führt sowohl bei Wildschweinen als auch bei Hausschweinen zu einer schweren Erkrankung und ist für die Tiere fast immer tödlich. Schwaiger berichtet, dass in unmittelbarer Folge der neuen Bedrohungslage im Landkreis Ebersberg Schweine in Freiland- und Auslaufhaltung besser kontrolliert werden müssen. Ein genaues Maßnahmenpaket gebe es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht.

Für Menschen und andere Nutztiere als Schweine ist die neue Tierseuche nicht gefährlich. Selbst der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch berge für Menschen kein gesundheitliches Risiko.

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