Maßnehmen mit dem Tacker: Minister Hubert Aiwanger rüstet einen Fichtensetzling mit umweltfreundlichem Verbissschutz aus – dessen Entwickler Hans Walther assistiert.
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Maßnehmen mit dem Tacker: Minister Hubert Aiwanger rüstet einen Fichtensetzling mit umweltfreundlichem Verbissschutz aus – dessen Entwickler Hans Walther assistiert.

Reportage

Aiwanger flanscht an: Minister auf Verbissschutz-Tour im Ebersberger Forst

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Zwischen Krisensitzungen und Verfassungsbeschwerde hat Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Ausflug in den Ebersberger Forst unternommen - dort begutachtete er einen neuartigen Schutz für Baum-Setzlinge. Und griff selbst zum Tacker.

Landkreis – Sogar die Umwelt muss er selber retten. Der Mann, der in Karlsruhe gegen die Bundes-Corona-Notbremse und von München aus gegen das Gastronomen-Sterben kämpft, schnappt sich mit den Worten „Gem’s amoi her!“ Elektro-Tacker und Holzschindeln und geht in Lodenjanker und Anzughose vor einem Fichtensetzling in die Knie. Hubert Aiwanger, Bayerns Über-Freier-Wähler und Wirtschaftsminister, hat sich am Freitag zwischen Krisensitzungen und Verfassungsbeschwerden Zeit freischlagen lassen für einen Abstecher in den Ebersberger Forst.

Genauer gesagt, in den Privatwald des Ebersbergers Martin Otter. Dort informierte sich der Vize-Landesvater über eine Produktneuheit: Eine Baumschutzhülle aus nachwachsenden Rohstoffen gegen Wildverbiss. Angemessen salbungsvoll zitiert die nachfolgende Pressemitteilung den Minister: „Wuchs- und Schutzhüllen sind wichtig, um in gezielten Fällen das Hochkommen von jungen Bäumchen und Forstpflanzen sicherzustellen“ Und weiter: „Dieser Baumschutz aus nachwachsenden Rohstoffen ist hoffentlich der Startschuss für eine breite Anwendung in der Praxis und für viele weitere Erfindungen in Punkto Bioökonomie aus Bayern.“

Aiwanger, selbst Waldbesitzer und Jäger, interessieren die praktischen Fragen

Hemdsärmliger als der Pressemitteilungs-Aiwanger ist der echte Ebersberger-Forst-Aiwanger unterwegs. Der Duft von Wildschwein-Bratwurst zieht schon durch den Wald – es grillt der Chef der Waldbesitzervereinigung, Werner Fauth –, da fachsimpelt der Minister noch mit den Entwicklern des Holz-Verbissschutzes um die Wette. „Kann das Reh da reinlangen mit dem Äser?“ fragt der Niederbayer Aiwanger, selber Waldbesitzer und Jäger, und stochert prüfend mit dem Finger in die Ritze.

Wenn ein Minister in den Wald geht: Hubert Aiwanger im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Ebersberger Waldbesitzervereinigung, Werner Fauth - auch im Freien mit Maske und auf Abstand, versteht sich.

Alfred Meyerhuber und Hans Walther, die Entwickler der Baumschutzhülle, halten dem Fragenbombardement des Ministers nach Lichteinfall, Bretterdicke und Verfauldauer von Jutebändern tapfer stand. Gut 20 Zuschauer – Wald- und Forstspezialisten, der Begleitstab des Ministers, Pressevertreter und Bodyguards lauschen vom Waldweg aus gebannt.

Neuartiger Baumschutz soll rückstandslos verrotten

Die beiden Unternehmer aus Unterfranken haben ihr Produkt als Alternative zu einwachsenden, motorsägenvernichtenden Drahthüllen sowie den nimmerverrottenden Plastik-Schutzhüllen entwickelt, von denen ein Großteil im Wald liegen bleibt und zu Mikroplastik zerfällt. Die Konstruktion aus heimischen Fichtenholz-Schindeln, mit verzinkten Stahlklammern an ein Juteband getackert, soll sich dagegen nach fünf Jahren zersetzen und restlos umweltfreundlich auflösen. Auf rund 100 Hektar Privat-Forst ist zunächst ein Testbetrieb geplant, erläutert das Ministerium.

Schmeckt: Hubert Aiwanger beißt in einen Wildschwein-Bratwurst-Doppeldecker im Ebersberger Forst.

Baumschutz: Minister flanscht an

Während der eine oder andere Umstehende hinter vorgehaltener Hand zweifelt, ob die Baumsetzlinge hinter den Holzschindeln genug Licht erwischen, treibt Hubert Aiwanger eine andere Frage um. „Kann man da anflanschen?“, fragt er. München, Karlsruhe und Berlin sind weit weg, als der Minister ein zweites Schindelgebinde an das erste tackert. „Zwei aneinander, dass du rundum kommst“, sagt er und nickt das damit verbissgesicherte Nadelbäumchen an. „So gefällt mir das schon besser.“

Schließlich bringt Aiwanger noch den Vorschlag an, man könne doch innen Nährstoffe und außen Tarnfarbe auf den Verbissschutz sprühen – so dünge das Holz die Bäumchen und der Wald sähe schöner aus. Als auch das erledigt ist, gönnt sich der Minister noch einen Wildschwein-Bratwurst-Doppeldecker, bevor er in der Staatskarosse entschwindet – der nächsten guten Tat entgegen.

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